Aktuell
› Zurück

Kein Strafverfahren

Hund eingeschläfert ohne Einverständnis

2 Kommentare Haustiere | Montag, 1. Oktober 2018, sda

Ein längst eingeschläferter Labrador beschäftigt die Gerichte. Das Zürcher Veterinäramt liess einen beschlagnahmten Hund im Februar 2016 einschläfern – ohne die Zustimmung der Halterin einzuholen.

Irgendwann erhielt der Labrador keine weitere Chance: Weil er immer wieder zuschnappte, liess das Veterinäramt den Hund im Jahr 2014 beschlagnahmen und steckte ihn ins Tierheim. Sein Frauchen setzte in den darauffolgenden Jahren alles daran, ihren Vierbeiner zurückzubekommen. Sie zog dafür bis vors Bundesgericht.      

Weil sich das Verfahren in die Länge zog, schaltete sich irgendwann sogar der Ombudsmann ein und erkundigte sich nach dem aktuellen Stand der Dinge. Was die Halterin und der Ombudsmann damals nicht wussten: Der Hund war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Er wurde im Februar 2016, nach zwei Jahren im Tierheim, eingeschläfert.      

Bei einer Untersuchung unter Narkose hatte sich herausgestellt, dass seine Arthrose so schlimm geworden war, dass er zwei neue Hüftgelenke benötigt hätte. Die Pflege im Tierheim wäre angesichts der Bissvorfälle aber schwierig geworden.

Eingeschläfert ohne Einverständnis  
Die zuständige Tierärztin des Veterinäramtes entschied deshalb, den Hund noch während der Narkose einzuschläfern – allerdings ohne das Einverständnis der Halterin einzuholen, was nicht rechtens war. Das Verwaltungsgericht entschied bereits in einem früheren Urteil, dass eine definitive Beschlagnahmung keineswegs heisse, dass das Veterinäramt einen Hund ohne weiteres einschläfern lassen könne. Die Eigentümerschaft bleibe auch bei Beschlagnahmung bestehen.    

Das Veterinäramt verhielt sich aber auch nach dem Einschläfern nicht korrekt. Die Halterin wurde nämlich nicht über den Tod ihres Tieres informiert. Während fast 10 Monaten verpasste es das Amt, die Halterin zu kontaktieren.    

In dieser Zeit beschäftigte sich gerade das Bundesgericht mit der Beschlagnahmung. Und sogar nachdem das Bundesgericht die Beschwerde der Halterin guthiess und den Fall ans Zürcher Verwaltungsgericht zurückwies, teilte das Veterinäramt niemandem mit, dass der Vierbeiner gar nicht mehr lebte.

Anzeige wegen Amtsmissbrauch  
Erst nach fast 10 Monaten wurde der Anwalt der Halterin vom Veterinäramt über den Tod des Hundes informiert. Die überraschte Besitzerin erstattete sofort Anzeige wegen Amtsmissbrauchs. Sie fordert, dass die Tierärztin wegen des Einschläferungsentscheids bestraft wird. Es sei keineswegs notwendig gewesen, das Tier einzuschläfern, so die ehemalige Besitzerin.    

Weil es sich um eine amtliche Tierärztin handelt, hatte das Obergericht zu entscheiden, ob es eine Untersuchung geben soll oder nicht. Wie aus dem Urteil hervorgeht, will das Obergericht nun aber kein Strafverfahren zulassen. Den Hund einzuschläfern sei nicht abwegig gewesen. Ein Amtsmissbrauch sei somit auszuschliessen.    

Einen Rüffel gibt es hingegen für die fehlende Kommunikation gegenüber der Halterin. Dieses Vorgehen des Veterinäramts sei problematisch, schreibt das Obergericht. Strafrechtliche Konsequenzen hat diese Kritik jedoch nicht.  

Der Labrador ist mittlerweile erneut Fall für das Bundesgericht. Die Halterin hat entschieden, in Lausanne dafür zu kämpfen, dass gegen die Tierärztin ein Strafverfahren eingeleitet wird.

› Zurück
Kommentare (2)

Annemarie Keller-Flammer am 13.12.2018 um 16:57 Uhr
Dem Kommentar von Barbara Dahortsang kann ich nur beipflichten. Mein Mann und ich haben die dritte Labradorhündin.
Die Erste übernahmen wir als Welpen. Die folgenden aus Familien mit kleinen Kindern. Wir haben nie Erfahrungen gemacht mit Schnappen oder Aggressivität. Ich könnte mir nur Vorstellen, dass der Hund schnappt, weil er Schmerzen hat. Der Hund um den es hier geht, hatte starke Arthrose was ihm bestimmt auch starke Schmerzen verursachte. Nur so kann ich mir den Entscheid zum Einschläfern vorstellen.

Barbara Dahortsang am 02.10.2018 um 21:57 Uhr
Das finde ich schlimm. Nun wird rationalisiert und beschwichtigt, während die Hundebesitzerin damit klarkommen muss, dass man längst hinter ihrem Rücken den vierbeinigen Kameraden umgebracht hat. Das ist bitter. Kein Gerichtsverfahren kann so etwas gutmachen. Es gibt Sachen, die sind einfach traumatisch. Manchmal hilft es, gerichtlich zu klagen, um mit dem Zorn umzugehen. Aber die Justiz ist teuer und dazu wenig tröstlich, wo es um Emotionen geht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Prozess gegen die Amtstierärztin Chancen hätte.
Leider muss man auch vermuten, dass die Hundehalterin nicht sehr kompetent war, sonst hätte es die Bissvorfälle nicht gegeben. Oder der Hund war schon neurotisch von seiner Vorgeschichte her.
Ganz ohne triftige Gründe wird ein Hundehalteverbot wohl nicht ausgesprochen. Und manche Hundehalter haben wirklich eine krankhafte Beziehung zu ihrem Tier - wenngleich es verständlich ist. Wir kennen die Umstände nicht genau. Mich selber könnte wahrscheinlich auch jemand als krankhaft auf meinen Kater fixiert einstufen. Es gibt immer Gründe, warum ein Mensch ungewöhnlich stark an einem Tier hängt.
Jedenfalls tönt alles wieder einmal sehr traurig - wie so manche Hundegeschichte. Die armen Tiere löffeln allzuoft die Irrungen der Menschen aus. Allein solch schmerzhafte Hüftprobleme wie viele Hunde und m.W. gerade oft Labrador sie haben, kommen ja schon von der Überzüchtung, sind also vom Menschen fabriziert. Soviel ist wohl allgemein bekannt.

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen