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Hunde

Umstrittene Methoden gegen Parasiten

Haustiere, Hunde | Mittwoch, 10. Februar 2016, Tanja Warter, Tierärztin

Hunde müssen vor Parasiten geschützt werden, das ist klar. Für Diskussionen aber sorgt die Wahl der Mittel. Immer mehr Hundehalter verwenden statt Chemie natürliche Mittel. Deren Nutzen ist jedoch nicht erwiesen. 

Parasiten, die es auf Hunde abgesehen haben, lauern immer und überall. Einerseits wären da jene Quälgeister, die es sich im Fell und auf der Hautoberfläche eines Hundes gemütlich machen: Flöhe, Läuse oder Zecken beispielsweise. Andererseits gibt es unliebsame Untermieter wie Spul- und Bandwürmer, die sich im Darm des Hundes ansiedeln. Haben die Parasiten ihr Opfer erst befallen, ernähren sie sich von ihm. Sie saugen sein Blut, fressen Hautschuppen oder verspeisen Teile seiner aufgenommenen Nahrung während der Verdauung. Damit können sie einen Hund schwer krank machen. Und auch andere Tiere, unter Umständen sogar Menschen, in Gefahr bringen. 

Der Schutz vor Hautparasiten und zusätzlich eine regelmässige, wirksame Bekämpfung von Würmern gehören deshalb zu den Grundpfeilern der Gesunderhaltung eines Hundes. Entsprechend oft kommen die nötigen Mittel wie Wurmtabletten oder Tinkturen zum Einsatz. Das macht viele Halter skeptisch. Immer wieder hört man Aussagen gegen «die chemische Keule». 

Tierärztlich verordnete Mittel gegen Hautparasiten gerieten unter anderem deswegen in die Kritik, weil sie teilweise in die Gruppe jener insektentötenden Substanzen fallen, die für das Bienensterben verantwortlich gemacht wird. Diese sogenannten Neonicotinoide und auch andere Arten von Parasitenmitteln können bei einem massenhaften Einsatz in der Landwirtschaft verheerende Folgen haben. Die in wirksamen Präparaten enthaltenen Stoffe sind ausserdem nicht nur für Flöhe oder Zecken in kleinen Mengen tödlich, sondern bringen auch unerwünschte Nebenwirkungen für den Hund mit sich.

Auch die Medikamente gegen Würmer können zu Nebenwirkungen führen. So muss jede Wurmpaste oder Wurmtablette über den Körper aufgenommen und verstoffwechselt werden. Das führt zu einer gewissen Belastung der Leber, weshalb Leberprobleme bei Wurmkuren zu den möglichen Nebenwirkungen zählen. Pamela Beelitz, Parasitologin an der Ludwig-Maximilian-Universität München bringt es so auf den Punkt: «Das Zauberprodukt, das gut schützt und keinerlei Nebenwirkungen aufweist, gibt es einfach nicht. Wäre schön, wenn wir das hätten.»   

In unterschiedlichen Internetforen laufen deshalb intensive Diskussionen über alternative Methoden, über «biologisch-natürliche Präparate» zur Parasitenbekämpfung. Dazu zählen Hausmittelchen wie Essigwasser, Zitronensaft, Knoblauch oder Teebaumöl gegen Zecke und Floh ebenso wie Kräutermischungen und Fertigpulver gegen Würmer. 

Parasitologen haben sich vereint
Über den Nutzen biologischer Antiparasitika ist wissenschaftlich noch nicht viel bekannt, weshalb Experten meist auf Distanz bleiben, Therapieerfolge aber auch nicht gänzlich ausschliessen. Einerseits fehle es an kontrollierten Untersuchungen, «andererseits ist die Bewertung auch deshalb schwierig, weil wir stets mit neuen Parasiten konfrontiert werden», sagt Peter Deplazes, Leiter des Instituts für Parasitologie an Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. Ausserdem sind auch biologische Mittel nicht ganz frei von Nebenwirkungen. Wer Flöhe beispielsweise mit Teebaumöl bekämpft, kann eine allergische Reaktion hervorrufen.   

Kotprobe statt Entwurmung
Alternativ zur Entwurmung können Kotuntersuchungen vorgenommen werden. Dafür müssen über drei aufeinanderfolgende Tage mindestens jeweils 4 Gramm Kot aufgesammelt und als Sammelprobe in der Tierarztpraxis untersucht werden, wie ESCCAP empfiehlt. Finden sich Hinweise auf einen Wurmbefall, wird der Hund behandelt. Falls nicht, kann auf eine Behandlung verzichtet werden. Allerdings wird damit nicht sicher verhindert, dass zwischen den Untersuchungen über mehrere Wochen infektiöse Wurm­eier ausgeschieden werden können, wie ESCCAP festhält. Wichtig sei deshalb, dass die Kotuntersuchungen regelmässig, also genauso oft wie die empfohlenen Entwurmungen, durchgeführt werden..
www.esccap.ch

 

In ganz Europa haben sich inzwischen führende Parasitologen zusammengeschlossen, um die besten Informationen für Tierhalter liefern zu können. Die Gemeinschaft nennt sich in der Kurzform ESCCAP und ist auch in der Schweiz mit einem Sitz in Zürich vertreten. ESCCAP teilt die Hunde beim Thema Wurmbefall in verschiedene Risikogruppen ein. In der Gruppe mit dem geringsten Risiko soll der Besitzer seinen Hund entweder ein bis zwei Mal pro Jahr gegen Spul- und Bandwürmer behandeln lassen oder zumindest eine Kotuntersuchung veranlassen. Ganz anders sieht es in der höchsten Risikogruppe aus: Hier wird geraten, monatlich gegen Bandwürmer und vier Mal pro Jahr gegen Spulwürmer zu behandeln. Wer wissen möchte, zu welcher Risikogruppe der eigene Hund gehört, kann auf der Website der ESCCAP einen Fragebogen ausfüllen. Die Antwort wird per Mausklick geliefert.  

So oft wie nötig, so selten wie möglich
Grundsätzlich empfehlen die Experten, eine regelmässige Kotuntersuchung (siehe Kasten) der routinemässigen Entwurmung vorzuziehen. Bei dieser Vorgehensweise kommen Medikamente nur dann zum Einsatz, wenn sie wirklich notwendig sind. Aber die Angelegenheit ist kompliziert, denn auch wenn es im Kot keine Hinweise auf Würmer gibt, könnte der Hund welche haben. Das Beispiel zeigt: Die Parasitenbekämpfung ist kein leichtes Feld, die verschiedenen Arten reagieren unterschiedlich und Wurm ist eben nicht gleich Wurm. Behandlung und Prophylaxe sollten also so oft wie nötig, gleichzeitig aber so selten wie möglich durchgeführt werden. Dafür braucht es für jeden Hund eine individuelle Strategie.  

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