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Aktivitäten

Mit dem Hund durch den Schnee wandern

Hunde | Donnerstag, 16. Januar 2014, Heidi van Elderen

Eine Wanderung durch eine magische Schneelandschaft ist für Zwei- und Vierbeiner ein wunderbares Erlebnis – wenn die Vorbereitung stimmt. Denn wer mit seinem Hund Schneetouren macht, muss einiges beachten.

Stundenlang durch einsame verschnei­te Landschaften stapfen, die kühle klare Winterluft einatmen, mit Schneeflocken Fangen spielen und an einem windstillen Plätzchen in der Sonne picknicken: Wandern ist für Hund und Herrchen die vielleicht schönste Möglichkeit, den grauen Städten und der trockenen Heizungsluft zu entkommen und die Winterlethargie abzuschütteln. Richtig viel Spass macht das aber nur, wenn nicht jeder Schritt schmerzhaft an die eisigen Füsse und Pfoten erinnert und sich Zwei- und Vierbeiner nicht schon nach zwei Kilometern erschöpft in den Schnee legen wollen.

Gute Vorbereitung ist also Pflicht. «Es kommt natürlich immer auch auf die Länge der Wanderung, das Gebiet und die Witterungsverhältnisse an», sagt Iris Tonet von der Hundeschule «Pfoten Akademie» in Wangen bei Olten SO. Bei einem dreistündigen Spaziergang durch den Wald braucht man weniger Ausrüstung und Vorbereitung als bei einer zweitägigen Bergtour. «Grundsätzlich sollte man aber bei allen Wintertouren selber gutes Schuhwerk und warme Kleidung tragen, die Pfoten des Hundes schützen und sicherstellen, dass er nicht friert.»

Laut der Trainerin, die verschiedene geführte Wandertouren für Hundebesitzer und ihre Vierbeiner anbietet, lieben die meisten Hunde Schnee. Doch während nordischen Rassen wie Huskys und Hunden mit wärmendem Unterfell selbst arktische Temperaturen kaum etwas anhaben können, sehnen sich Rassen aus südlichen Ländern sowie kleine, alte und kranke Hunde oft schneller wieder zurück in die warme Stube.

Manche Hunde sind wenig kältegewohnt und brauchen darum einen Schneeanzug
Dass der Hund friert, erkennt man daran, dass er zittert, etwas klamm und langsam geht und die Rute einzieht. Auf den Winterausflug verzichten muss man aber auch mit kälteempfindlichen Hunden nicht. Im Fachhandel werden Wintermäntel und -anzüge in diversen Grössen und für verschiedene Ansprüche angeboten. «Unter Umständen kann so ein Ganzkörperanzug auch dann sinnvoll sein, wenn der Hund ein langes, feines Fell hat, in dem sich ständig lästige und schmerzhafte Schnee- und Eisklumpen bilden. Je nach Hund und Schneelage reicht es aber oft schon, das Fell am Bauch ein wenig zu stutzen», sagt Tonet.

Eisklumpengefahr besteht nicht nur im Fell, sondern besonders an den Pfoten. Vorbeugen kann man, indem man langes Fell zwischen den Zehen kürzt und die Pfoten mit Vaseline oder Melkfett einreibt. Bei empfindlichen Ballen oder längeren Touren bieten sogenannte Booties Rundumschutz, eine Art «Hundeschuhe»,  die ursprünglich aus dem Schlittenhundesport kommen. Sie verhindern auch, dass scharfkantige Eisstücke die Pfoten verletzen oder Streusalz die Haut reizt.

Kälte zehrt. Daran sollte man denken, wenn man die Provianttasche packt. «Bei normalen Winterspaziergängen muss man die Fütterung in der Regel nicht anpassen», sagt Tonet. Wer aber anstrengende Mehrtagestouren macht oder im Gebirge unterwegs ist, sollte seinem Hund besonders fetthaltiges und energiereiches Futter geben. Die genaue Rationierung spricht man im Zweifel am besten mit dem Tierarzt ab.

