Aktuell
› Zurück

Saisonende

Hunde erobern das Freibad

3 Kommentare Haustiere | Mittwoch, 28. September 2016, Carmen Epp

Zum Abschluss der Badesaison hat das Freibad Rothrist seine Türen nur für Vierbeiner geöffnet. 200 Hunde haben die Gelegenheit genutzt und das kühle Nass ausgiebig genossen. 

Ausnahmezustand in der Stampfi in Rothrist AG: Wo normalerweise fröhliches Kindergeschrei zu vernehmen ist, hört man heute bereits von Weitem freudiges Hundegebell hinter dem Zaun zum Freibad. Für den Menschen ist die Badesaison vorbei. Doch bevor das Wasser endgültig abgelassen wird, gehört das Freibad in Rothrist an diesem Tag nur den Hunden. 

Die Idee dazu stammt aus Deutschland. Dort hat die Initiative #hundimfreibad im vergangenen Jahr 100 Freibäder für einen Hundeschwimmtag gewinnen können. In der Schweiz stiess die Idee auf wenig Begeisterung: Von allen angefragten Freibädern hierzulande konnte nur das Freibad Rothrist zum Mitmachen bewegt werden. Für Betriebsleiter Sämi Tschirky ist das unverständlich. «Hunde sind als Badegäste nicht dreckiger als Menschen», sagt er. «Und da man die Becken am Saisonende ohnehin komplett reinigen und desinfizieren muss, spricht nichts dagegen, vorher auch die Vierbeiner schwimmen zu lassen.» Für die Hunde sei das Schwimmen im Freibad nämlich kein Risiko, erklärt Tierärztin Regula Bucher aus Rothrist. «Chlorwasser ist sowohl für Mensch als auch Tier unbedenklich. Und da die Becken zwei Tage lang ohnehin nicht mehr mit Chlor versetzt wurden, hat sich das meiste sowieso verflüchtigt.» 

Wasserratten in ungewohnter Umgebung
Weder die allfälligen Chlorrückstände, noch die eher kühlen Luft- und Wassertemperaturen halten die Hunde davon ab, die beiden grossen Wasserbecken in Beschlag zu nehmen. Alle paar Meter lugt ein Hundekopf aus der Wasseroberfläche, in der Schnauze ein Spielzeug, mit Schwimmrichtung Beckenrand, wo Herrchen und Frauchen freudig rufen. Kaum aus dem Becken, geht das Spiel weiter: Das Spielzeug fliegt ins Becken und der Hund im hohen Bogen und mit einem gekonnten Bauchklatscher hinterher. Dass dann der eine oder andere Hund seinen Ball mit der Gummiente oder dem Plastik-Leuchtturm des anderen verwechselt, macht das Treiben nur noch interessanter. 

Doch nicht alle Vierbeiner trauen sich auf Anhieb ins Becken; einige beobachten das Ganze zunächst aus sicherer Entfernung. So zum Beispiel Yorkshire Terrier Leo. Er hüpft zwar freudig erregt am Beckenrand entlang, schnuppert immer mal wieder am Wasser und setzt eine Pfote ins kühle Nass. So richtig ins Wasser traut sich der Rüde jedoch nicht. Das liegt nicht daran, dass er verglichen mit den anderen planschenden Hunden geradezu winzig wirkt, wie Leos Frauchen erklärt. «Normalerweise ist er eine richtige Wasserratte. Das Becken hier scheint ihm aber nicht geheuer zu sein.» Hündin Kira geht es ähnlich. Auch sie badet sonst gerne, blickt neugierig ins Becken, wagt den Schritt jedoch nicht. 

