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Hunde scheren

Sommerfrisur ja oder nein?

2 Kommentare Haustiere | Donnerstag, 5. Juni 2014 07:00, Denise Gaudy

Geschorene Berner Sennenhunde oder Neufundländer sind keine Seltenheit mehr. Die Tiere würden weniger unter der Hitze leiden und seien leichter zu pflegen, argumentieren ihre Besitzer. Andere finden die Schur unnötig.

Ob Border Collie, Leonberger oder Hovawart, Berner Sennenhund, Golden Retriever oder Mischling mit reichhaltigem Haarkleid: Die trendige Sommerfrisur langhaariger Hunde heisst Totalrasur. In einem Forum im Internet schreibt eine Leonbergerbesitzerin: «Ich habe meinen T. schon vier Mal scheren lassen. Er hat eigentlich ein tolles, dichtes Fell. Für ihn war das Scheren aber eine Erleichterung und für mich auch. Er geht sehr gern schwimmen, und die Hosen waren oft so verfilzt, dass ich fast alles wegschneiden musste. Er fühlt sich mit Sommerfrisur immer sehr wohl.» So argumentieren die meisten Befürworter des Scherens von langhaarigen Hunden.

Die meisten Liebhaber von langhaarigen Rassehunden lehnen jedoch die Schur ihrer Tiere ab, und zwar nicht nur, weil diese ohne Fell nicht mehr dem Rassenstandard und damit dem Schönheitsideal entsprechen. Beim Hovawart zum Beispiel gelten physische Robustheit und Anpassungsfähigkeit unter anderem als deklariertes Zuchtziel. Dazu gehört auch, dass ein Hovawart bei natürlicher Haltung und angemessener Pflege mühelos Kälte, Nässe und auch Hitze verträgt und sich problemlos den klimatischen Bedingungen seiner Umgebung anzupassen vermag. So war zum Beispiel das Fell eines Hovawartrüden, der sein ganzes Leben in Mallorca verbracht hatte, ohne je geschoren worden zu sein, im Sommer deutlich weniger dicht als im Winter und frei von Unterwolle.

Gute Pflege ist bei langem Haar wichtig
Auch Anne-Lise Savary aus Fiez VD, langjährige Besitzerin von Neufundländern und aktive Wasserhundesportlerin, sieht keinen Anlass, ihre pelzigen Vierbeiner zu scheren: «Neufundländer haben ein extrem dichtes Fell mit viel Unterwolle. Ich habe nie einen unserer Hunde geschoren und hatte auch nie den Eindruck, dass sie im Sommer ungeschoren unter der Hitze leiden oder stinken. Das ist eine Frage der Pflege», ist sie überzeugt. Die Wasserhundesportlerin bürstet ihre Hunde einmal pro Woche, was pro Hund gut zwei Stunden beansprucht. Sie glaubt, dass viele Besitzer langhaariger Hunde diesen Aufwand scheuen und die Tiere aus Bequemlichkeit scheren.

Die Behaarung von Tieren erfüllt mehrere Funktionen: Sie sorgt für die Wärmedämmung bei kaltem Wetter und ist Schutz vor starker Sonnenbestrahlung. Haare absorbieren nämlich UV-Strahlung und Infrarotlicht (Wärmestrahlung). Wärmedämmung verhindert ein zu rasches Abkühlen des Körpers. Zudem schützt das Fell gerade bei Regen und beim Schwimmen den Körper vor Nässe. So beobachtet Savary bei ihren Neufundländern, die sich regelmässig und lange im Wasser aufhalten, dass die Tiere auch nach ausgiebigem Baden nie bis auf die Haut nass sind. Interessant zu wissen: Wenn ein Neufundländer nach dem Schwimmen aus dem See steigt, enthält sein Pelz 25 Liter Wasser – bevor sich das Tier schüttelt. 

Weiter spielt das Fell eine wichtige Rolle bei der innerartlichen Kommunikation; so etwa beim Drohen und Imponieren. Der Hund macht sich optisch grösser durch, indem er einige Fellpartien zeitweilig aufrichtet. Auch körpereigene Duftstoffe werden durch die Haare besser über den Hundekörper verbreitet. Tut man also einem langhaarigen Hund mit Scheren wirklich einen Gefallen?

