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Raumfahrt

Vor 60 Jahren flog Hündin Laika ins All

Haustiere | Freitag, 3. November 2017 12:00, Thomas Körbel und Christina Horsten, dpa

Vor 60 Jahren schickte die Sowjetunion die Hündin Laika ins All. Sie war das erste Lebewesen im Orbit. Ihren Flug überlebte sie nicht, gilt aber heute als Pionierin.

Ob Hunde, Affen, Spinnen, Quallen, Mäuse oder Bärtierchen: Bevor Menschen sich ins All wagten, schickten sie Tiere voraus. Viele überlebten das nicht – wie vor 60 Jahren die Hündin Laika. Daraus lernten die Forscher, und heute fliegen Mensch und Tier sicherer.  

Die blank polierte Kugel ermöglichte den ersten Lebewesen im All volle Rundumsicht. Die Vorderpfoten steckten ausgestreckt in schmalen Hosenbeinen, Schläuche verknüpften den Raumanzug mit lebenserhaltenden Systemen der Kapsel. Was im Moskauer Kosmonautenmuseum aussieht wie Spielzeug für Weltraumfans, ist einer der Anzüge, mit dem lange vor Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All (1961), die wahren Pioniere die Erdatmosphäre verliessen: Hunde.    

Vor 60 Jahren, am 3. November 1957, schoss die Sowjetunion die Mischlingshündin Laika als ersten Vierbeiner mit einer Rakete in den Weltraum. Damals folgte im kosmischen Wettlauf zwischen den Supermächten USA und UdSSR Schlag auf Schlag.   Wieder war es Moskau, das den Ton angab. Nur gut einen Monat zuvor hatten sowjetische Ingenieure die USA mit dem ersten Satelliten Sputnik-1 überrumpelt und damit das Zeitalter der Raumfahrt eröffnet.

Laika ohne Überlebenschance  
Die Moskauer Propaganda wusste das erste Tier im All gut in Szene zu setzen. Erst viele Jahre später erfuhr die Welt, welch qualvollen Tod die zweijährige Hündin gestorben war. Schon nach wenigen Stunden war ihre Sputnik-Kapsel völlig überhitzt, Laika hatte keine Chance. Doch ihr schicksalhafter Flug half bei der Entwicklung von Schutzmassnahmen – wie etwa von Raumanzügen für Hunde.  

«Wir stellen die Kapsel aus, mit der Belka und Strelka geflogen sind», sagt Museums-Vizedirektor Wjatscheslaw Klimentow. Die Hündinnen hatten mehr Glück als Laika. Sie kamen 1960 lebend wieder zurück zur Erde, zeugten sogar Nachkommen und grüssen heute ausgestopft aus einer Vitrine die Museumsbesucher.  

«In ihrer Kapsel gab es spezielle Kameras. Die Hunde wurden extra mit hellem Fell ausgesucht, damit die Kameras sie besser filmen konnten», sagt Klimentow. «Ihre Ernährung wurde überwacht. Belüftung und Sauerstoffversorgung wurden getestet. Das waren wichtige Versuche vor dem ersten Flug eines Menschen.»

Schildkröten im Weltall  
So hatten Tierversuche eine ganz zentrale Rolle in der Anfangsphase der Raumfahrt. Allein 29 Hunde schickte die Sowjetunion bereits zwischen 1951 und 1962 bis an die Grenzen des Weltraums auf eine Höhe von rund 100 Kilometern über der Erde. Neben Laika, die als erstes Tier ins All vordrang, starben 17 Hunde bei Testflügen.  

Es folgten weitere Lebewesen: Katzen, Mäuse, Insekten, Mikroben und Pflanzen. 1968, kurz vor der Mondlandung von US-Astronaut Neil Armstrong, kreisten sowjetische Schildkröten um den Erdtrabanten. Auch die USA schickten Tiere ins All, zu Beginn aber nicht Hunde sondern Affen. Mit den erfolgreichen bemannten Flügen nahm die Bedeutung der kosmischen Tierversuche ab. Trotzdem schickten viele Länder immer wieder «biologische Ladung» mit – Kaninchen, Quallen und Spinnen, die in der Schwerelosigkeit erfolgreich Netze sponnen. «Die Tiere haben ihren Ländern Dienste erwiesen, die kein Mensch übernommen hätte», heisst es bei der NASA.  

Heute sind Tiere im All seltener geworden und die Sorgen über ihr Wohlergehen grösser. Ging es früher vor allem um die äusseren Einflüsse des Kosmos auf lebende Organismen, um den Weltraumflug von Menschen zu ermöglichen, geht es heute unter anderem um Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Nerven- und Immunsystem. Dabei werden die Lebewesen immer kleiner, die für Versuche herhalten müssen, wie beispielsweise spezielle, kaum einen Millimeter grosse Bärtierchen.  

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