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Tierwelt 24/2013

Mit neuer Frisur in die Wärme

Haustiere, Hunde | Donnerstag, 13. Juni 2013 08:00, Simone Matthieu

Mit den steigenden Temperaturen gibt es für Hundecoiffeure mehr zu tun. Die Vierbeiner wollen frisch frisiert werden. Bei einigen Hunden wirkt die neue Frisur wie ein Jungbrunnen. 

Auf den Spaziergängen in den ersten Sonnenstrahlen des Jahres macht mein Hund auf Pensionär. Müde tappt der Lhasa Apso 50 Meter hinter mir her. Nichts bringt ihn dazu, einen höheren Gang einzulegen. Kein Wunder, er trägt immer noch seinen Winterpelz und wie sein Name durchblicken lässt, kommt er aus dem hohen, kalten Himalaja. Dort ist sein Pelz lebenswichtig, in unseren Breitengraden nicht. Wenn ich nach unserem Normspaziergang noch eine kleine Runde anhängen möchte, schaut er mich nur ungläubig an und macht sich schnurstracks auf den gewohnten, direkten Heimweg. Keine Extratour mehr.

Kaum ist aber der erste Coiffeurbesuch im Frühling vorüber, verwandelt er sich in ein springendes Reh. Munter hüpft er vor mir her, springt da hin und dort hin. Auf dem Spaziergang schaut er nun oft zurück, wo ich denn nun endlich bleibe. Lhasa Apsos haben Haare bis zum Boden, so ist der Rassenstandard. Wir scheren ihn jedoch im Winter auf fünf, im Sommer auf zwei Zentimeter.

Nach dem Frühlings-Schnitt fühlen sich viele Vierbeiner wie junge Hunde
Solche Geschichten hört Hundecoiffeuse Corina Wissmann vom Anubis Hundesalon in Baar ZG oft von ihren Kunden. «Man kann sich vorstellen, wie es ist, bei Sommertemperaturen im Wintermantel herumzulaufen. Den endlich abzulegen ist die reine Wohltat.» Sie erzählt von einem älteren Golden Retriever, der sich nach dem Schnitt jeweils wie ein junger Hund verhalte.

Nicht alle Vierbeiner werden geschoren. Nur solche mit nachwachsenden Haaren wie Malteser oder Pudel, die alle drei bis sechs Wochen unters Messer kommen, je nach Geschmack der Besitzer. Nicht alle möchten ihren langhaarigen Rassen aber einen Kurzhaarschnitt verpassen. Viele Halter legen Wert darauf, dass das Aussehen ihres Hundes den Rassenstandards entspricht, da ist ein Kurzhaarschnitt nicht akzeptabel. «Bei diesen Hunden werden die weichen langen Haare retoureffiliert», erklärt Wissmann. Das heisst, sie werden mit einer Effilierschere, welche nicht in der ganzen Klingen-Länge, sondern lückenweise schneidet, ausgedünnt. «Für Kurzhaarschnitte benutze ich zusätzlich die Maschine.»

Neben Vierbeinern mit den wachsenden langen Haaren gibt es auch Langhaar-Hunde, deren Haare nicht weiterwachsen, etwa Collies. Um ihnen bei der Hitze zu helfen, sollten sie häufig vom Besitzer ausgebürstet werden. Die Hilfe, welche die Coiffeuse bieten kann, ist, das Unterhaar des Hundes zu entfernen; jenes flauschige Haar dicht am Körper, welches den Hund im Winter warm hält.

Ein Problem, das bei Langhaar-Hunden – egal ob mit oder ohne wachsendes Haar – oft entsteht, sind Verknüpfungen. Oft verursacht durch zu wenig Kämmen. Besonders unter den Achseln häufen sich diese Knäuel, was für den Hund sehr unangenehm ist. Nach der Behandlung im Coiffeursalon sieht man den Tieren die Erleichterung an, endlich die Knäuel losgeworden zu sein, die sie beim Laufen hinderten.

Bei Rauhaarhunden erleichtert man die Fell-Last mit Trimmen. In mühseliger Handarbeit werden dabei die harten Borstenhaare aus dem Fell gezupft.  Dies geschieht zwei bis vier Mal im Jahr. «Mit der Zeit hat sich das erstaunlicherweise so eingespielt, dass die Trimmhaare meist zum Wechsel der Jahreszeiten reif zum Trimmen sind», sagt Wissmann. Ein positiver Nebeneffekt: Die extrem haarenden Hunde verlieren nicht mehr so viel von ihrem Fell. Am pflegeleichtesten sind glatthaarige Hunde. Sie müssen nur regelmässig gekämmt und gebürstet werden. Auch dies bewahrt vor dem stetigen Griff zum Staubsauger, da bereits gelöste Haare aus dem Fell mit der Bürste entfernt werden.

Neben den Haaren werden auch die Krallen geschnitten und die Ohren geputzt
Auch rasieren gehört zum Geschäft der Hundecoiffeuse. Vor allem bei Nackthunden kommt die Rasur zum Einsatz. «Speziell bei Hundeausstellungen dürfen Nackthunde keine Haare am Körper haben, sonst haben sie keine Chance für eine Platzierung.»

Ein Besuch beim Hundecoiffeur kostet zwischen 60 und 100 Franken, je nach Rasse mehr. Dazu gehören neben Haare- auch Krallenschneiden und Ohrenputzen. Oder das Entfernen der Knäuel, die sich zwischen den Zehen bilden. Diese sind nicht nur unangenehm für den Hund. Werden sie nass, besteht auch die Gefahr von Pilzinfektionen.

Gegen den Fellwechsel und die damit verbundene Menge von lästigen Hundehaaren im Haus kann die Coiffeuse nicht viel tun. Das Einzige, was hilft, ist regelmässiges Kämmen, am besten täglich. Ein Muss für einen Frühlingsschnitt gibt es übrigens bei keiner Rasse. Der einzige Grund ist, dem vierbeinigen Liebling die heissen Monate so angenehm wie möglich zu machen. 

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