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Pollenallergie

Der Frühling quält immer mehr Hunde

Haustiere, Hunde | Samstag, 26. April 2014 12:00, Melanie Graf

Mit dem wärmeren Wetter kommen die Pollen. Sie sorgen bei vielen Menschen für Heuschnupfen und Bindehautentzündungen. Auch zahlreiche Hunde sind von der Allergie betroffen. 

Während sich viele Menschen mit Pollenallergie mit Niesattacken, Schnupfen, verstopften Nasen, juckenden und tränenden Augen und Bindehautentzündungen herumschlagen müssen, kratzen sich allergische Hunde am Kopf, an den Ohren, an den Pfoten, den Innenschenkeln, Achseln und am Hals. Der Juckreiz ist manchmal so stark, dass sich die Hautrötungen durch Kratzen, Belecken und Knabbern verschlimmern und sogar entzünden. 

Die Allergie kann auch beim Hund eine Bindehautentzündung verursachen. Das erste Anzeichen einer Pollenallergie beim Hund ist Juckreiz, gefolgt von Hautrötungen, Fellverfärbungen, haarlosen Hautstellen und Krustenbildungen. Die ersten Symptome treten meistens im Alter von ein bis drei Jahren auf. Hunde nehmen die Pollen vorwiegend über die Haut auf. Dort können sie diese allergische Reaktion auslösen. Laut Allergiezentrum Schweiz sind in unserem Land rund 1,2 Millionen Menschen, etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung, vom Heuschnupfen betroffen. Bei Hunden weiss man nicht genau, wie viele an einer Pollenallergie leiden. Es ist aber eine Zunahme feststellbar. 

 Bild: M. Grossmann/pixelio.de

In der Tiermedizin fasst man allergische Reaktionen auf verschiedene Substanzen, mit einer Entzündung der Haut, unter dem Fachbegriff Atopische Dermatitis zusammen. Die Allergien auf Pilzsporen, Hausstaub- oder Futtermilben gehören dazu und treten häufig bei einem Tier gemeinsam auf. Atopische Dermatitis kommt schätzungsweise bei 15 Prozent der Hunde vor. Sie ist bei vielen Hunden genetisch veranlagt und wie der Heuschnupfen beim Menschen vererbbar. Zusätzlich spielen verschiedene Umweltfaktoren eine Rolle. 

Die Behandlung braucht viel Zeit
Die Schulmedizin wendet bei Allergien, je nach Schweregrad, unterschiedliche Therapien an. Die bekannteste Therapie ist jene mit Kortison. «Falls der Juckreiz nur an einigen Stellen, zum Beispiel an den Pfoten, vorliegt, kann lokal mit einer Kortison-Salbe behandelt werden», sagt Andrea Spycher, Tierärztin in der Kleintierpraxis im Moos in Ins (BE). Bei starkem Juckreiz am ganzen Körper werde Kortison systemisch, also den gesamten Organismus betreffend, eingesetzt. Aber vor allem wenn das länger dauert, könne es teilweise zu schweren Nebenwirkungen kommen. Die Tierärztin fügt an, dass auch neuere Medikamente eingesetzt werden können, um die Allergie zu unterdrücken. «Die bei Menschen eingesetzten Antihistaminika sind bei Hunden selten ausreichend wirksam», sagt sie und weist darauf hin, dass es auch die Möglichkeit gäbe, eine Hyposensibilisierung durchzuführen. «Diese Therapie ist oft erst nach einigen Monaten wirksam, aber damit kann eine Allergie dauerhaft kontrolliert werden.» Bisher sei bei betroffenen Hunden regelmässig eine Desensibilisierungslösung unter die Haut gespritzt worden. Nun sind auch Tropfen entwickelt worden, welche zweimal täglich unter die Zunge gegeben werden. 

Vorbeugen ist schwierig

Es sind nicht alle Faktoren bekannt, welche zu einer Atopischen Dermatitis führen. Vorbeugen ist nicht einfach. Allergische Hunde bleiben bei starkem Pollenflug am besten im Haus und sie sollten sich nicht in blühenden Wiesen tummeln. Am frühen Morgen und späten Abend ist die Pollen­belastung am höchsten. Durch regelmässiges Baden, eventuell mit einem medizinischen Shampoo, werden die Pollen von der Haut abgespült. Genaue Informationen zum ­Pollenflug in der Schweiz sind online zu finden: www.pollenundallergie.ch

Um eine Pollenallergie respektive eine Atopische Dermatitis beim Hund in den Griff zu bekommen, ist Geduld gefragt. «Ist der Hund auf Pollen allergisch, die nur eine kurze Zeit im Jahr vorkommen, wie etwa die Birkenpollen, so ist die Zeit, in der der Hund leidet, entsprechend kurz. Diesen Patienten kann mit wenig Aufwand geholfen werden», sagt Regula Reutter-Zumstein, Tierärztin und Spezialistin für Alternative Tiermedizin. Sie praktiziert in der Kleintierpraxis Reutter in Schwyz. Sie weiss, dass die Problematik bei einer Pollenallergie vor allem bei jenen Pollen liegt, die mehr oder weniger die ganze Saison vorkommen, wie etwa Graspollen. In diesem Fall ist das allergische Tier rund drei Viertel des Jahres Reizungen ausgesetzt. «Das bedeutet oftmals eine grosse Herausforderung, um den Juckreiz, unter welchem die Tiere beachtlich leiden, im erträglichen Rahmen zu halten und die sekundären Infektionen der Haut im Griff zu behalten», sagt Reutter-Zumstein.

Um nicht über lange Zeit auf Kortison zurückgreifen zu müssen, können alternative Behandlungen Unterstützung leisten. In ihrer Praxis wendet sie Akupunktur und die chinesische Medizin an. Auch homöopathische Mittel sind möglich. Sie empfiehlt auf das Futter zu achten und der Nahrung essenzielle Fettsäuren beizugeben. Auch mit lokalen Kräuterwaschungen, mit Malve oder Ringel­blume zum Beispiel, erreiche man längerfristig ein positives Ergebnis. Eines gibt sie aber zu bedenken: «Allergie ist nicht gleich Allergie. Man muss offen sein, verschiedene Therapieansätze in Betracht zu ziehen, um herauszufinden, welche dem Hund am besten hilft.»

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