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Hundekauf

Vorsicht vor den Tricks der Welpenhändler

5 Kommentare Haustiere, Hunde | Donnerstag, 9. Juli 2015 08:00, Carmen Epp

Der internationale Handel mit Hunden boomt. Die Welpen werden jedoch oft unter grausamen Bedingungen gezüchtet und illegal in die Schweiz importiert. Den Preis dafür zahlen nicht nur die Halter, sondern auch die Hunde selber.

Chihuahua-Welpe abzugeben. Reinrassig, mit Stammbaum. Preis: 500 Franken.» Als Natalie S.* aus Stansstad NW diese Zeilen in einem Gratisinserat im Internet las und in die süssen Welpenaugen auf dem Bild blickte, war es um sie geschehen. «Ich fand die kleinen Minihunde schon immer süss und verliebte mich sofort», erzählt die 25-Jährige. Sie griff zum Telefon und meldete ihr Interesse an.

Bereits am nächsten Tag empfing Natalie S. den kleinen Chihuahua-Welpen bei sich zu Hause. Ein Entscheid, den die 25-Jährige schon bald bereute: Gerade zwei Wochen später musste ihr Welpe Chino eingeschläfert werden. Diagnose: Parvovirose, eine hochansteckende und schwer verlaufende Krankheit, die häufig bei ungeimpften Welpen aus Osteuropa auftritt. Die Papiere des Hundes erwiesen sich als Fälschung, und als sie die Züchterin zur Rede stellen wollte, war deren Telefonnummer nicht mehr gültig. So wurde Natalie S. spätestens beim letzten Atemzug ihres kleinen Chino in der Tierarztpraxis schmerzlich klar: Sie war auf eine Welpenhändlerin hereingefallen, die ihr einen illegal importierten Hund verkauft hatte.

Gemäss der Tierdatenbank Anis stammten im vergangenen Jahr die Hälfte aller neu in der Schweiz registrierten Hunde – 23 106 an der Zahl – aus dem Ausland. Vor allem Chihuahuas, Labrador Retriever und Französische Bulldoggen sind oft importiert.

Woher kommt der Hund überhaupt?
Wer Hunde in die Schweiz einführen will, muss verschiedene Vorschriften beachten. So schreibt die Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport vor, dass Hunde frühestens mit acht Wochen ohne Muttertier einreisen dürfen, alle acht Stunden Zugang zu Wasser und alle 24 Stunden Zugang zu Futter bekommen müssen. Ausserdem muss für jeden Hund ein tierärztliches Gutachten mitgeführt werden, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Ein zu privaten Zwecken importierter Hund ist mehrwertsteuerpflichtig und muss gemäss Tierseuchengesetz gegen Tollwut geimpft sein. Ausserdem müssen die Tiere mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein. Wer gewerbsmässig mit Hunden handeln will, braucht ausserdem eine Bewilligung, die wiederum an strenge Vorschriften geknüpft ist. Werden diese Bestimmungen nicht erfüllt, handelt es sich um einen illegalen Import. Die Folgen: Bussen von bis zu 20 000 Franken oder Freiheitsstrafen für die Händler, Rückweisung oder im schlimmsten Fall gar die Einschläferung der Hunde.

Wie viele der im vergangenen Jahr importierten Hunde tatsächlich illegal in die Schweiz eingeführt wurden, ist schwer zu sagen. Dies zumal sich die Herkunft der Tiere nicht immer klären lässt, wie Anis festhält. Nur wenige Länder in Europa schreiben vor, dass ein Hund gechippt werden muss. «Wenn der erste Heimtierausweis nicht mehr vorhanden ist, gibt es praktisch keine Möglichkeit, das Ursprungsland des Tieres festzustellen», schreibt Anis im Jahresbericht. So konnte im vergangenen Jahr bei über 40 Prozent aller importierten Hunde nicht eruiert werden, aus welchen Ländern sie stammen. Besonders problematisch ist es, wenn Hunde aus Ländern importiert werden, in denen noch Tollwut herrscht. Die Folgen wären gravierend. Einmal ausgebrochen, ist die Krankheit bei Mensch und Tier nicht mehr heilbar.

