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Gesundheit

Die Risiken einer Narkose

Katzen, Hunde | Donnerstag, 13. März 2014, Simone Matthieu

Praktisch jedes Haustier wird mindestens einmal in seinem Leben unter Narkose gesetzt. Wie nötig und gefährlich ist dies? Und was sollte der Halter dabei beachten?

Für Operationen ist eine Narkose unumgänglich – die Schmerzen wären sonst  nicht auszuhalten. Bei Haustieren gibt es auch noch andere Gründe für eine Betäubung: alles, was mit Zahnbehandlung zu tun hat, sowie Röntgenbilder oder die Entfernung eines Abszesses. Seinen geliebten Vierbeiner für die letztgenannten «Kleinigkeiten» einem solchen Prozedere auszusetzen, kann übertrieben erscheinen. Ohne wäre es jedoch für den Tierarzt unmöglich, seine Aufgabe zu erfüllen. Katze und Hunde lassen ungern an sich «herumdoktern», das hat nichts mit Schmerzen zu tun. In den Mund schauen oder darin herumfummeln lassen sie sich schon gar nicht. Und still dasitzen, bis der Arzt sein Röntgenbild gemacht hat – den Gefallen tun sie der Gestalt in Weiss, vor der sie sowieso meist panische Angst haben, garantiert nicht.

Eine Narkose ist also in solchen Fällen notwendig. Ein Risiko lässt sich aber bekanntlich nie ganz ausschliessen. Das Wissen darum lässt besonders Besitzer von älteren Tieren vor Eingriffen unter Narkose zurückschrecken, zumal wenn sie selber den Eingriff als unnötig ansehen. Das ist gerade bei der Entfernung von Zahnstein oft der Fall. Das Tier muss ja kein blitzend weisses Gebiss haben.

Dr. Tanya Mayer aus dem bayrischen Unterhaching sagt dazu: «Zahnsteinentfernung ist keine kosmetische Behandlung, sondern die Entfernung eines Infektionsherdes, der sich auf Kreislauf, Herz und Nieren auswirken kann. Eine Vernachlässigung der Zahnhygiene kann die Lebensdauer eines Haustieres verkürzen. Ich würde dies nie riskieren.» Das Risiko einer Narkose wiege das Risiko von Zahninfektionen längst nicht auf. «Ausserdem ist bei Eingriffen wie Zahnsteinentfernung oder Röntgen keine tiefe Narkose notwendig», ergänzt Mayer.

Eine Reihe von Geräten überwacht das Tier während des Eingriffs
Dank technischen Verbesserungen und dem Einsatz von Überwachungsverfahren hat die Narkose einen Status als relativ risikoarmes Routineverfahren erreicht. Sie wirkt hauptsächlich auf das Gehirn, das Zentralnervensystem. Sie kann aber unerwünschte Nebenwirkungen auf Magen-Darm-Trakt, Atmung, Herz und Kreislauf haben. Die Folgen im schlimmsten Fall: Herz- oder Atemstillstand.

Um rechtzeitig reagieren zu können, schliessen verantwortungsbewusste Tierärzte die Patienten an ein Arsenal von Überwachungsgeräten an, die Herzaktivität, Blutdruck, Sauerstoffgehalt, Anzahl Atemzüge pro Minute und die Kohlendioxid-Konzentration beim Ausatmen messen. Mayer erklärt: «Ausserdem legen wir einen Venenkatheter, um im Notfall sofort Zugang zum Kreislauf zu haben. Eine Dauertropf-Infusion hält den Blutdruck stabil. Zudem intubieren wir das Tier, das heisst, ein Schlauch wird in die Luftröhre eingeführt, um die Atemwege freizuhalten und im Notfall beatmen zu können.»

Je nach Schwere der Narkose braucht es alle oder nur ein paar dieser Vorsichtsmassnahmen. Leider führen nicht alle Tierärzte Narkosen unter gleich strengen Sicherheitsvorkehrungen durch. Einige besitzen die Geräte dafür gar nicht. In der Schweiz kann man aber davon ausgehen, dass Tierspitäler und Tierkliniken darüber verfügen.

Laut dem Veterinäramt Zürich besagt die heimische Gesetzgebung, «dass jeder Tierarzt im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht arbeiten muss, also muss auch die Narkoseüberwachung nach den Kriterien der tierärztlichen Praxis gewählt werden. Die Tiefe der Überwachung ist vom Einzelfall abhängig.»

Ob und um wie viel teurer der Eingriff mit Überwachungsgeräten wird, ist jedem Tierarzt überlassen. «Ich würde aber dort zuletzt sparen», meint Mayer. Zusätzlich zu den Vorsichtsmassnahmen des Arztes muss auch der Tierhalter sich an einige Regeln halten. Hauptappell von Mayer: Kein Futter mehr 12 bis 15 Stunden vor dem Eingriff. «Durch die Narkose kann es zum Erbrechen kommen. Da der Schluckreflex unterdrückt ist, atmet das Tier das Erbrochene ein. Das führt zu Lungenentzündungen oder Atemstillstand.» Schlimm ist es auch, wenn Magensäure aus dem vollen Magen unter Narkose die Speiseröhre hinaufläuft. «Das führt zu schmerzhaften Entzündungen, deretwegen die Tiere tagelang nichts essen können», sagt Mayer.

Nach der Narkose braucht der tierische Liebling viel Ruhe und Beobachtung
Nach dem Eingriff sollen die Tiere ruhig gehalten werden. Vor allem Katzen, weil sie unter den Nachwirkungen der Narkose Sprünge nicht richtig einschätzen und schwer stürzen können. Kleinere Tiere sollten mit Decken oder Wärmeflaschen warm gehalten werden.

Wegen eines torkelnden Gangs und Erbrechens muss man sich keine Sorgen machen. Wenn sich die Tiere jedoch nicht mehr wecken lassen, hechelnd atmen, unter unstillbarem Erbrechen oder Durchfall leiden, sollte sofort der Tierarzt aufgesucht werden. Auch kühle Haut und das Liegen in Seitenlage können Anzeichen für Probleme nach der Narkose sein.

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