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Erziehung

Ein Welpe zieht ein

Hunde | Donnerstag, 3. August 2017, Ursula Känel Kocher

Wer sich auf das Abenteuer Hund einlässt, sollte den Einzug des Welpen gut vorbereiten, die erste gemeinsame Zeit optimal nutzen sowie erzieherische Grundsteine legen.

Alpwirtschaft Hinterarni BE, an einem sonnigen Sonntagmorgen. Aufgeregt jagt ein halbjähriger Jack Russell Terrier einem Ball hinterher, den sein Herrchen quer über die Wiese wirft. Ab und zu unterbricht der Hund das Spiel, um mit lautem Kläffen ankommende Wanderer zu begrüs-sen. Nicht unbedingt zu deren Freude.

Eine Situation, die Erika Howald, leidenschaftliche Bäuerin und langjährige Hundetrainerin in Rüti bei Büren BE aus eigener Erfahrung bestens kennt und die ihr in ihrer Hundeschule immer wieder begegnet. «Leider sind nach wie vor viel zu viele Hunde nicht gesellschaftsfähig, gehorchen ‹keinen Dreck› und sind nicht in der Lage, Jagdtrieb und Erregung unter Kontrolle zu halten.» Deutliche Worte, die Howald aber mit Bedacht gewählt hat. Sie betont: «Wer es verpasst, seinem Hund rechtzeitig seine Grenzen aufzuzeigen, darf sich nicht wundern, wenn der Vierbeiner in der Pubertät zum Problemfall wird.»

Die Entscheidungen trifft der Mensch
So viel zum schlechten Beispiel. Doch wie sorge ich dafür, dass ich meinen Welpen nicht zum nervtötenden Spieljunkie oder Kontrollfreak erziehe? «Dieser Prozess beginnt mit dem Einzug des Welpen in sein neues Zuhause», sagt Howald. Ab dem ersten Tag müsse man ihm Grenzen setzen und ihm seinen Platz in der Familie zuweisen. Denn: «Erscheinen Sie dem jungen Hund als Führungspersönlichkeit ungeeignet, wird er seine eigenen Entscheidungen treffen.» Aber nur ein Hund, der sich an Regeln halten kann, fühle sich sicher, erklärt die Hundetrainerin und rät: «Nehmen Sie deshalb Ihrem Welpen die Entscheidungen ab. Sie bestimmen, wann, wo und wie er frisst, spielt und schläft. Und Sie entscheiden, wann Sie ihm Streicheleinheiten geben. Beginnen Sie alle Spiele und beenden Sie sie auch. Mal gewinnt der Welpe, mal Sie.»

Weitere wichtige Grundsteine für die ersten Wochen sind – nebst Futter und viel Schlaf: regelmässige Versäuberungsgänge, Nähe und Vertrauen. «Wichtig ist auch, dass man mit dem Welpen so früh wie möglich die Aussenwelt entdeckt», sagt Howald. In den ersten Tagen habe der Kleine mit den Gerüchen und Eindrücken des neuen Heims, den neuen Menschen und der Umgebung noch genug zu tun. «Doch ab dem vierten Tag sollte er seinem Besitzer im Haus nicht mehr ständig nachlaufen.»

Mit zunehmenden Alter und dem Ausdehnen des Rayons finden neue Begegnungen statt: Vom Velo über Jogger bis zum Bus, vom Bächlein über den Wald bis hin zum Entenweiher. Begegnungen mit Kühen, Pferden und anderen Hunden seien ebenfalls wichtig, so Howald. Dabei unterscheide sie, ob der Hund frei oder an der Leine sei. «Wenn er frei ist, soll er selber entscheiden, ob er mit einem Artgenossen spielen will. Ist er an der Leine, entscheide ich, was läuft.»

Alles muss verarbeitet werden
Ganz wichtig ist in dieser Phase, dass der Welpe auch lernt, alleine zu bleiben. Man solle bereits am zweiten Tag mit dem Training anfangen, rät Howald. «Verschwinden sie kurz aus dem Blickfeld des Welpen, etwa ins Nebenzimmer. Bevor er ihre Abwesenheit realisiert und negativ bewerten kann, kommen Sie wieder zurück.» Das wird nach und nach gesteigert, bis man irgendwann die Wohnung verlassen kann. Wichtig: Je weniger Aufsehen man um sein Kommen und Gehen macht, desto natürlicher wird der Welpe die Situation empfinden. Also keine Begrüs-sungszeremonie abhalten. Falls der Kleine jault: Kurz auf eine Pause warten. Erst dann zurückkehren, sonst glaubt er, das Jaulen habe den Halter zurückgebracht.

«Und bei all dem sollte man nie vergessen, dass alle Aktivitäten vom Welpen verarbeitet werden müssen», sagt die Hundetrainerin. Es sei daher besser, jeden zweiten Tag etwas Kleines zu unternehmen, als für das Wochenende ein Riesenprogramm zusammenzustellen und den Welpen damit zu überfordern.

Was es alles braucht

  • Welpenfutter, Trink- und Fressnapf; Halsband und Leine; Kissen, Korb oder Box als Schlafstätte; ungefährliches Spielzeug
  • Achtung: Nahrungsmittel, Accessoires und Zimmerpflanzen vom Boden in die Höhe verlagern!
  • Steile Treppen und Nischen sichern; das Grundstück ausbruchsicher gestalten
  • Nach einem Versäuberungsplatz Ausschau halten
  • Informationen über Welpenschulen einholen, sich rechtzeitig nach freien Kursplätzen erkundigen
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