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Tiermedizin

Der winzige Feind im Hundedarm

Hunde | Freitag, 11. Juli 2014, Simon Koechlin

Wenn der Hund den Durchfall einfach nicht mehr loswird, steckt vermutlich ein mikroskopisch kleiner Parasit dahinter: Giardien zählen zu den häufigsten Darmparasiten beim Vierbeiner.

Es waren unangenehme Zeiten für Marie-Elisabeth Nagel aus Bremgarten im Kanton Aargau: «Meine zwei Hunde und drei Katzen litten plötzlich unter heftigem Durchfall – alle miteinander», erzählt sie. Mitten in der Nacht stand sie jeweils auf, um die Exkremente ihrer Lieblinge aufzuwischen und Gassi zu gehen – und mit der Zeit begann sie, sich Sorgen zu machen. Als darmstärkende Präparate und homöopathische Mittel nichts nützten, packte Nagel Kotproben aller Tiere in ein Säckchen und fuhr zur Tierärztin. Deren Diagnose: Die Tiere waren von sogenannten Giardien befallen, einzelligen Darmparasiten, die bei Hund, Katze und auch beim Menschen auftreten können.

«Giardien sind ein verflixtes Thema», sagt Tierärztin Franziska Hilfiker-Jud von der «Kleintierpraxis 4 Pfoten» in Villmergen AG. Denn mit dem Erreger ist nicht zu spassen. Unternimmt der Halter nichts, können die Durchfälle den Körper des Tieres austrocknen. «Es hat wegen Giardien schon Todesfälle gegeben», sagt Hilfiker. Gerade beim Hund sind diese Parasiten häufig: In Studien wurden zwischen 8 und 20 Prozent der untersuchten Haushunde positiv auf den Erreger getestet. «In unserer Praxis trägt mindestens jeder zweite Durchfallpatient Giardien», sagt Hilfiker. Oft begünstigen wohl weitere Durchfall ursachen die Erkrankung, etwa Fütterungsprobleme oder eine mangelhafte Darmflora. Allerdings scheint es puncto Häufigkeit der Giardien grosse regionale Unterschiede zu geben. Sie habe einmal in einer Praxis im Kanton Solothurn gearbeitet, erzählt Hilfiker. Dort seien Giardien kaum ein Thema gewesen.

Der Erreger überlebt monatelang
Typisch für Hunde mit Giardienbefall ist schleimiger Kot, oft versetzt mit frischem Blut, der «extrem stinkt», wie Hilfiker sagt. Ein erfahrener Tierarzt könne die Erkrankung deshalb oft schon fast mit der Nase diagnostizieren. Hunde und Katzen stecken sich an, wenn sie die Ausscheidungen befallener Tiere fressen oder auflecken. Beim Putzen können sie zudem ihren eigenen Kot auf dem Fell verstreichen und sich später wieder anstecken – umso mehr, als die Erreger in der Umwelt während Monaten überleben. 

Das ist mit ein Grund, weshalb die Behandlung von Giardieninfektionen frustrierend sein kann. Zwar gibt es zwei Präparate, mit denen Giardien bekämpft werden. Doch allzu oft versagt die Therapie oder es kommt immer wieder zu neuen Infektionen.

Um dies so gut wie möglich zu verhindern, behandeln Tierärzte stets alle Tiere im Haushalt, auch wenn nur bei einem Giardien nachgewiesen sind. Die Überdauerungsstadien des Erregers in der Umwelt können praktisch nur durch Hitze abgetötet werden. Sie rate Haltern deshalb jeweils, Böden und Teppiche mit dem Dampfgerät zu reinigen und Hundedecken so heiss wie möglich zu waschen, sagt Hilfiker. In den USA gebe es zwar eine Impfung. In der Schweiz sei diese aber nicht verfügbar, zudem sei ihre Wirkung umstritten. «Insgesamt», sagt die Tierärztin, «ist gegen diese Krankheit noch nicht wirklich ein Kraut gewachsen.»

Wie mühselig es ist, Giardien zu bekämpfen, hat auch Marie-Elisabeth Nagel erfahren müssen. «Es dauerte über vier Wochen, bis wir die Erkrankung unter Kontrolle hatten», sagt sie. «Das ging schon an die Nieren.» Heute schaut sie ganz genau hin, wenn ihre Hunde beim Spaziergang am Wegrand schnüffeln – und schreitet sofort ein, wenn sie einem Kothaufen zu nahe kommen.

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