Tipps
› Zurück

Tiergesundheit

Zu viel Künstliches schadet Haustieren

1 Kommentare Katzen, Hunde | Donnerstag, 28. Februar 2013, Daniela Poschmann

Sinnlose Impfungen, chemische Keulen und abstruse Diätfutter machen unsere Vierbeiner krank. Davon ist die Tierärztin und Buchautorin Jutta Ziegler überzeugt. Auf einer DVD warnt sie und gibt Ratschläge.

Fertigfutter, Impfungen und Spot-On-Tropfen gegen Zecken – alles unnötig. Jutta Ziegler räumt mit verbreiteten Gewohnheiten rund um die Ernährung und Behandlung von Hunden und Katzen auf. Dafür hat die Tierärztin nach ihrem Buch «Hunde würden länger leben, wenn …» vor Kurzem die DVD «Hunde und Katzen würden länger leben, wenn … – Die Praxissprechstunde» veröffentlicht.

Übersichtlich gegliedert in Szenen aus ihrem Praxisalltag, Kurz-Interviews und «Frage und Antwort»-Einblendungen geht Ziegler darauf ein, dass viele Vierbeiner von klein auf falsch ernährt sowie medizinisch schlecht betreut werden und räumt mit einigen Vorurteilen auf wie der vermeintlichen Salmonellen-Gefahr bei der Rohfütterung. Denn im Vergleich zum Menschen haben Hunde und Katzen eine viel aggressivere Magensäure, die sie gegenüber Bakterien wie Salmonellen widerstandsfähiger macht. Auch ist es laut Ziegler ein Irrglaube, dass man keine Hühnerknochen verfüttern darf. Solange sie roh sind, splittern sie nicht und sind daher unbedenklich.

Ausserdem sind die Tierärzte laut der Autorin zu häufig am Immunisieren: Ein Hund bekommt im Laufe seines Lebens 150 bis 180 Impfungen, sprich Viren und Bakterien eingeflösst, die für Staupe, Parvovirose und andere Krankheiten verantwortlich sein können. Vor den vor allem im Sommer beliebten Spots, Schutzmittel gegen Zecken und Flöhe, warnt Ziegler ebenfalls. Sie könnten Epilepsie verursachen, besser seien dagegen ätherische Öle. Auch monatliche Wurmkuren seien völlig unnötig und eine reine Belastung für die meist durch Fertigfutter bereits geschwächte Darmflora.

Die industriell gefertigte Tiernahrung enthält im Regelfall minderwertige Rohware wie Hufe, Klauen und Federn. Ausserdem gehen Vitamine, Aminosäuren und Mineralien beim Pressen und Erhitzen verloren und müssen im Nachhinein wieder künstlich hinzugefügt werden. Wenn schon Fertigfutter, dann empfiehlt Jutte Ziegler kaltgepresstes, das seine natürlichen Vitalstoffe behält. Wer Nassfutter kauft, sollte zudem darauf achten, dass es keine künstlichen Zusatzstoffe enthält, da diese oft Allergien auslösen.

Antibiotika helfen nur kurzfristig
Eine vermeintliche Lebensmittelunverträglichkeit hatte auch der Englische Setter, der im Alter von zwei Jahren zu Jutta Ziegler in die Praxis kam. Sein Halter war verzweifelt, da sein Hund bereits als Welpe begonnen hatte, sich ständig zu kratzen und die Antibiotika-Behandlungen seines bisherigen Tierarztes immer nur von kurzem Erfolg waren. Ziegler verordnete eine komplette Ernährungsumstellung und führte eine Eigenblut-Therapie durch, um das Immunsystem des Tieres wieder in Gang zu bringen. Und siehe da, der Juckreiz wurde weniger und verschwand schliesslich ganz.

Warum empfehlen so viele Veterinäre dennoch Fertigfutter anstatt rohe oder gekochte Speisen zu verfüttern? «Ihre Praxen werden von der Futtermittelindustrie gesponsert», begründet Ziegler. Wenn sich die Ärzte verpflichteten, eine bestimmte Marke zu verkaufen, bekämen sie grosse Rabatte und andere Vorteile. Doch besonders Katzen würden durch das im Industriefutter enthaltene Getreide oft Nierenschäden bekommen, Diätfutter verursache Leber- und Darmprobleme. Als Alternative zeigt Ziegler, wie einfach es ist, selbst das Fressen für seinen Vierbeiner zuzubereiten: 95 Prozent Fleisch plus 5 Prozent Ballaststoffe wie Karotten oder Zucchini und eine Messerspitze Eierschalenpulver zur Kalziumergänzung. Verschmäht das Tier Rohkost, kocht man das Fleisch einfach ab. Zusammengefasst: «Frischkost ist besser als Fast-Food.»

