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Hundefutter

Fehlerquellen bei der Hundefütterung

Hunde | Freitag, 24. Februar 2017, Carmen Epp

Ungeeignetes Welpenfutter, die falsche Futtermenge oder häufige Wechsel von der einen zur anderen Sorte: Diese Fehler bei der Hundefütterung können für die Vierbeiner zu gesundheitlichen Problemen führen.

Du bist, was du isst – das gilt auch für Hunde. Eine richtige Ernährung verleiht dem Vierbeiner Energie, versorgt ihn mit den nötigen Nährstoffen und hält ihn so gesund und munter. Während der Wolf sein Futter noch selber jagen und erlegen musste, liegt die Ernährung des Hundes ganz in Menschenhand – und ist damit fehleranfällig.

Denn mit dem einfachen Dosen- oder Futtersacköffnen ist es bei der Hundeernährung nicht getan. Schliesslich verändern sich die Bedürfnisse des Hundes an das, was im Napf landet, immer wieder – je nach Entwicklungsstadium, bei Krankheiten oder in speziellen Lebensumständen. Dass Herrchen oder Frauchen hier öfters mal danebengreifen, ist verständlich. In solchen Fällen kommen Ernährungsberaterinnen zum Einsatz. Zum Beispiel Nadine Borer, die als tiermedizinische Praxisassistentin in der Kleintierpraxis Zentrum in Dietlikon ZH Konsultationen zu dem Thema anbietet, oder Anja Marti, eine zertifizierte Ernährungsberaterin aus Schaffhausen SH. Sie kennen die häufigsten Fütterungsfehler und klären auf.

Fehlerquelle 1: Welpenfutter
Borer trifft in ihren Sprechstunden oft auf Kunden, die einen jungen Hund bekommen haben und mit Fragen zur Ernährung an sie gelangen. «Das ist auch gut so», sagt sie. «Denn bei Welpen und Junghunden können Ernährungsfehler schnell gravierende Folgen haben.» Und das komme leider nicht selten vor. Borer verweist auf eine Studie, bei der 96 Rationen von Welpen überprüft wurden – mit erschreckendem Ergebnis: Gerade einmal fünf Rationen zeigten keine Fütterungsfehler.

Das passiere vor allem, wenn man dem Welpen kein speziell für ihn vorgesehenes Futter vorsetze, erklärt Borer. Ein Hund im Wachstum benötige für die Entwicklung generell mehr Energie und Nährstoffe als ein ausgewachsener Hund. «Gibt man dem Welpen Futter für ausgewachsene Hunde, entsteht ein Mangel.» Reicht man dem Welpen noch dazu Leckerli und Kauartikel, was ein wichtiger Bestandteil der Hundeerziehung ist, kriege er wiederum zu viel Energie. Deshalb sollten Leckerli und Kauartikel im Futterplan eingerechnet werden.

«Hier ist wichtig zu wissen, dass Welpen nicht dick werden, sondern bei zu viel Energie schneller wachsen», sagt Borer. Die Folgen: Die Wachstumszonen werden überbelastet, es kommt zu Wachstumsstörungen. Oft passiere aber auch das Gegenteil und man gebe einem heranwachsenden Hund, der zu schwer ist und zu schnell wächst, ein Futter für erwachsene Hunde mit weniger Energie. «Dadurch fehlen dem Welpen jedoch Nährstoffe, die er für sein Wachstum dringend benötigt.»

Borer rät deshalb, die Futterration für Welpen überprüfen zu lassen und wenn nötig anzupassen. «Werden Fehlversorgungen entdeckt, sollte man diese sofort korrigieren», sagt sie. Der Grund: Bis zum sechsten Lebensmonat besteht die Chance, fütterungsbedingte Probleme beim Skelettwachstum zu korrigieren. Von Blutuntersuchungen, um Nährstoffmängel aufzudecken, hält Borer jedoch wenig. Diese seien wenig aussagekräftig, da die wenigsten Mängel tatsächlich im Blutbild erkennbar seien. «Der Körper des Hundes versucht, Mängel auszugleichen, indem er beispielsweise bei einem Kalziummangel das Kalzium aus den eigenen Knochen mobilisiert.»