Der Welpe von Natalie S. hatte zwar keine Tollwut, musste aber trotzdem mit dem Leben bezahlen. Kein Einzelfall, wie die Tierschutz­organisation Vier Pfoten weiss. Mit der Kampagne «Stoppt die Welpendealer» kämpft Vier Pfoten gegen den illegalen Import von Hundewelpen. «Diese werden meist in Osteuropa als Massenware unter den schlimmsten Bedingungen gezüchtet und aufgezogen, von Muttertieren, die als reine Zuchtmaschinen regelrecht ausgebeutet werden», schildert Mediensprecherin Chantal Häberlin das Problem. Die Welpen seien oft krank, mangelernährt und dehydriert. So würden sie dann viel zu früh von der Mutter getrennt in Kisten über weite Strecken hinweg zu ihren künftigen Haltern transportiert.

Aufklärung ist bitter nötig
Das Perfide für die Käufer solcher Welpen: Unseriöse von seriösen Angeboten zu unterscheiden ist kaum mehr möglich, wie Häberlin erklärt. «Während verdächtige Anzeigen früher oft durch den günstigen Preis aufgefallen sind, lassen sich die Anbieter mittlerweile viele Tricks einfallen, um selbst vorsichtige Käufer in Sicherheit zu wiegen.» Dazu gehören neben höheren Preisen auch gefälschte Ausweise und Impfpässe. «Erst wenn die Kleinen plötzlich todkrank werden oder sogar sterben, merken ihre Besitzer, dass sie hereingelegt wurden.»

So auch im Fall von Natalie S. Ihr wurden Papiere gegeben, die sie für korrekt hielt. Auch die Züchterin habe einen guten Eindruck gemacht, sagt die 25-Jährige. «Sie brachte mir den Welpen zusammen mit dem Muttertier in die Wohnung», sagt Natalie S. «Angeblich um zu schauen, ob es der Welpe künftig gut haben wird.» Heute weiss sie, dass das alles nur ein Trick war, um seriös zu wirken. Ob es sich bei dem Weibchen tatsächlich um die Mutter handelte, dürfte ebenfalls zu bezweifeln sei. Erst als sie ihren Chino einschläfern lassen musste, wurde ihr das Ausmass klar. «Leider zu spät.»

Damit künftigen Hundehaltern solche schmerzlichen Erfahrungen erspart bleiben, setzt Vier Pfoten mit ihrer Kampagne auf die Aufklärung potenzieller Welpenkäufer. «Wir möchten die Bevölkerung über die Machenschaften des illegalen Welpenhandels aufklären, um die Nachfrage sowie das damit verbundene Angebot drastisch einzudämmen», heisst es auf der Kampagnenwebsite.  

Aber auch auf politischer Ebene tut sich etwas. Das Tierseuchengesetz wurde vor zwei Jahren zwar bereits verschärft und Verkäufe von Hunden auf Parkplätzen verboten. Der Schweizer Tierschutz (STS) fordert nun aber, dass es im Falle eines Verstosses härtere Strafen gegeben solle. Das zuständige Bundesamt hat bereits eine Arbeitsgruppe gegründet. Diese soll Massnahmen zur besseren Kontrolle der Importe aufzeigen. Auch die Grüne Nationalrätin Maya Graf hat diese Forderung 2014 in einem Vorstoss an den Bundesrat deutlich gemacht. Mit Erfolg: Der Bundesrat anerkannte in seiner Antwort, dass der illegale Welpenhandel «ein ernst zu nehmendes Problem» darstellt, und will mit den zuständigen Behörden «mögliche Massnahmen» prüfen.

Ein komplettes Importverbot dürfte jedoch kaum ein mögliches Szenario sein. Denn die Schweizer Züchter können die Nachfrage nach Hunden nicht decken. Wichtig sei es deshalb, darin sind sich Vier Pfoten und der STS einig, dass potenzielle Welpenkäufer aufgeklärt werden. Nur so kann der illegale Welpenhandel eingedämmt und damit Hund und Mensch viel Leid erspart werden.

Eine Checkliste zum Welpenkauf gibt es unter www.stopptwelpendealer.org und www.lookout4dogs.ch

*Name der Redaktion bekannt.

