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Tierwelt 03/2014

Winterkleider für vierbeinige Gfrörli

Haustiere, Hunde | Donnerstag, 16. Januar 2014 08:00, Stéphanie Erni

Immer mehr Hunde tragen Mäntel oder auch Schuhe. Bei vielen Tierfreunden sind solche Kleider verpönt. Doch manchmal ist ein Schutz gegen die Kälte wirklich nötig. 

Was in den Tierläden von «Fressnapf» derzeit in Sachen Hundekleidung am meisten verkauft wird, sind Sicherheitsmäntel. «Alles, was reflektiert, ist im Moment besonders gefragt», erklärt Robyn Hossli von der Marketingabteilung. Beliebt seien Windschutzmäntel, Halsbänder oder Westen mit Reflektoren. Generell steigend sei aber auch die Nachfrage nach modischer Kleidung. Hossli: «Die Halter achten vermehrt darauf, dass die Kleider schön aussehen, vielleicht ein kleines modisches Detail wie einen Sticker haben.» Wird der beste Freund des Menschen nun zum Modepüppchen? 

Ob der Hund einen Mantel trägt oder nicht, hat eigentlich nichts mit Geschmack zu tun. Darüber sind sich Tierschützer und Züchter einig. Junge, gesunde und aktive Hunde, die sich viel bewegen, brauchen auch bei widrigster Witterung, bei Kälte und Schnee keine Kleider. «Aber Hunde, die frieren, müssen etwas anhaben», sagt Julika Fitzi, Tierärztin und beim Schweizer Tierschutz STS zuständig für die Fachstelle Hund. «Ganz junge, alte oder kranke Hunde können ein Problem mit der Kälte haben – und auch Tiere, die lange draussen warten müssen, vielleicht in der Hundeschule oder im Stall.» Dann sei es für den Hund gut, wenn ein Mantel dabei sei, den man ihm im Notfall anziehen könne. «Das ist sicher besser, als den Hund deswegen zu Hause zu lassen.» 

Vierbeiner können aus verschiedenen Gründen einen Mantel benötigen
Die Tierärztin empfiehlt möglichst unauffällige Mäntel. «Glänzende Stoffe oder Glöckchen können andere Hunde irritieren und die Kommunikation zwischen den Tieren stören.» Mäntel, die nur zur Zierde sind oder gar, um das Fell vor Schmutz zu schützen, findet sie unnötig. «Das hat nichts mit artgerechter Haltung zu tun.» Aber Hunde, die kurze Beine haben und deshalb nahe am Boden sind oder die kein so dichtes Fell besitzen, sind auch für Fitzi Kandidaten für einen Mantel. Denn: «Den Hund frieren zu lassen, ist auch Quälerei.» Ob ein Tier friere, sei leicht erkennbar. Genau wie wir Menschen fange es an zu zittern. Auch «wolligen» Rassen kann die Kälte etwas anhaben. Pudel zum Beispiel haben Fell, das sich bei nassem Wetter vollsaugt und dann abkühlen kann.

 Bild: sexyninjamonkey/Flickr/CC-BY-SA

Susanne Bär, Präsidentin des Schweizerischen Pudelclubs, setzt selber auf Gestricktes. «Empfehlen kann ich eine Kombination, die nicht nur wärmt, sondern auch vor Wind und Regen schützt, zum Beispiel einen gefütterten Mantel aus Gore-Tex.» Doch für sie ist klar: «Ist der Hund in Bewegung, braucht er keine Kleidung. Meine sind auch schon im Winter ins Wasser gesprungen, ohne sich eine Lungenentzündung zu holen.» Aber bei älteren Hunden werde das Fell dünner. Möglicherweise kommen noch Nierenprobleme oder Arthrose dazu. Dann sei ein Schutz nötig. 