Weitere Beispiele aus Zieglers Praxis zeigen den oft übertriebenen Einsatz von Antibiotika. So erzählt die Medizinerin von einem Hund, der jahrelang wegen Durchfalls bei einem anderen Tierarzt in Behandlung war und ständig Antibiotika und Cortison verschrieben bekam. Die Heilung setzte zwar nach jeder Gabe ein, hielt aber nur für vier Wochen. Dann ging das Spiel wieder von vorne los. Nebenwirkungen wie Ohrenentzündungen und Ekzeme nicht ausgeschlossen. Statt zu heilen, werden solche Erkrankungen in vielen Fällen chronisch. Warum? Weil die Medikamente nur die Symptome, aber nicht die Ursache behandelten, erklärt Ziegler. Der Schlüssel zur Gesundheit ist eine stabile Darmflora, und die beginnt bei einer ausgewogenen Ernährung.

Jutta Ziegler: «Hunde und Katzen würden länger leben, wenn … – Die Praxissprechstunde», DVD, 82 Minuten, Verlag mvg, ca. 26.-

› Zurück
Kommentare (1)

Ducret Michel am 09.05.2013 um 11:22 Uhr
Die Autorin spricht uns aus dem Herzen. Wir haben eine noch nicht 4-jährige Deutsche Dogge verabschieden müssen. Die Züchterin hatte uns empfohlen ihn ankören zu lassen. Sie sitzt in einer Kommission des Clubs. Sobald das Tier angekört sei, würde es für einen Deckakt in der Zucht angefordert. Das war nicht der Fall. Das Muttertier war unter mysteriöschen Umständen verstorben. Die Todesursache erfuhren wir von der Züchterin nicht, auch keine Adressen der 8 Geschwister unseres Doggenrüden. Trotzdem der Club empfiehlt, vor einer Ankörung einen Herzultraschall machen zu lassen, hat der Tierarzt das Tier nur geröngt (CHF 800.--). Es sei am Herzen kerngesund, somit erübrige sich diese (extern durchzuführende) Untersuchung seiner Meinung nach. Das war im Februar letzten Jahres. Im Mai hatte das Tier Fieber und schwächelte. Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen DCM wurden diagnostisziert. Nahrung: ROYAL CANIN von der ersten Stunde an. Als der Rüde zum zweiten Mal einer US-Untersuchung und einem EKG im Dezember zugeführt wurde, erhielt er einen Medi-Cocktail mit zeitweise bis zu 7 Medikamenten, u.a. VETMEDIN. Das Tier hatte bereits zu magern begonnen. Der Kardiologe hielt dies in einem Bericht fest. VETMEDIN, haben wir uns sagen lassen, kann Diabetes auslösen. Und so war es denn auch. Aber es wurde Ostern, bis der TA uns empfahl INSULIN zu verpassen, weil angeblich der gemessene Blutzucker noch im Februar für gut befunden wurde. Damals war aber der Abmagerungsprozess weit fortgeschritten. Das Tier wog noch 70 kg von ursprünglich 80 kg. Wir entschlossen uns zu Barfen. Der Hund frass nur noch beschränkt bis zeitweise gar nichts mehr, sicherlich aber unregelmässig. INSULIN hätte nur der Medizin etwas gebracht: Umsatz. Mit letzter Kraft kämpfte unser Hund gegen den Tod. Heute ist Auffahrt. Er wurde eingeäschert. Sein Leben war sehr kurz. Auf Facebook suchten Doggenfreunde "Verwandte" unseres Rüden. Wir meldeten uns und erfuhren, dass sich eine Welle der Empörung auf unsere Züchterin zubewege, welche kranke Tiere hatten oder haben. Der Club schützte sie und könnte unter dem Druck vielleicht Massnahmen treffen. Eine der Massnahmen wäre jedoch dringend angebracht: HERZ ULTRASCHALL zur Bedingung zu machen und vor industriellem Futter zu warnen: 70% der Deutschen Doggen sterben an Herzkrankheiten. Das durchschnittliche Alter liegt unter 6 Jahren. Ich kenne aber mindestens ein Dutzend Doggenbesitzer, ehemalige und gegenwärtige, deren Tiere 11 Jahre alt wurden oder alt sind.

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen