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Erkältung

Wenn Bello krächzt, muss der Doktor her

Hunde | Donnerstag, 2. März 2017, Tanja Warter, Tierärztin

Husten und Schnupfen in der kalten Jahreszeit sind für uns Menschen alltäglich. Was viele nicht wissen: Auch Haustiere können sich erkälten.

Wer dieser Tage ins Tram steigt, schätzt sich froh, wenn er noch gesund ist: Ringsherum husten und schniefen die Menschen. Und nicht nur die Menschen: In der kalten Jahreszeit können sich auch Hunde einen hartnäckigen Husten, eine heisere Stimme oder eine erkältete Blase einfangen. Die Entwarnung gleich vorweg: Dass sich ein Hund vom Menschen ansteckt oder umgekehrt, lässt sich zwar nicht zu 100 Prozent ausschliessen, kommt aber äusserst selten vor. Meist sind Viren tierartspezifisch aktiv. Kuscheln mit dem hustenden Hund ist also erlaubt. 

Eine Erkältung ist der Definition nach eine «nach Abkühlung auftretende Entzündung der Atemwege, des Mittelohrs oder des Harntraktes». Ursache sind meistens Viren, die gern in dem Augenblick angreifen, wenn beispielsweise die Nase unterkühlt und deshalb die Durchblutung geringer ist. In der Regel verlaufen Erkältungen unproblematisch, auch wenn sie nervig sind und man sich angeschlagen fühlt. Ist die Immunabwehr kräftig genug, um sich gegen die Viren zu verteidigen, wird der Körper oft ganz allein mit den Angreifern fertig. Klappt das aber nicht, drohen unterschiedliche Komplikationen. Meist siedeln sich zusätzlich Bakterien an. Damit verschlimmert sich die Krankheit, der tierische Patient neigt zu Fieber und braucht Antibiotika. 

Die Atemwege stehen oft im Zentrum von Erkältungen. Es sind komplizierte, anatomische Strukturen mit vielen kleinen Verästelungen und einer sensiblen Schleimhaut. Speziell in der Nase ist die Oberfläche der feinen Schleimhaut riesig, weil sie fein zusammengefaltet ist. Das sorgt unter anderem dafür, dass kalte Luft aus der Umgebung auf ihrem Weg zur Lunge vorgewärmt wird – ein cleverer, natürlicher Schutzmechanismus. Die Spitze der Nase ist innen mit Bakterien besiedelt. Das ist bei Menschen wie Tieren ganz normal. Doch bildet die Nasenschleimhaut verstärkt Flüssigkeit, kommt es also zu Nasenausfluss, dann haben sich krank machende Erreger eingenistet. 

Hunde fangen sich im Winter recht schnell eine Entzündung der Nasenschleimhaut ein. Ein erstes Indiz für eine Verkühlung kann Niesen sein. Dabei wird explosionsartig Luft aus der Lunge sowie aus Nase und Mund geschleudert. Niesen ist ein Schutzreflex zur Entfernung reizender Substanzen aus der Nasenhöhle. 

Hunde, die rückwärts niesen
Ist der Ausfluss klar und wässrig und der Hund sonst gut gelaunt, kann ein altes Hausmittel dem Tier helfen: Man stelle im Raum des Hundes einen heissen Topf mit Wasser und Eukalyptusöl oder Pfefferminze auf. So atmet der Vierbeiner die heilsamen ätherischen Öle ein. Auch immer hilfreich ist eine Inhalation mit Meersalz. Bringen Sie einfach etwa einen Liter Wasser zum Kochen und lösen Sie darin mindestens drei Esslöffel Meersalz auf. Nehmen Sie den Topf vom Herd und stellen Sie ihn in die Umgebung des Tieres. Wählen Sie zum Inhalieren einen kleinen, geschlossenen Raum aus – zum Beispiel ein Badezimmer. Achten Sie darauf, dass der Abstand des Tieres zum Dampf gut einen Meter beträgt, damit es dem Tier nicht zu heiss wird. Nach 10 bis 15 Minuten ist die sanfte Therapiesitzung beendet. Ist der Nasenausfluss gelblich oder grünlich verfärbt, ist ein Besuch beim Tierarzt notwendig.

Schon einmal etwas von Rückwärtsniesen gehört? Das ist ein anfallsartiges Einatmen, bei dem Geräusche im Rachen erzeugt werden. Zum Rückwärtsniesen kommt es durch eine Reizung im Rachenraum, die oft durch eine Virusinfektion verursacht wird. Hunde kleiner Rassen sind am häufigsten davon betroffen. Sie niesen manchmal auch bei Aufregung oder beim Trinken rückwärts. Eine Therapie ist in der Regel nicht nötig, die Anfälle hören von allein wieder auf und behindern die Atmung kaum. 

Ein anderes typisches Symptom für eine Erkältung ist Husten. Meist tritt er anfalls­artig auf und klingt trocken, das heisst, es wird kein Sekret aus den Atemwegen ins Maul befördert. Trockener Husten ist auch ein Anzeichen für eine Mandel- oder Rachenentzündung. Schwere Hustenanfälle können bis zur Atemnot führen, sie reizen die Schleimhäute und sind auf Dauer schmerzhaft. Gleichzeitig wird der Hund fortan eher krächzen als bellen oder verliert vorübergehend völlig die Stimme. 

Neben einer Erkältung kommen auch Fremdkörper oder Herzkrankheiten als Auslöser für Husten infrage. Darum sollte starker und länger anhaltender Husten vom Tierarzt abgeklärt werden. Dasselbe gilt, wenn der Hund schwer atmet. 

Schmerzhafte Blasenentzündung
Fieber messen empfiehlt sich immer bei Erkältungsanzeichen. So gehts: Ein handelsübliches digitales Fieberthermometer verwenden, die Spitze in Vaseline oder Creme tauchen und vorsichtig etwa zwei Zentimeter weit in den After des Tieres stecken. Jetzt warten, bis das Thermometer piepst. Die Normaltemperatur eines Hundes liegt bei 37,5 Grad für grosse und bei 39 Grad für kleine Hunde. 

Eine erkältete Blase wiederum ist daran zu erkennen, dass der Hund unkontrolliert immer wieder Harn verliert, dass er beim Wasserlassen vor Schmerzen jault, den Rücken krümmt und dass er plötzlich nicht mehr stubenrein ist. Manchmal ist auch Blut im Urin zu entdecken. Jetzt ist es oberstes Gebot, das Tier von seinen Schmerzen und den Krämpfen zu befreien. Zusätzlich ist das Durchspülen der Harnwege wichtig. Für die Bekämpfung der Infektion benötigt der Hund Medikamente vom Tierarzt. 

Zur Vorbeugung sollte man ihn bei Winterspaziergängen nicht ohne Bewegung warten oder herumstehen lassen. Wer sich bei einem Schaufensterbummel viel Zeit lassen möchte, lässt den Hund am besten daheim. Tipp: Leidet der Hund an einer Blasenentzündung, braucht er neben der Medizin eine warme Umgebung zum Auskurieren. Ein Tee mit Goldrute, Brennnessel- und Birkenblättern unterstützt die Heilung. 

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