Inserate in der «Tierwelt»
Die Problematik des illegalen Hundehandels wird auch von den Verantwortlichen der «Tierwelt» sehr ernst genommen, wie Verlagsleiter Jörg Kilchenmann betont. Alle Inserenten der «Tierwelt» müssen eine korrekte Rechnungsadresse angeben. So sind anonyme Inserate nicht möglich und der Handel transparenter als auf Onlineplattformen. «Aber auch die Mitarbeitenden der Inserateabteilung sind sensibilisiert und reagieren, falls ein Verdacht auf gewerbsmässig illegalen Hundehandel besteht», hält Kilchenmann fest. Ausserdem konsultieren die meisten kantonalen Veterinärämter die «Tierwelt» wöchentlich. «Sobald ein Verdacht auf illegalen Hundehandel besteht, nehmen die Stellen sofort Rücksprache mit unserem Verlag.» Kilchenmann ist überzeugt: «Wir bieten in der ‹Tierwelt› einen seriösen Hundemarktplatz an.»

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Kommentare (5)

zihlmann am 01.12.2016 um 21:50 Uhr
guten tag
gerade eben ist mein sohn auch darauf hereingefallen.
alles schien so seriös. die dame weinte sogar, als sie das hündchen übergab, versprach rückgaberecht, wenn etwas mit dem welpen nicht in ordnung wäre. kein wort davon, dass der hund ziemlich sicher aus bulgarien kommt. übergabe war in lugano!!!
nach dem tierarztbesuch: hund hat verkrümmte nasengänge, ziemlich sicher gefälschter impfausweis, kein chip, obwohl angegeben.
kontaktaufnahme oder rückgabe nicht mehr möglich!
also: passt auf! auch wir hätten nie gedacht, dass wir darauf hereinfallen.


Monika am 26.11.2015 um 10:18 Uhr
Ich bin gerade auf eine Welpenhändlerin reingefallen.Nun habe ich weder Geld noch Hund!Ich habe mich sofort in den kleinen Spitzer verliebt als ich dad Inserat gesehen habe.Habe das Geld überwiesen und habe auch schriftlich bekommen dass ich für die"Lieferung"nichts zusätzlich zu bezahlen habe.Als es soweit war dass der Welpe auf die Reise geht,habe ich eine email bekommen dass ich 2100Chf.zu bezahlen hätte.Reiseversicherung!Ich habe mich geweigert diesen überzogenen Preis zu bezahlen.Nun ist es so gekommen dass ich weder den Welpen bekommen habe noch das Geld zurück.Wie kann ich mich dagegen wehren?Hat jemand einen Tipp für mich?
Monika K.

Hotz am 10.07.2015 um 20:10 Uhr
Die Menschen informieren sich besser und sind viel kritischer, wenn sie eine Waschmaschine Kaffeemaschine etc anschaffen

Fakt ist, dass ca 90% der Hunde welche in der Tierwelt angeboten werden von unkontrollierten - ohne Papiere - ohne Essensreste - ohne Gesundheitscheck also nicht anerkannten und oft skrupellosen sog "Hundevermehrern" angeboten werden.
All diese Hunde landen dann oft in den Tierheimen.

Diese Welpen kommen also nicht nur vom Ausland - nein - viele von den Bauernhöfen !

Da wäre es schon lange nötig mal einzugreifen!

UndWelpenhandler aus dem Ausland mit so enorm hohen Geldbußen zu belegen dass sie von sich aus aufhören!

Hundekäufer sollten ebenfalls lernen kritischer und sachlicher hinzuschauen und sich die Papiere und die Ankörungs- sowie die Gesundheitsunterlagen zeigen zu lassen

Die Tierwelt sollte mal einen ausführlichen Bericht schreiben inkl eine Art Checkliste für zukünftige Hundekäufer veröffentlichen .

Das wäre genial !!!!!!!

Infos dazu - am besten bei den Rasseclubs:
Retriever - Bordercollie - belg. Schäferhunde - Autzralian Shepherd u v a
FG
Claudia Hotz






Bully am 10.07.2015 um 06:08 Uhr
Auch ich ärgere mich, dass heute nur noch eine Natel-Nummer angegeben wird, auch wenn bei jungen Hunden notiert ist " mit EU-Pass". Da kann es sich einfach nur um Händler handeln.

Mally am 09.07.2015 um 19:37 Uhr
Die Tierwelt Inserateabteilung macht Fehler wie das früher mal war. Eine Zeitlang war zwingend vorgeschrieben, dass keine Mobile-Nr im Inserat ohne Adresse stehen dürfen. Das ging nun vergessen. Und am Telefon kann doch jeder urgendeine Adresse angeben, da liegt der Fehler.
Beispiele wo nur eine Handy-Nr steht hats in der neuen Ausgabe leider wieder!!!! Adresse angeben und Tel. Nr!!!! Das wäre wichtig und schreckt Hundehändler ab.

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