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Haustiere

Tierisch stressige Wohnungssuche

Katzen, Haustiere, Hunde | Mittwoch, 29. April 2015, Carmen Epp

Für Tierhalter gestaltet sich die Wohnungssuche meist kompliziert. Obwohl der Vermieter nicht alle Tiere per Mietvertrag verbieten kann: Das Konflikpotenzial bleibt – lässt sich mit Vorkehrungen jedoch minimieren.

Wir Schweizer sind ein Volk von Mietern. Zwei Drittel aller Haushalte werden hierzulande im Mietverhältnis bewohnt. Dass inzwischen in der Hälfte aller Mietwohnungen auch Heimtiere leben, stösst nicht bei allen auf Verständnis. Immer wieder führt die Heimtierhaltung zu Konflikten zwischen Mieter und Vermieter oder unter Nachbarn. 

Damit der Haussegen gar nicht erst in Schieflage gerät, bevorzugen viele Vermieter Personen ohne Tiere in der Mietwohnung. Entsprechend schwierig gestaltet sich denn auch die Wohnungssuche für Tierhalter, wie ein Blick auf einschlägige Onlineportale zeigt. Sucht man beispielsweise nach einer Wohnung in Zürich, erzielt man über 3500 Treffer. Schränkt man die Suche ein nach Inseraten, in denen Haustiere explizit erlaubt sind, bleiben weniger als 240 Wohnungen übrig. In ländlichen Gebieten wird die Auswahl gar noch stärker eingegrenzt. 

Viele Absagen
Diese Erfahrung musste auch Danja Sigrist machen. Auf der Suche nach einer Wohnung wurde die 26-jährige Luzernerin des Öfteren zurückgewiesen, weil sie drei Katzen hält. Die Begründungen waren vielfältig. «Der eine Vermieter meinte, Katzen würden Ungeziefer ins Haus bringen», sagt Sigrist. Andere Immobilienverwaltungen schränkten die Haltung von vornherein ein: keine Katzentüre, keine Katzentreppe. Dabei liegt vieles im Ermessen des Vermieters.  Auf Gesetzesebene gibt es nur wenige Bestimmungen, die bezüglich Tierhaltung in Mietwohnungen beigezogen werden können. Gemäss Obligationenrecht ist der Mieter verpflichtet, die Wohnung sorgfältig zu gebrauchen und auf Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Ein Vermieter muss also Lärm aus der Tierhaltung nicht tolerieren, wenn sie für das Haus, die Wohnung, Mitbewohner und Nachbarn unzumutbar werden. 

«Die Frage, ob Tiere in Mietwohnungen generell erlaubt oder verboten sind, beantwortet nicht das Gesetz, sondern der einzelne Mietvertrag», sagt Ruedi Spöndlin vom Mieterverband. In vielen Fällen wird die Frage der Haustierhaltung in Mietverträgen gar nicht erst thematisiert. In diesem Fall gelte eine ungeschriebene Regel, die allgemein anerkannt sei, sagt Spöndlin: «Wenn nichts von Heimtieren im Mietvertrag steht, ist deren Haltung grundsätzlich erlaubt.» Dies allerdings mit Ausnahmen. So sind Tierarten mit hohem Stör- oder Gefährdungspotenzial wie Schlangen oder Papageien von dieser Regelung ausgenommen. Gibt ein Tier zu Klagen Anlass, so kann der Vermieter dessen Beseitigung verlangen – auch wenn im Mietvertrag nichts dergleichen festgehalten ist. 

Ein Mietvertrag kann die Tierhaltung verbieten. Dies jedoch nicht ganz: «Unproblematische Kleintiere sind in jedem Fall erlaubt, egal, was der Mietvertrag besagt», sagt Spöndlin. Dazu gehören Meerschweinchen, Hamster, Wellensittiche, Kanarienvögel und Zierfische – sofern man diese nicht in grossen Mengen hält.

