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Haustiere

Diese Hautprobleme sind beim Hund häufig

Haustiere, Hunde | Mittwoch, 21. Dezember 2016, Tanja Warter, Tierärztina

Fast jeder Hundebesitzer stellt irgendwann an seinem Tier einen Knubbel, eine Beule, einen Fleck oder sonst eine Hautveränderung fest. Die Sache einzuordnen ist nicht leicht. 

Kürzlich auf der Hundewiese: Labra­dordame Jessy unterbricht plötzlich das Spiel mit ihrem besten Freund, dem Mischling Henry. Sie dreht sich hektisch um und fängt an, an der Schwanzwurzel zu knabbern und zu beissen. Ihre Besitzerin grübelt: Was hat sie da bloss? Auch mit Bea­gle Anton stimmt etwas nicht. Hinter dem Ohr hat sein Herrchen beim Streicheln einen harten Knoten festgestellt. Bei etwas mehr Druck jault Anton auf, die ungewöhnliche Verdickung tut ihm offenbar weh. «Komisch», denkt sich Antons Besitzer. Auch sein voriger Hund hatte mal so einen Knubbel, aber der war total unempfindlich. 

Kaum ein anderes Organ hat so viele unterschiedliche Symptome wie die Haut. Schuppen, Haarausfall, kreisrunder Haarausfall, Juckreiz, Papeln, Pusteln, Pilze, Plaques, Knötchen, Quaddeln, Milben, Flöhe, Fissuren, Akne, Ekzeme, Verhornungen, Seborrhoe, Pyodermie, Wucherungen, Ve­sikel – die Liste an möglichen Hautreaktionen könnte noch etliche Zeilen in Anspruch nehmen. Nicht verwunderlich, dass die Diagnose bei so vielen verschiedenen möglichen Reaktionen der Haut nicht immer einfach ist. Hautgeschabsel, die unter dem Mikroskop untersucht werden, Gewebeproben oder Allergietests sind in der modernen Dermatologie nicht mehr wegzudenken. Grob lassen sich Hautprobleme in sieben Kategorien unterteilen: Allergien, Bakterien, Hormone, die Ernährung, das Immunsystem, Pilze und Knubbel. 

Allergien führen zu Juckreiz
Mit den Allergien ist es beim Hund ganz ähnlich wie beim Menschen. Ursachen sind oft Pollen, Bestandteile im Futter, Textilfasern aus Teppichen, Decken oder Sofas, Haushaltsreiniger oder Flohbisse. Im letzten Fall reagiert der Hund allergisch auf den Flohspeichel. Gekennzeichnet sind alle Allergien von Juckreiz. Manchmal kratzen sich die Hunde, bis sie blutig sind. In anderen Fällen fangen sie an, beinahe zwanghaft an den juckenden Hautstellen zu schlecken. Je mehr und öfter sich ein Hund kratzt, desto schlimmer wird die Sache für den Besitzer. Viele sehen durch das ständige Kratzen sogar ihre Lebensqualität eingeschränkt. Pollenallergien treten saisonal auf, Flohbissallergien gehen mit Flohbekämpfung wieder zurück. Aber bei Allergien auf Futter, Hausstaub oder Textilfasern kann die definitive Diagnose schwierig sein. Die Therapie lautet aber immer gleich: Den allergieauslösenden Faktor aus dem Leben verbannen. Längst nicht immer ist das problemlos möglich.

Bakterien verursachen Hotspots
Die gesunde Haut ist immer mit zahllosen Bakterien besiedelt. Doch bei einer Störung der Hautmilieus kann es passieren, dass manche Bakterienarten überhandnehmen. So etwas passiert beispielsweise gern in Hautfalten, bei Verletzungen oder während der Einnahme von Medikamenten. Zusammengefasst werden diese bakteriellen Infektionen der Haut unter dem Begriff Pyodermie. So eine Pyodermie kann sich unter anderem so auswirken, dass es zu runden, eitrigen, nässenden, geröteten und sehr schmerzhaften Stellen kommt. Solche oberflächlichen Symptome heissen Hotspots. Langhaarige Hunde sind häufiger betroffen. Feuchtes, warmes Wetter begünstigt das Auftreten. Pyodermien gibt es an jeder Körperstelle und in jeder Altersphase. Weil sie mit Antibiotika therapiert werden müssen, ist ein Besuch beim Tierarzt notwendig, wenn irgendwo auf der Haut eine rote, nässende Stelle gefunden wurde. Auch bei Abs­zessen und eitrigen Wunden sind stets Bakterien beteiligt. 

