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Farbtherapie

Heilende Farben oder bunter Humbug?

Hunde | Donnerstag, 5. Februar 2015, Daniela Poschmann

Licht und Farben tun der Seele gut. Es gibt sogar Therapeuten, die Farbe zur Behandlung von Krankheiten einsetzen, zum Beispiel bei Hunden. Die Methode hat aber auch Gegner.

An der Farbtherapie scheiden sich die Geister. Die einen sprechen von Hokuspokus, die anderen schwören auf diese Methode – für Mensch und Tier: Bei Erschöpfung und Appetitlosigkeit soll Rot helfen, bei Pilzbefall Orange, bei Aggression Blau und bei Unausgeglichenheit kommt die Farbe Grün zum Einsatz.

Monika Schneebeli aus Wasterkingen im Kanton Zürich zum Beispiel schwärmt. «Das Ergebnis ist faszinierend! Mein Hund reagiert ganz ausgezeichnet auf die Farbtherapie. Ich war selbst mehr als erstaunt, welche Wirkung sie hat und kann sie nur empfehlen.» Schneebelis Schäferhund leidet an der Degenerativen Myelopathie (DM), einer Nervenerkrankung, die sich auf den Bewegungsapparat auswirkt und unter anderem zu schwankendem, unkoordiniertem Gehen und Muskelschwund führt. Bislang gilt die DM als unheilbar. Aufgrund der Antibiotika und anderer starker Medikamente, die die Tierklinik dem Hund verschrieb, kamen Magen- und Darmbeschwerden hinzu; die Magenwände wurden angegriffen. Deshalb ging Schneebeli zu Ursula Bächtiger, die im Thurgau eine mobile Farbtherapie-Praxis führt.

Farben lösen Blockaden
Bächtiger setzt meistens bis zu drei Farben ein, anfangs täglich, später nach Bedarf. Mithilfe verschiedener Geräte werden die Farblichter entweder auf spezielle Akupunkturpunkte, auf einzelne Chakren (Energiezentren) oder auf den ganzen Körper des Tieres gelenkt – je nachdem ob punktuell oder grossflächig behandelt werden soll. Dabei spielt es keine Rolle, dass Hunde beispielsweise rot anders wahrnehmen als der Mensch, nämlich als Grauton. «Tiere nehmen Farben über die jeweilige Schwingungsfrequenz auf und nicht über die Farbe, wie wir sie sehen», sagt Bächtiger. Die Wellenlängen der Farben dringen dabei tief in das Gewebe, erweitern die Gefässe, regen die Durchblutung an und können so Blockaden im Körperinneren lösen. Denn laut traditioneller chinesischer Medizin verfügt der Körper über ein System vielfältiger Energielinien (Meridiane) und Energiepunkte (Akupunkturpunkte), die sich bei Gesundheit im Ausgleich befinden. Nur wenn alle Lebensenergien ungehindert fliessen würden, stelle sich ein Wohlgefühl ein, erklärt die Fachfrau.

So soll die Farblichttherapie wesentlich zur Wundheilung beitragen, bei chronischen Erkrankungen wie etwa Rheuma die Schmerzen lindern, Ekzeme und andere Hauterkrankungen heilen sowie bei der Behandlung von Depressionen unterstützen. Bächtiger wendet diese Methode allerdings nie separat an, sondern immer «in einem ganzheitlichen Kontext». Bevor sie mit der eigentlichen Therapie beginnt, beobachtet sie das Verhalten von Hund und Halter, stellt Fragen. Welches Futter bekommt das Tier? Welches Waschmittel wird benutzt? Ist der Hund bestimmten Duftstoffen ausgesetzt? «Manchmal genügt es schon das Waschmittel zu wechseln, die Duftkerzen wegzulassen oder den hausgemachten Elektrosmog zu eliminieren», sagt die diplomierte Therapeutin. Daher sei es schwierig zu sagen, was am Ende tatsächlich zur Heilung oder zur Verbesserung der Symptome geführt habe.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Farben in vielen Kulturen seit jeher als Heilkräfte eingesetzt werden. Im frühen China setzte man Epileptiker auf violette Teppiche und wickelte Scharlachkranke in rote Tücher ein. In unserem Kulturkreis war Goethe Anfang des 19. Jahrhunderts einer der Ersten, der sich mit der Wirkung der Farben beschäftigte. In der Schweiz wurde die Farbtherapie Anfang der 1950er-Jahre durch den Psychologen Max Lüscher bekannt. Seriöse Studien, welche die Heilkraft beweisen, stehen bis heute aus. Dass Farblichter Reaktionen im Körper auslösen, bewies jedoch der Däne Nils Finsen, der für seine Arbeit 1903 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Er machte Experimente, unter anderem mit Würmern und Insekten, und fand heraus, dass Lichtstrahlen einen positiven Effekt haben können.

Nicht jeder setzt die gleichen Farben ein
Andere Experten wie der klinische Psychologe Colin Goldner, der sich seit Jahren kritisch mit alternativen Heilverfahren auseinandersetzt, bleiben skeptisch. In seinem Buch «Alternative Diagnose- und Therapieverfahren» schreibt er: «… für die Behauptungen, die Haut sei in der Lage, Farbschwingungen aufzunehmen und deren Wirkung ins Innere des Körpers weiterzuleiten, fehlt jeder Beleg.»

Nährboden für die Kritiker liefern nicht selten die Verfechter der Farbtherapie selbst, denn die Wirkungen der Farben sind nicht immer dieselben. Während der eine Heilpraktiker das Immunsystem durch Grün stärkt, nutzt der andere orange.

Ursula Bächtiger hält dagegen und verweist auf die Ganzheitlichkeit der Naturheilkunde und dass die einzelnen Probleme nicht isoliert betrachtet werden könnten. Sei die Ursache eines geschwächten  Immunsystems etwa ein seelisches Problem, würde sie es mit Grün unterstützen. Orange käme dagegen zum Einsatz, wenn eine Nieren- und Blasenschwäche der Grund sei. «Farben können nicht einfach nach Schema F abgehandelt werden, nichts ist statisch», sagt sie. Daher bespricht sie vor den Sitzungen den aktuellen Zustand des Patienten und testet per Bioresonanz aus, welche Farbe dem Tier weiterhilft.

Beim Schäferhund von Monika Schneebeli hat diese Methode funktioniert. Ihr Vierbeiner braucht heute, eineinhalb Jahre nach der Diagnose, dank Physio- und Farbtherapie keine Medikamente mehr. Letztere wendet sie übrigens mittlerweile Zuhause an mit einer sogenannten Bioptronlampe und den entsprechenden Farbaufsätzen. «Durch die Farbtherapie wird der Magen stabilisiert und die Nerven in den Hinterläufen werden angeregt, wodurch er besser laufen kann. So können wir wieder normale Spaziergänge machen, und mein Hund ist vital und glücklich.»

www.artemis-animal.ch

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