Mit Bewilligung auf sicherer Seite
Danja Sigrist hat inzwischen doch noch eine Wohnung in Luzern gefunden und dabei den Weg gewählt, der gemäss Spöndlin am häufigsten gegangen wird: den Weg über die vertragliche Zustimmung durch den Vermieter. «Ich und andere Tierhalter im Haus mussten uns eine Sonderbewilligung bei der Verwaltung holen, die uns die Haustierhaltung erlaubt», erzählt die 26-Jährige. Dieser Schritt sei empfehlenswert, sagt Spöndlin. Auch dann, wenn die Schriftlichkeit nicht ausdrücklich im Mietvertrag verlangt wird. So sei man als Mieter auf der sicheren Seite. «Hat ein Vermieter die Einwilligung einmal erteilt, kann er diese nicht einfach so wieder rückgängig machen», hält Spöndlin fest. Solange sich Danja Sigrists Nachbarn nicht an den Katzen stören, ihre Tiere keinen übermässigen Lärm oder Dreck verursachen, muss sich die Katzenhalterin keine Sorgen um ihr Mietverhältnis machen. 

Auch wenn jemand zwar ohne ausdrückliche Einwilligung, aber mit Wissen des Vermieters über längere Zeit ein Heimtier hält, könne nicht plötzlich dessen Beseitigung verlangt werden, sagt Spöndlin. «Die Einwilligung gilt in einem solchen Fall als stillschweigend erteilt.»

Denkbar ist aber auch, dass ein Vermieter die Tierhaltung nicht generell verbietet oder erlaubt, sondern mit jedem Mieter einzeln vereinbart. Hat also Danja Sigrist die Zustimmung dafür erhalten, Katzen in der Wohnung zu halten, bedeutet dies nicht automatisch, dass auch alle anderen Hausbewohner ohne ausdrückliche Erlaubnis ein solches Tier in der Wohnung halten dürfen. 

Tiere auf Besuch sind erlaubt
Ist die Hunde- oder Katzenhaltung per Mietvertrag ausdrücklich verboten, heisst das jedoch nicht, dass nie ein Hund oder eine Katze seine/ihre Pfote in die Wohnung setzen darf. Der Vermieter darf den Empfang von Gästen mit Tieren nämlich nicht generell verbieten, wie es im Tierrechts-Ratgeber der Stiftung Tier im Recht heisst. Erlaubt ist demnach auch, ein Tier vorübergehend in der Wohnung zur Pflege aufzunehmen – als Feriengast beispielsweise. Dies gelte jedoch nicht mehr, wenn jemand eine Art Tagesmutter für den Hund oder die Katze wurde, das Tier einen Schaden anrichtet oder die Nachbarn stört.   

Wer sich nicht an die vertraglichen Auflagen oder ein Tierhaltungsverbot im Mietvertrag hält, riskiert im schlimmsten Fall die Kündigung. «In krassen Fällen kann der Vermieter das Mietverhältnis sogar unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 30 Tagen auf das Ende des nächsten Monats auflösen», hält Spöndlin fest. Dabei muss der Mieter allerdings vorgängig schriftlich gemahnt werden. Wird eine solche Kündigung ausgesprochen, kann der Mieter mit dem Fall an die zuständige Schlichtungsbehörde gelangen. 

Streitpunkt Hauskatze

Unproblematische Kleintiere wie Hamster, Fische und Co. sind in einer Mietwohnung immer erlaubt, selbst wenn der Mietvertrag die Haustierhaltung generell verbietet. Umstritten ist die Frage, ob auch Hauskatzen, welche die Wohnung nicht verlassen, als unproblematische Kleintiere gelten. So hielt Thomas Oberle vom Hauseigentümerverband in der Kolumne «Ratgeber Recht» in der Mitgliederzeitschrift vom Juli 2009 auf die Frage eines Vermieters fest, dass eine Bewilligung nur für Katzen nötig ist, die sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Wohnung leben. Wohnungskatzen gelten demnach auch als «unproblematische Kleintiere» und sind deshalb nicht bewilligungspflichtig. Auf Anfrage dementiert Oberle diese Aussage wiederum. «Katzen gehören meiner Auffassung nach genauso wie Hunde zu denjenigen Haustieren, welche der Vermieter verbieten kann beziehungsweise die im Mietvertrag einer Bewilligungspflicht durch den Vermieter unterstellt werden können», hält Oberle fest. Dies entspreche denn auch der gängigen Praxis.

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