Hormone aus dem Gleichgewicht
Haut, Fell und Hormone stehen in vielerlei Verbindung zueinander. An schütterem, dünnem Fell kann zum Beispiel die Schilddrüse schuld sein. Und Haarausfall am Bauch kann ein Hinweis auf eine Überfunktion der Nebennieren sein. Dieses Krankheitsbild ist als Cushing-Syndrom bekannt. Zusätzlich kann die Haut hauchdünn wie Papier werden, sodass die Gefässe durchschimmern. Verkrustungen kommen ebenso vor wie plötzliche schwarze Stellen. Weil oft Tumoren, die die Hormonbildung ankurbeln, der Grund für die Krankheit sind, sollte man Haut- und Fellveränderungen dieser Art immer tierärztlich abklären lassen.  

Ernährung geht unter die Haut
Was der Hund zum Futtern bekommt und die Frage, wie gut die Futterbestandteile über den Darm aufgenommen werden, wirkt sich auf die Gesundheit der Haut aus. Bekommt ein Hund ausschliesslich Trockenfutter, das zu wenig Fett enthält, entwickelt sich ein mattes, trockenes Haarkleid. Die Lipidschicht der Haut gerät ausser Balance. Damit können sich leicht hautschädigende Bakterien ansiedeln. Gut untersucht ist auch der Zusammenhang zwischen der Versorgung mit Vitaminen sowie Spurenelementen und der Hautgesundheit. So führt ein Mangel an Zink zu Rötungen, Schuppungen, und zu Haarausfall rund um die Augen, das Maul und den After. Eine genetisch bedingte Störung der Zinkaufnahme kann bei Malamutes, Huskys, Dobermännern und Doggen vorkommen.

Das Immunsystem gegen sich selber
Wehrt sich das Immunsystem gegen eigene Gewebe, spricht man von einer Autoimmun­erkrankung. Die wichtigsten Hundekrankheiten dieses Komplexes heissen Pemphigus und Lupus. Auffällig beim Pemphigus sind die Krusten und Schuppen am Kopf und an den Ohren. Meist sind auch die Pfotenballen betroffen. Beim Lupus passiert es oft, dass Nasenrücken und Nase depigmentieren und weiss werden, hinzu kommen kleine Knubbel. Bei beiden Krankheitsbildern müssen vierbeinige Patienten ein Leben lang Medikamente nehmen. 

Pilze befallen das Fell
Pilzinfektionen fallen weniger durch Juckreiz auf als durch Schuppen. Die häufigsten Pilze befallen nur das Fell. Die Haare brechen ab, stumpfe oder kahle Stellen entstehen. Das allein ist für den Hund meist nicht sehr schlimm. Pilzinfektionen können sogar spontan wieder abheilen. Behandelt werden sollten sie vor allem deshalb, weil sie den Bakterien Tür und Tor öffnen. 

Knubbel mit vielfältigem Hintergrund
Schmerzempfindlich oder nicht? Verschieblich oder nicht? Wachsend oder sich sonst verändernd? Wer bei seinem Hund einen Knubbel entdeckt, kann es mit völlig verschiedenen Grundursachen zu tun haben: Vom Abszess bis hin zur Fettgeschwulst, mit gut- oder bösartigen Tumoren oder mit Papillomen und Warzen. Weil das alles unterschiedlich gefährlich ist, sollte man jeden Knoten besser dem Tierarzt zeigen.

Die Besitzer von Labradordame Jessy und Beagle Anton haben das gemacht. Ergebnisse: Jessy leidet unter einer Flohbissallergie, bei Anton hatte sich ein eitriger Abszess unter der Haut versteckt. Beide konnten erfolgreich behandelt werden. Manchmal gibt es für Juckreiz und Leckdermatitis sogar psychologische Ursachen. Dann wird der Patient an einen Profi für Verhaltensmedizin überwiesen.

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