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Sinn oder Unsinn?

Eine Krankenkasse für Katzen und Hunde

Katzen, Haustiere, Hunde | Mittwoch, 8. Juni 2016, Carmen Epp

Ein Besuch beim Tierarzt kann schnell teuer werden. Mit einer Versicherung, die einen Teil der Kosten übernimmt, können Herrchen und Frauchen ihr Budget im Auge behalten. Vorausgesetzt, sie lesen auch das Kleingedruckte. 

Wenn Bello oder Maunzi krank oder verletzt sind, ist für ihre Halter klar: ab zum Tierarzt! Ist die Behandlung zu Ende und der Griff zum Portemonnaie gefragt, schmerzt es auch Herrchen oder Frauchen. Unter 100 Franken beläuft sich die Rechnung selten, bei schwerwiegenden Unfällen oder Krankheiten können die Behandlungskosten durchaus vier-, in schlimmen Fällen sogar fünfstellig werden (siehe Kasten). Nicht selten belasten die Tierarztkosten das Haushaltsbudget so stark, dass, wer kein Sparkonto plündern kann, im schlimmsten Fall auf eine weitere Behandlung verzichten muss. 

Wer auf Nummer sicher gehen und sein Budget für Tierarztkosten im Auge behalten will, kann sein Tier gegen Unfall und Krankheit versichern lassen – ihm quasi eine Krankenkasse zulegen. Dann beschränken sich die jährlichen Ausgaben für Behandlungen im besten Fall auf die Prämie, die Franchise und den Selbstbehalt. Tierversicherer bieten hierbei unterschiedliche Modelle an. Die «Tierwelt» hat sich drei von ihnen genau angesehen: Animalia, Epona und wau-miau. 

Epona und wau-miau übernehmen jeweils 90, Animalia 80 Prozent der Behandlungskosten bis zur Erreichung der maximalen Deckungssumme. Diese ist in verschiedenen Modellen wählbar – von 1000 bis 50 000 Franken pro Kalenderjahr bei Epona. Animalia und wau-miau bieten auch eine unlimitierte Deckungssumme an. Die Höhe der Franchise kann man zwischen 100 und 500 Franken festlegen, bei Epona bis zu 1000 Franken. Letztere bietet ausserdem ein Modell ohne Franchise an, bei dem 60 Prozent der Kosten übernommen werden. Je nach Höhe der Franchise und der jährlichen Deckung fällt die monatliche Prämie bei den einzelnen Anbietern höher oder tiefer aus. Ein Vergleich: Für einen zweijährigen Hund zahlt man gemäss Prämienvergleich bei einer Franchise von 300 und einer Deckung von 5000 Franken zwischen 388 und 510 Franken. Bei einer gleich alten Katze mit denselben Bedingungen liegt die jährliche Prämie zwischen 194 und 258 Franken. Versichert werden können Hunde und Katzen ab drei Monaten. Bei Animalia und wau-miau liegt das Höchstalter, um eine Versicherung abzuschliessen, bei sieben Jahren. Einzig Epona legt keine Alterslimite fest und nimmt auch ältere Tiere neu auf. 

Nicht alle Kosten sind gedeckt
Bei Animalia steigt die Prämie ab dem fünften Lebensjahr alle drei bis vier Jahre um jeweils circa 30 Prozent, ausser wenn keine Leistungen bezogen wurden. Wau-miau und Epona hingegen verzichten auf eine Prämienerhöhung mit zunehmendem Alter, Letztere verlangt bei Neuabschluss einer Versicherung von Bello und Maunzi ab dem fünften Lebensjahr ein Gesundheitsattest vom Tierarzt. Wer bei Epona eine Versicherung abschliesst, verpflichtet sich für drei Jahre, danach wird der Vertrag von Jahr zu Jahr erneuert. Wer den Vertrag nur für ein Jahr abschliessen möchte, kann dies auf dem Versicherungsantrag vermerken. Bei Animalia beträgt die Mindestlaufzeit fünf Jahre. Wau-miau bietet Jahresverträge ohne Mindestlaufzeit an. 

Anders als beim Menschen ist die Krankenkasse für Tiere nicht obligatorisch. Entsprechend sind nicht alle Kosten unter allen Umständen gedeckt. Deshalb ist es ratsam, vor dem Vertragsabschluss die Versicherungsbedingungen gut durchzulesen. Nur so erspart man sich Überraschungen.

Alle drei Anbieter sehen bei Krankheitsfällen eine sogenannte Karenzfrist von einem Monat nach Vertragsabschluss vor, innerhalb derer die Tierarztkosten noch nicht gedeckt sind. Beschränkte Leistungen gibt es ausserdem bei länger andauernden Krankheiten: Während Epona und wau-miau die Kosten bei chronischen Krankheiten ohne zeitliche Begrenzung übernehmen, tut dies Animalia lediglich in den ersten drei Monaten. Dauern die Heilung und die damit verbundenen Tierarztbesuche länger an, müssen Kunden bei Animalia nach Ablauf der Frist die Kosten selber übernehmen. Hier ist allerdings anzumerken, dass Animalia auf ein Kündigungsrecht im Schadenfall verzichtet, während wau-miau und Epona theoretisch nach jeder Auszahlung den Vertrag auflösen können. Zudem werden Tierbesitzer von allen drei Anbietern indirekt verpflichtet, ihre Lieblinge zu impfen; Kosten durch ansteckende Krankheiten, gegen die hätte geimpft werden können, werden nicht übernommen. 

