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Was können Halter tun?

Allergien plagen auch Hunde

Hunde | Donnerstag, 8. September 2016, Tanja Warter, Tierärztin

Längst sind Allergien keine alleinige Sache der Menschen mehr, auch viele Hunde leiden darunter. Die Ursachen dafür sind meist nicht leicht zu finden, Therapien sind teils anstrengend und langatmig. 

Für Arco ist sein Zuhause unerträglich geworden. Kaum kommt der Retriever zur Eingangstür herein, juckt es ihn am ganzen Körper, er kratzt und beisst sich. Manchmal ist der Juckreiz so schlimm, dass Arco sich selbst blutende Wunden zufügt. Ein typisches Leiden für einen Allergiker. In einzelnen Fällen kann die Allergie so schlimm werden, dass der Hund keine ruhige Minute mehr hat, nicht einmal im Schlaf. In Arcos Fall war die Diagnose relativ einfach: Der Retriever ist allergisch auf Hausstaubmilben. 

Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschiessende Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt. Der Körper eines Tieres mit Allergie wehrt sich also mehr oder weniger massiv gegen eine Substanz, die prinzipiell ganz harmlos ist. Dagegen lässt sich prophylaktisch nichts machen. 

Viele betroffene Tiere sind erblich vorbelastet und bekommen die Allergie schon in die Wiege gelegt. Ob wie bei uns Menschen ein Aufwachsen vieler Hunde ohne Schmutz und Staub eine Rolle spielt, ist bislang unklar.  Beim Tierarzt können viele Allergien durch einen Haut- oder Bluttest abgeklärt werden. Beim Hauttest werden verschiedene Allergene in kleiner Dosierung in die Haut gespritzt und die jeweilige Stelle markiert. Rund um diese Einstichstelle bilden sich Irritationen – oder eben nicht. So lässt sich für den Experten ablesen, auf welchen Stoff ein Tier besonders heftig reagiert. Beim Bluttest kann das Labor versuchen, über Antikörper, die in manchen Fällen in der Blutbahn zu finden sind, Rückschlüsse auf den Auslöser der Allergie zu ziehen. Das Wichtigste ist trotzdem, dass der Tierbesitzer genau beobachtet, in welchen Situationen die Allergie auftritt. Im Idealfall führt er darüber ein kleines Protokoll. 

Innere und äussere Auslöser
Es gibt viele Allergieauslöser bei Hunden, grob lassen sie sich in zwei Kategorien einteilen: die äusseren Allergene, die schon bei Kontakt mit der Haut oder mit Schleimhäuten zu einer Reaktion führen. Dazu gehören beispielsweise Hausstaub, Pollen, Wasch- und Putzmittel, Flohspeichel, Wolle, Stroh, andere Haustiere und so weiter. Daneben gibt es die inneren Auslöser, die erst dann zu einer Allergie führen, wenn sie vom Körper aufgenommen wurden. Dazu zählen Futtermittel wie Fisch, Fleisch, Milch, Getreide, Konservierungsmittel, Farbstoffe aber auch bestimmte Medikamente. 

Das Allergen herauszufinden, ist nicht immer leicht, aber der zeitliche Verlauf der Allergie kann Hinweise auf die Ursache geben. Tritt der Juckreiz beispielsweise in Kombination mit tränenden Augen nur im Frühling auf, könnten Pollen dahinterstecken. Auch Flohbissallergien werden meist in warmen Jahreszeiten schlimmer. Betroffene Hunde knab­bern auffällig oft an der Schwanzwurzel herum. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 15 Prozent der Hunde auf den Speichel der hüpfenden Quälgeister mit einer Allergie reagieren. Eine Allergie gegen Hausstaub wie bei Retriever Arco ist hingegen das ganze Jahr hindurch gleich schlimm. 

Mit Abstand am häufigsten kommen Futtermittelallergien vor. Kratzt sich der Hund oft an den Ohren, im Gesicht und an den Pfoten, könnten das Hinweise auf eine Futtermittelallergie sein. Dabei lassen sich zwei Arten unterscheiden: die primäre und die sekundäre Futtermittelallergie. Letztere wird durch qualitativ schlechte Komponenten im Fressen verursacht. Der Körper des Hundes reagiert dabei vor allem auf Pilzbefall und Schimmel. Die Allergie muss nicht gleich nach dem Fressen auftreten, die Reaktion kann sich tagelang verzögern, manchmal auch erst nach Wochen ausbrechen. Wer nur frisches und hochwertiges Futter für den Vierbeiner verwendet, wird damit kein Problem haben.

Hyposensibilisierung sorgt für Linderung
Die primäre Futtermittelallergie hingegen tritt immer im Zusammenhang mit einem bestimmten Futteranteil, beispielsweise Weizen, auf. Ob es sich um eine primäre Futtermittelallergie handelt, lässt sich mit Fütterungstests unter Anleitung des Tierarztes herausfinden. Sie geben beispielsweise einem speziellen antiallergischen Futter gezielt Weizenflocken hinzu. Hat der Hund eine primäre Weizenallergie, wird die allergische Reaktion sehr rasch auftreten. Bis das Rätsel endgültig gelöst ist, folgt oft ein mühsamer Weg. Aber er lohnt sich, denn Diagnose und Therapie gehen hier Hand in Hand. 

Los geht es damit, dass der Hund von einem Tag auf den anderen nur noch ein Futter bekommt, das er vorher noch nie gefressen hat, beispielsweise Reh-, Kaninchen-, oder Ziegenfleisch. Manche Hunde mögen auch Hüttenkäse oder Tofu. Gute Kohlenhydratquellen sind unter anderem Reis oder Kartoffeln. Diese radikale Diät muss sechs bis acht Wochen durchgehalten werden. Wird der Juckreiz in der Testzeit weniger, steht die Diagnose schon fast fest. Jetzt geht die Prozedur umgekehrt. Nach und nach kann dem Diätfutter immer wieder ein Bestandteil zugefügt werden, bis alle notwendigen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente beisammen sind. Im Idealfall lässt sich ein ausgewogenes Fertigfutter finden, das der tierische Patient verträgt. 

Trotz aller moderner Medizin: Die beste Therapie ist es, den Kontakt zwischen Tier und Allergieauslöser zu verhindern. Bei Futtermitteln oder Flöhen lässt sich das recht gut einrichten, bei Pollen oder Hausstaub wird die Sache aber schon schwieriger. Arcos Besitzer beispielsweise mussten die komplette Wohnung renovieren. Raus mit Teppichen, Vorhängen, Wolldecken und Sofapolstern, so lautete die Devise. Der Lohn für diese Mühen: Arco ging es schon kurze Zeit später besser als je zuvor. 

Bei Allergien, die dem Tier nur über kurze Zeiträume des Jahres Probleme bereiten, können Medikamente helfen. Über längere Zeiträume sind die Nebenwirkungen aber zu schwerwiegend. Eine Hyposensibilisierung ist dann der beste Schritt. Dabei handelt es sich um eine individuelle Therapie. Anhand der Ergebnisse des Allergietests werden im Labor Lösungen hergestellt, die geringe Mengen des Allergens enthalten. Sie werden dem Hund über Wochen in steigender Konzentration gespritzt. 

So lernt der Körper des geplagten Tieres immer besser, mit dem Allergen umzugehen. In 70 Prozent der Fälle kann mit der Hyposensibilisierung eine deutliche Verbesserung erreicht werden, manchmal verschwinden die Symptome sogar. Trotzdem gilt: Heilbar ist eine Allergie nicht.

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