Auf gesalzenen Strassen können Hunden die empfindlichen Pfoten schmerzen
Und dieser sollte möglichst gut passen. Das entscheidende Mass bei der Wahl der Kälteschutzkleidung sind die Rückenlänge – von der Schulter bis zum Schwanzansatz – und der Brustumfang. Dem pflichtet Robyn Hossli von «Fressnapf» bei: «Am wichtigsten ist, dass die Kleidung bedürfnisgerecht ist und sitzt.» Die Halter würden dazu entsprechend beraten. Am besten sollten sie ihren Hund gleich mitbringen, dann können die Mäntel auch anprobiert werden.

Wer auf einen Mantel verzichten möchte, aber dennoch nicht sicher ist, ob der Hund friert, kann auch eine Decke mitnehmen. Kurt Hartmann, Präsident des Schweizerischen Dachshund-Clubs, ist mit seinen Dackeln viel draussen: «Wenn ich auf der Jagd längere Zeit verharre, habe ich eine Decke dabei oder sie dürfen in den Rucksack.» Die Hunde zu bekleiden, war für ihn noch nie Thema. Was hingegen Probleme machen könne, seien die Pfoten, «vor allem bei gesalzenen Strassen». Tierärztin Fitzi rät hier ebenfalls zur Prävention. «Manche Hunde haben empfindliche und rissige Pfoten. Die schmerzen bei Kälte, Splitt und Salz.» Sie empfiehlt ­deshalb, die Pfoten vor dem Spaziergang einzureiben, «mit Vaseline oder auch Hirschtalg».

 Bild: annrkiszt/Flickr

Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft rät ausserdem zu einem Pfotenspray oder im Extremfall gar zu Schuhen. «Viele Hunde mögen diese jedoch nicht und gehen damit gar nicht oder wie auf Eiern. Eine Angewöhnung in der Wohnung Anfang Winter wäre deshalb sinnvoll», schreibt die Gesellschaft in einem Merkblatt zum Thema. Damit sich weniger Eisklumpen zwischen den Zehen bilden, wird auch angeraten, die Haare zurückzuschneiden. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Tierärztin Fitzi: «Zwischen den Ballen würde ich nicht schneiden, sonst jucken die Stoppeln beim Nachwachsen.» Wenn der Hund sich dann kratze, führe das zu offenen Stellen. Nützlich sei allenfalls das Schneiden jener Haare, die über die Pfote hinauswachsen. 

Damit das Salz auf den Strassen die Ballen nicht angreift, ist auch die Pflege nach dem Spaziergang wichtig. So rät die Kynologische Gesellschaft, die Pfoten mit lauwarmem Wasser zu waschen und gut abzutrocknen. Allenfalls nochmals mit Vaseline einreiben. Um Fettflecken auf dem Boden zu vermeiden, können dem Hund danach Söckchen, etwa von Babys oder Puppen angezogen werden, bis die fettende Creme eingezogen ist. Wer seinen Hund winterfest machen will, kann ausserdem auch zu Spezialfutter greifen. «Da eignen sich Futterzugaben aus Maiskeimöl und Schweinefett sowie Salben mit Lanolin, wie sie für Schlittenhunde benutzt werden.» 

Hundehalter sollten den gesunden Menschenverstand walten lassen
Wer seinem Hund einen Mantel oder Schuhe anzieht, macht ihn also noch nicht zum Modepüppchen. Denn ob das Tier einen Nässe- oder Kälteschutz braucht, hängt von ihm selber ab. «Jeder Besitzer kann seinen Hund gut beobachten und selber entscheiden, ob ein Schutz sinnvoll ist», erklärt Tierärztin Brigitte Bütikofer auf der Homepage des Tierbedarfhändlers «Qualipet» auf eine entsprechende Kundenfrage. Es sei schlicht «der gesunde Menschenverstand» gefragt. 

Was die Experten hingegen ablehnen, sind Kapuzen oder Kappen, die über die Ohren gehen und damit die normale Kommunikation behindern. Ob der Mantel, der nötig ist, dann noch einen Sticker hat oder nicht, spielt auch kaum eine Rolle. Hauptsache, der Hund fühlt sich wohl. Die Frage, ob Hundekleidung sinnvoll ist, hat nichts mit Prinzipien zu tun, sondern mit individuellen Bedürfnissen – und zwar jenen der Hunde. 

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