Fehlerquelle 2: Futtermenge
Nicht nur der Inhalt des Futters kann fehlerhaft sein, sondern auch die Menge. Die könne nicht pauschal genannt werden, sondern hänge vom Energiebedarf des Hundes und der Energiedichte des Futters ab, sagt Borer. Das wichtigste Merkmal, an dem man merke, ob die Futtermenge stimme oder nicht, sei das Gewicht des Hundes. Ist der Hund idealgewichtig, muss an der Futtermenge nichts geändert werden. Anders bei Unter- oder Übergewicht. Letzteres sei ein sehr häufiges Problem auch bei Hunden und werde vielfach zum Grund für eine Ernährungsberatung, sagt Borer. «Entweder kriegen die Hunde generell zu viel Futter, immer mal wieder was vom Tisch oder zu viele Leckerli zwischendurch.» Kauartikel wie Ochsenziemer oder Schweineohren würden sich oft als regelrechte Kalorienbomben entpuppen, was viele Hundehalter nicht wissen.

Die Folge des Übergewichts: Der Hund neigt zu Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes und weist gemäss einer Studie eine 20 Prozent geringere Lebenserwartung auf. «Es sind doch nur ein paar Kilo zu viel», hört Borer dann häufig in der Ernährungsberatung. «Dabei können diese ‹paar Kilo› für den Hund sehr viel sein.» Sie veranschaulicht das an einem Beispiel: Wiegt ein Hund 13 Kilogramm bei einem Normalgewicht von nur 10 Kilogramm, verhält sich das gleich, wie wenn eine erwachsene Frau 80 statt 60 Kilogramm auf die Waage bringt.

Ist der Hund zu dick, machen viele Halter laut Borer den Fehler, die falsche Diät zu wählen. So sei beispielsweise eine Friss-die-Hälfte-Diät für Hunde keine gute Wahl. «Denn dabei werden nicht nur die Kalorien halbiert, sondern auch sämtliche Nährstoffe, die der Hund braucht.» Häufig würden Hundehalter ihre Vierbeiner kurzfristig hungern lassen, damit sie schneller wieder das Normalgewicht erlangen. Auch das sei falsch, so Borer. Der optimale Gewichtsverlust betrage bei Hunden 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche, schneller sollte das Gewicht nicht reduziert werden, um den Stoffwechsel des Hundes nicht zu belasten.

Fehlerquelle 3: Futterwechsel
Geduld sei auch beim Wechsel zwischen Futtersorten gefragt, sagt Ernährungsberaterin Anja Marti. Es brauche Zeit, bis sich die Verdauung des Hundes an ein neues Futter gewöhnt habe. Frisst ein Hund sein Futter mal nicht oder ist er krank, würden sich viele Halter von einem Futterwechsel sofortige Besserung versprechen; tritt die nicht ein, greifen sie zum nächsten Futter. Das sei zwar gut gemeint, richte aber grossen Schaden an, sagt Marti: «Am Ende ist die Verdauung des Hundes so durcheinander, dass nichts mehr geht.» Ihr Rat: beim Futter bleiben, das der Hund verträgt und gerne frisst.  

«Man kann Hunde prinzipiell gut mit Fertigfutter, trocken oder nass, ernähren», sagt Marti. Bei hartnäckigen Problemen mit der Verdauung empfehle sie fast immer selber zu kochen oder zu barfen, weil man dann die einzelnen Elemente besser kontrollieren könne. «Wer das tut, braucht aber einen genauen Plan, damit der Hund auf Dauer alles bekommt, was er braucht.» Auch hier gilt: nicht übereilig wechseln und sich beraten lassen. Damit nicht der Hund die Fehler ausbaden muss, die Herrchen oder Frauchen bei der Fütterung machen.

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