Wenn der Hund mit zum Schneeschuh­trekking durch den Tiefschnee kommen oder mit Packtaschen beladen den Gipfel stürmen soll, braucht er aber nicht nur ausreichend Energie, sondern auch die nötige Kondition. Eine kleine Schneewanderung ist für einen gesunden, durchschnittlich trainierten Hund kein Problem, für lange oder schwierige Wanderungen muss aber im Vorfeld ausreichend trainiert werden. «Man sollte den Hund auf keinen Fall überfordern, denn dann steigt die Verletzungsgefahr und er verliert den Spass. Unterwegs sollte man gut auf Anzeichen der Erschöpfung achten und wenn nötig eine Pause einlegen oder umkehren», sagt Tonet. Wanderungen durch den Tiefschnee seien besonders für schwere und kleine Hunde sehr anstrengend, ganz darauf verzichten sollte man mit Vierbeinern mit Gelenkproblemen und Tieren, die noch nicht ausgewachsen sind. «Wenn man mit Schneeschuhen unterwegs ist, lernen Hunde aber sehr schnell, in den Spuren zu laufen, das ist dann einfacher.»

Damit Hund und Herrchen nicht auf halber Strecke erschöpft schlappmachen, ist eine moderate Routenplanung Pflicht. Nicht nur wegen der erschwerten Wanderbedingungen, auch wegen der früh einbrechenden Dunkelheit schafft man im Winter in der Regel weitaus weniger Kilometer pro Tag als im Sommer. Da es im Schnee und bei schlechten Sichtverhältnissen leicht ist, die Orientierung zu verlieren, müssen auf jeden Fall Wanderkarte, Kompass und Taschenlampe mit.

Im Winter gilt es besonders darauf zu achten, dass Wildtiere ihre Ruhe haben
Hunde bewegen sich auf rutschigen Böden meist weitaus sicherer als wir. Trotzdem sollte man sie nicht auf Glatteis herumrennen lassen – rutschen sie aus, können Bänderzerrungen und andere Verletzungen die Folge sein. «Bei starkem Glatteis sollte man eine geplante Wanderung verschieben oder auf eine andere Strecke ausweichen», sagt Tonet. «Das musste ich im letzten Winter mehrmals mit meiner Tour durch die Teufelsschlucht machen. Eigentlich ist die Strecke nicht besonders schwer, aber wenn Brücken, Treppen und schmale Pfade vereist sind, ist das für Mensch und Hund einfach zu gefährlich.»

Noch bedrohlicher als Glatteis sind Lawinen. Wenn man mit seinem Hund im Winter in die Berge geht, sollte man entweder spezielle, vor Lawinen gesicherte Schneeschuhrouten wählen oder vor dem Tourenstart das Lawinenbulletin abfragen. Selbst bei geringer Lawinengefahr können Schneebretter ausgelöst werden. In den entsprechenden Gebieten sollten die Hunde deshalb nicht frei herumspringen, sondern an der Leine vor oder hinter einem gehen. Da es im Gebirge durch Wetterumschwünge und Temperaturstürze schnell zu lebensgefährlichen Situationen kommen kann, schliessen sich weniger erfahrene Gipfelstürmer, egal ob mit oder ohne Hund, am besten einem Bergführer an.

Bei Wanderungen in der kalten Jahreszeit sollte man aber nicht nur auf die eigene Sicherheit und die seines vierbeinigen Begleiters achten. Auch die Natur ist auf besondere Rücksichtnahme angewiesen. Ganz oben im Winterwander-Knigge für Hundebesitzer steht, keine Wildtiere aufzuscheuchen. Denn Alpenschneehühner und andere Tiere müssen in der kalten Jahreszeit gut mit ihren Reserven haushalten. Stress und anstrengende Fluchten gehen mit grossen Energieverlusten einher und können im schlimmsten Fall den Tod bedeuten. Im Wald und in der Nähe von Schutz- und Schongebieten gehören Hunde deshalb an die Leine.

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