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Hundehaltung

Keiner zu klein, ein richtiger Hund zu sein

2 Kommentare Hunde | Donnerstag, 18. Juni 2015 09:00, Johanna Wedl

Bekannt sind sie vor allem durch «Stars» wie Paris Hilton, und oft wirkt es, als seien sie mehr Accessoire denn Tier. Klein- und Zwerghunde wie der Chihuahua sollten aber behandelt und wahrgenommen werden wie grosse Hunde.

Es sind erschreckende Bilder. Sie zeigen eine Chihuahua-Dame auf dem Rücken liegend, die Augen zugekniffen, die Pfoten angezogen. Ihrem Bauch entlang erstreckt sich eine Narbe. Das Tier litt an einer Gebärmutterentzündung und musste operiert werden – nachdem es von seiner Halterin mit einem zweiten Chihuahua offenbar jahrelang in einem Käfig gehalten worden war. Die «Tierwelt» berichtete online über den krassen Fall von Fehlhaltung.

«Ein Hund hat vier Beine, und die sind zum Brauchen da», sagt Tibbi Bracher, Autorin von Hundebüchern und Gründerin der Chihuahua-Academy. Werde ein kleiner Hund zum Beispiel nur getragen, führe das unter anderem dazu, dass die Muskulatur verschwinde, erklärt Bracher. Auch ein Chihuahua müsse ausgedehnte Spaziergänge unternehmen und könne täglich problemlos bis zu 3 Stunden laufen – wenn er entsprechend trainiert sei sogar länger. Selbst eine Sportart zu betreiben wie Agility oder Dogdance ist mit kleinen Hunden möglich.

Körperlich und geistig fördern
Man dürfe bloss nicht ausser Acht lassen, dass einige Klein- und Zwerghunderassen früher für die Jagd eingesetzt worden seien – etwa der Chihuahua, der Ratten fing, sagt Dominique Amstutz, Vizepräsidentin und Zuchtwartin beim Club der Kleinhunde der Schweiz. Auch die Kleinsten sollten deshalb neben der körperlichen Auslastung geistig beschäftigt werden. «Man sagt nicht umsonst ‹klein, aber oho›», sagt Amstutz. Sie findet es wichtig, dass die Leute wissen, welche Eigenschaften eine Rasse hat. Auch sogenannte Schosshündchen wie der Bolonka würden erwachsen. «Das Risiko besteht, dass die Besitzer das Tier verhätscheln und bemuttern», sagt Amstutz. Dabei sollten auch kleine Hunde «ein Leben führen in der echten Welt, und nicht in einer Tasche.» Je mehr man einen Hund auf den Arm nehme, desto öfter könne er eine stressige Situation nicht bewältigen, weil er es sich nicht gewohnt sei.

Es gebe dennoch Momente, in denen ein Chihuahua besser aufgehoben sei auf dem Arm des Halters oder in einer gepolsterten Tasche, die als Nest dient, sagen Dominique Amstutz wie Tibbi Bracher. «Wenn man in ein Restaurant geht oder in der Stadt mit sehr vielen anderen Leuten unterwegs ist, wäre es unter Umständen lebensgefährlich, den kleinen Hund laufen zu lassen», sagt Bracher.

Ein weiteres Problem bei der Haltung von kleinen Hunden sei die fehlerhafte Ernährung, ergänzt Bracher. «Viele Leute wollen einen möglichst kleinen Hund, der ein Kilo oder weniger wiegt und noch ‹süsser› aussieht», sagt sie. Es gebe auch Besitzer, die ihre kleinen Hunde mit Resten vom Tisch fütterten, was nicht vorkommen dürfe. «Der Chihuahua braucht artgerechtes Futter.» Auch sonst habe er Bedürfnisse wie jeder andere Hund.

Das Tier nicht in Watte packen
Gerade Chihuahuas seien bekannte Schauspieler, hat Bracher als Halterin die Erfahrung gemacht. «Sie wollen die volle Aufmerksamkeit. Erhalten sie diese nicht, ziehen sie zum Beispiel ein Pfötchen an, damit man sich wieder um sie kümmert, weil man meint, es sei etwas nicht in Ordnung». Umso wichtiger sei es, bei der Erziehung konsequent zu sein und sie nicht in Watte zu packen.

Die Irrtümer und falschen Bilder, die über Zwerghunde in der Öffentlichkeit kursieren, entstünden auch durch «Vorbilder» wie jenes des amerikanischen IT-Girls Paris Hilton, die ihre Vierbeiner mit Vorliebe in Handtaschen transportiert, führt Bracher aus. «Ich höre oftmals von Leuten, deren zweijährige Tochter sich einen Chihuahua zum Geburtstag wünscht. Sobald die erste Euphorie verflogen ist, beginnen die Probleme und der Hund wird abgeschoben.»

Deshalb, so wünscht es sich Bracher, sollte man sich lieber drei Mal überlegen, ob man einen Vierbeiner möchte – auch bei Zwerghunden. «Alle in der Familie müssen einverstanden sein und sich überlegen, ob man genug Zeit hat und ihm ein artgerechtes Leben ermöglichen kann». Sie rät Interessenten, sich vor einem Kauf gut zu informieren. «Dadurch würden auch Wechsel vermieden und man könnte manchem Hund ersparen, dass er im Heim landet».

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Kommentare (2)

Ruedi Rey am 12.07.2015 um 15:50 Uhr
Dass Tiere in Modeerscheinungen treten, ist allein dem Menschen zu verdanken. Wenn man sich die Leckerli- Erziehungsmethoden der Hunde-Halterinnen betrachtet, so muss man sich nicht wundern wenn der Hund keine Kommandos mehr befolgt weil keine Leckerlis mehr geboten werden.Den meisten Hundehaltern gehört das Tier entzogen, weil sie nicht in der Lage sind, diesem eine artgerechte Haltung zu bieten und genügend Zeit mit ihm zu verbringen. Sehr viele Kleinhunde- Halter gehen Morgens und Abends nur kurz vor ihre Wohnung, ansonsten wird in vielen Fällen die Katzenkiste angewöhnt. Dafür prüstet man sich mit seinem ach so sauberen Hund auf dem Arm. Diesem Treiben sollte endlich Einhalt geboten werden, dann hört die Neuzüchtung von selber auf.

Thoma am 02.07.2015 um 12:52 Uhr
Mit den Neuzüchtung hätte schon vor 30 Jahren aufgehört werden sollen. Die Welpen kommen schon Krank auf die Welt, dass ist doch kein Leben. Ein Leben mit permanenten Tierarztbegleitung? Ja, dass ist ein Hunde Leben.

Mit Neuzüchtungen und Tierversuchen, dass muss schnellstens aufhören. Es kann nicht sein, dass der Hund oder ein anderes Tier ein Mode Erscheinung ist.

Freundliche Grüsse
P. Thoma


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