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Hunde

«Sicherheit und Vertrauen sind zentral»

Hunde | Donnerstag, 24. Januar 2013, Interview: Simon Koechlin

Hundewelpen brauchen eine sichere, von Vertrauen geprägte Beziehung zu ihrem Halter. Nur so sind sie bereit, all die Dinge zu lernen, die fürs Leben wichtig sind, sagt Verhaltenskynologin Dina Berlowitz.

Die ersten Monate im Leben eines Hundes sind faszinierend – und eine entscheidende Phase für die Entwicklung des Tieres. Hält sich der Halter nicht an bestimmte Regeln, kann einiges schief laufen.

Frau Berlowitz, was ist die wichtigste Voraussetzung, damit sich ein Welpe gut entwickeln kann?
Ein junger Hund braucht einen Fürsorgegaranten. Jemanden, zu dem er Vertrauen hat und zu dem er eine sichere Bindung aufbauen kann. Zuerst ist das die Hundemutter, dann der Züchter, später der Halter oder die Halterin.

Wie einschneidend ist die Trennung eines Welpen von seiner Mutter?
Das ist natürlich ein klarer Bruch. Umso wichtiger ist es in diesem Moment, dass der Welpe rasch ein stabile emotionale Bindung zu seinem neuen Fürsorgegaranten aufbauen kann.

Was gilt es dabei zu beachten?
Probleme gibt es oft, wenn Welpen zu einer Familie kommen: Mal kümmert sich der Vater um den jungen Hund, mal die Mutter – und ab und zu gehen die Kinder mit ihm spazieren. So hat der Welpe keine Hauptbezugsperson, und er fasst nur langsam Vertrauen in die unklare Situation.

Was ist daran so schlimm?
Die ersten etwa 16 Wochen im Leben eines Hundes sind die sogenannte Prägungsphase. In dieser Zeit hat das Tier eine erhöhte Lernbereitschaft. Hat ein Welpe aber keine emotionale Sicherheit, kein Vertrauen, lernt er kaum positiv. Die Welt wirkt dann unnötig ängstigend auf ihn und es können Probleme entstehen. 

Wie sollen Halter die Erziehung angehen, wenn der Welpe diese emotionale Sicherheit erst mal hat?
Schritt für Schritt. Der Welpe darf nicht überfordert werden. Das Ziel einiger ehrgeiziger Halter ist es, dass ihr Hund einfach alles kann. Doch dieses Abdriften in die Welpendressur ist nicht tiergerecht und hat nichts mehr zu tun mit einer aufrichtigen Zuwendung zum Hund.

Trotzdem muss ein gewisses Mass an Erziehung sein. Gibt es dazu einen besonders Erfolg versprechenden Weg?
Wichtig ist, dem Welpen immer neue Lerngelegenheiten zu bieten. Er soll selbstständig Herausforderungen bewältigen, die ihm Erfolgserlebnisse bescheren. Es gibt auch hier Fallstricke: Über einen Baumstamm zu krabbeln ist für einen Welpen spannend. Schafft er es nicht gleich, sollte man eher eine Art Räuberleiter machen, um ihm die Aufgabe zu erleichtern, als ihn ganz hochzuheben. Achtung: Futterbelohnung unterbindet das körpereigene Belohnungssystem. Das schönste Lob ist die gemeinsame Freude am Erreichten.

Wie wichtig ist der Kontakt zu anderen jungen Hunden?
Der ist zwingend. Nur so lernt er etwa, mit anderen Rassen umzugehen. Ein Schäfer mit Stehohren kommuniziert anders als ein Dalmatiner mit «Lampiohren». Aus diesem Grund haben mein Mann Heinz Weidt und ich das Konzept der sogenannten Prägungsspieltage oder Welpenspieltage aufgebaut.

Gibt es besonders wichtige Übungen?
Den Gleichgewichtssinn zu trainieren ist entscheidend. Denn bei Übungen auf dem Wackelbrett oder auf einem Brücklein werden besonders viele Hirnareale aktiviert.

Welche wichtigen Dinge sind Hunden nur schwer beizubringen?
Hunde sind Soziallebewesen. Alleinsein ist für sie artwidrig und muss schrittweise erlernt werden. Entsteht Trennungsangst, können sich daraus vielerlei Verhaltensstörungen entwickeln.

www.kynologos.ch

www.praegungsspieltage.ch

 

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