Behandlungskosten gängiger Krankheiten und Unfälle
Muss ein Tier zum Tierarzt, können alleine Blutanalysen, Röntgenaufnahmen oder allenfalls ein MRT mit 300 bis 1000 Franken* zu Buche schlagen. Muss eine Schnittverletzung an den Pfoten oder eine Bissverletzung behandelt werden, kostet das bis zu 1000 Franken. Noch teurer wird es, wenn der Hund oder die Katze einen Fremdkörper verschluckt hat; deren operative Entfernung kann bis zu 2000 Franken kosten. Bricht sich das Tier ein Bein oder zerrt  es sich das Kreuzband, beträgt die Rechnung bis zu 2500 Franken, eine vor allem bei grossen Hunderassen häufig vorkommende Magendrehung schlägt gar mit 3000 Franken zu Buche. Wird ein mehrtägiger Aufenthalt im Tierspital nötig – wie beim Nierenversagen bei Leptospirose – kann die Rechnung schon mal fünfstellig ausfallen.

*Da es keinen einheitlichen Tierarzttarif gibt, können die Preise variieren. 

Ausserdem werden in den Versicherungsbedingungen eine Reihe von Ausschlüssen aufgeführt. Darunter fallen Kosten für Krankheiten oder Unfallfolgen, die bereits vor Vertragsbeginn oder innerhalb der Karenzfrist aufgetreten sind. Eine Vorsorgeuntersuchung, um ebendiese möglicherweise bereits bestehenden Krankheiten zu eruieren, wird jedoch nicht verlangt. Stattdessen verlassen sich Wau-miau, Epona und Animalia auf die Angaben der Tierbesitzer beim Abschluss des Versicherungsantrages. Spätestens im Schadenfall kommen die Fakten ans Licht. Dann nämlich, wenn Spezialisten den Fall überprüfen und allenfalls beim Tierarzt nachfragen. 

Ebenfalls ausgeschlossen sind Tierarztkosten zur Behandlung von Erbkrankheiten oder rassenbedingten Leiden. Um festzustellen, ob eine Krankheit auf die Rasse oder eine Erbkrankheit zurückzuführen ist, verlassen sich die Versicherer wiederum auf den Tierarzt, verlangen allenfalls Röntgenbilder oder Ahnentafeln oder konsultieren einen Vertrauensarzt. Mit einem Zusatzpaket für monatlich 7.90 Franken für die Katze beziehungsweise 14.90 für den Hund übernimmt Epona als einzige Versicherung auch Kosten von rassen- oder erblich bedingten Krankheiten. 

Vom Globuli bis zum Tod 
An den Kosten für alternativmedizinische Behandlungen beteiligen sich alle drei Versicherungen mit zwischen 500 und 600 Franken im Jahr. Animalia und Epona zahlen ausserdem jährlich 50 beziehungsweise 60 Franken an Impfungen, ohne Selbstbehalt oder Belastung der Franchise. 

Ist Bello oder Maunzi ausgebüxt, helfen die Versicherungen ebenfalls. Animalia beteiligt sich mit 50 Franken pro Jahr an den Kosten einer Vermisstmeldung, wau-miau unterstützt mit seinem Lost&Found-Service einen Aufruf im Lokalradio, ein Inserat in der Lokalzeitung sowie eine Vermisstmeldung mit maximal 100 Franken pro Ereignis. Müssen Bello oder Maunzi geborgen, gerettet oder notfallmässig transportiert werden, steht bei wau-miau ein 24-Stunden-Notrufdienst zur Seite. Selbst am Lebensende des Tieres kommen die Versicherungen zum Einsatz. So beteiligen sich sowohl Epona als auch Animalia an den Kosten, wenn Bello oder Maunzi eingeschläfert werden müssen. Epona bietet ausserdem ein Zusatzpaket an, bei dem der Halter mit 400 Franken entschädigt wird, wenn sein Tier aufgrund einer Krankheit vor seinem achten Lebensjahr stirbt oder im Laufe des Lebens tödlich verunfallt.

Ein Zusatzpaket gibt es ausserdem bei wau-miau. Mit ihm zahlt die Versicherung diverse Zusatzleistungen wie zum Beispiel 300 Franken an die Kastration oder Sterilisation. Ausserdem beinhaltet die Versicherung bei wau-miau eine Reise- sowie eine Rechtsschutzversicherung. Sind Bello oder Maunzi krank und Herrchen muss deswegen eine Reise annulieren, zahlt wau-miau bis zu 5000 Franken pro Ereignis; fällt der Hunde- oder Katzensitter kurzfristig aus, gibts während bis zu 20 Tagen je 20 Franken pro Tag an die Unterbringungskosten in einer Tierpension. Braucht Frauchen wegen ihrer Katze einen Anwalt, beteiligt sich wau-miau mit bis zu 50 000 Franken pro Ereignis. 

Mit diesen unterschiedlichen Angeboten ist es schwierig, die drei Versicherungsanbieter zu vergleichen. Zumal inzwischen auch traditionelle Versicherer wie Helvetia oder Die Mobiliar Tierversicherungen anbieten. Wer Bello oder Maunzi eine Police zulegen will, hat also die Qual der Wahl. 

Weitere Infos gibt's bei Animalia, Epona und wau-miau.

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