Bei Hot Spots ist Scheren zwingend
Claudia Nett, Tierärztin und Spezialistin für Dermatologie aus Hünenberg ZG, gibt sich diplomatisch: «Es ist sicher nicht nötig, seinen gesunden, langhaarigen Hund zu scheren. Ob es falsch ist, bleibe dahingestellt.» Die Spezialistin für Hautkrankheiten und Allergien bei Tieren nennt aber einen zwingenden Grund fürs Scheren: «Hunde, die immer wieder unter Hot Spots leiden, müssen geschoren werden.» Hot Spots sind stark juckende, teilweise sehr schmerzhafte oberflächlich entzündete und bakteriell infizierte, eitrig-nässende, runde Hautstellen, die ein stinkendes Wundsekret absondern, das mit den Haaren verklebt. 

Betroffene Hunde sind häufig unterschwellige Allergiker. «Warmes Wetter sowie Baden und Schwimmen begünstigen die Bildung von Hot Spots. Werden die Patienten geschoren, wird die Haut besser belüftet und das Fell kann schneller abtrocknen. «Dadurch wird die bakterielle Überwucherung der Haut reduziert, und es bilden sich deutlich weniger dieser juckenden und schmerzenden Hautflecken», sagt Nett weiter. 

Dass durch regelmässiges Scheren der Haarwuchs übermässig gefördert werde, oder umgekehrt, das Fell plötzlich nicht mehr nachwachse, bezeichnet die Dermatologin als Ammenmärchen: «Ein Hund, dessen Behaarung nach dem Scheren nicht mehr nachwächst, leidet höchstwahrscheinlich unter einer Hormonstörung und muss von einem Tierarzt abgeklärt werden.»

Und wie steht es eigentlich mit Sonnenbrand von kurzhaarigen und hellhäutigen Hunden? «Auch Tiere können einen Sonnenbrand erleiden, vor allem wenn sie gerne und oft sonnenbaden», gibt Nett zu bedenken. Am häufigsten betroffen seien Katzen mit weissen Ohren und Nasen, aber auch kurzhaarige weisse Hunde können sich einen Sonnenbrand holen. Die Tierärztin warnt: «Häufige Sonnenbrände führen auch bei Tieren zu einer aktinischen Keratose, einer Vorstufe von Krebs.» Im schlimmsten Fall müsse eine Ohrmuschelamputation durchgeführt werden. Eine vorbeugende Massnahme ist der Einsatz von Sonnenschutzcremes mit hohem Schutzfaktor.

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Kommentare (2)

Walter prost am 06.06.2014 um 19:03 Uhr
Wer seinen Neufundländer Scheren lässt ist fast immer zu bequem zum kämmen und der Vorwand das er sich nach der Schur wohler fühlt dient einfach als Vorwand und Rechtfertigung die Nötige Pflege nicht machen zu wollen.
Wir leben seit über 35 Jahren mit einem Rudel Neufundländer zusammen unsere Neufundländer wurden nie geschoren. Bei richtiger Fellpflege schützt das Haar den Hund im Sommer wie im Winter. Es ist allerdings notwendig im Frühjahr die gesamte Unterwolle heraus zu kämmen. Hotspot entsteht fast immer wenn die Unterwolle beim Neufundländer nicht richtig entfernt wird, die Haut bekommt keine Luft und der Hund leckt so lange bis die Haut blutig ist. Wer seinen Neufundländer kennt und auch beobachtet sieht auch sofort wenn der Hund anfängt zu lecken, wenn man diese nassen Stellen sieht gut auskämmen die Haare an der Stelle auseinander machen und ein Juckreitz stillendes Mittel auftragen, der Hund stellt das lecken ein und ein Hotspot wird vermieden.

Thaler Karin am 05.06.2014 um 12:36 Uhr
Ich schere meine Riesenschnauzer auch deshalb, weil ich Zecken so schneller entdecke und entfernen kann.

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