Schönheitskönigin auf der Rutschbahn
Das komme nicht von ungefähr, erklärt Nora Röder. «Die Treppe ins Becken und der reflektierende Boden verunsichern viele Hunde.» Röder steht als Mitglied von Wasserrettungshunde Schweiz mit einem Neopren­anzug im Becken und probiert, skeptische Hunde mithilfe eines Spielzeugs und einer Leberwurstpaste ins Wasser zu locken. Bei Leo funktioniert das schnell. Die erste Scheu ist überwunden und der Kleine kann nun zeigen, dass er im Schwimmen ein ganz Grosser ist. Kira hingegen lässt sich auch vom Leckerli nicht locken; erst als sie von Röder ins Wasser getragen wird, kann sie ihre Scheu überwinden und erntet ein lautes «Bravo!» von Herrchen und Frauchen. 

Applaus gibt es auch bei der Vorstellung der Wasserrettungshunde aus Weggis LU. Zweimal präsentieren die Hund-Mensch-Teams unter der Leitung von Karin Gerber und Nicole Zemp, was sie regelmässig im Vierwaldstättersee üben: Eine Frau mimt im Becken eine Ertrinkende, die es zu retten gilt. Nach einem Sprung vom Beckenrand oder vom Gummiboot schwimmen die Wasserrettungshunde zur Frau und bringen sie mithilfe eines Seils oder mit ihrem Brustgeschirr heil ans Ufer. Im Anschluss an die Vorstellung dürfen auch ungelernte Hunde ihr Können in der Wasserrettung auf die Probe stellen. Schnell merken die Halter, wie viel Übung es braucht, bis der Vierbeiner zum echten Lebensretter werden kann. 

Der heimliche Star des Tages ist jedoch Lua. Die Portugiesische Wasserhündin möchte nicht nur ins Wasser springen, sondern auch rutschen. Als erster Vierbeiner betritt sie zusammen mit Frauchen Karin Müller den Turm und gleitet von dort ihrem Spielzeug hinterher die Rutsche runter. Die erste Fahrt wirkt, zur Belustigung der zweibeinigen Zuschauer, etwas unbeholfen. Doch Lua kann nicht genug kriegen. Immer wieder flitzt sie die Rutsche hinunter, läuft auf der glatten Fläche sogar hoch und animiert so auch andere Vierbeiner, es ihr nachzumachen. Dass es mit Lua einen Junioren-Schönheits-Champion auf der Rutsche sieht, bemerkt das Publikum nicht. Auch Lua selber schert sich nicht um ihre Frisur; sie ist voll in ihrem Element. Inzwischen fällt es ohnehin schwer, die einzelnen Rassen überhaupt zu erkennen, sehen sie doch nass alle ganz anders aus. So steigt so manches Pummelchen als schlankes Hündchen aus dem Wasser, und Bolonka-Zwetna-Rüde Amigo wirkt durchnässt noch winziger als ohnehin schon. 

Wiederholung ist sicher
Damit die Hunde nach dem Bad wieder frisch aussehen und sich nicht erkälten, lassen sie sich von Claudia Dubacher vom Hundesalon Panda föhnen und frisieren. Sichtlich erschöpft geniesst Leo den warmen Luftstrahl in seinem Fell, während andere Hunde in Frotteemäntel eingewickelt auf der Wiese eine Pause machen. Dort ist auch fürs leibliche Wohl der Hunde gesorgt. Gleich mehrere Anbieter sind mit einem Stand vertreten und warten mit Leckereien und sogar mit Hundeglace auf. Und so mancher Hundehalter, dessen Vierbeiner beim Badeplausch sein Spielzeug verloren hat, deckt sich mit einem neuen ein. 

Am Ende des Tages ziehen die Organisatoren ein positives Fazit. Neben der Kontrolle der Impfbüchlein und der Behandlung einer Bagatellverletzung bei einem Hund verlief der Tag für Regula Bucher ruhig. Und auch Sämi Tschirky ist zufrieden. «Die Hunde hatten sichtlich Spass, und auch die Rückmeldungen der Leute waren durchweg positiv», sagt er. Besonders freut ihn, dass trotz des kühlen Wetters viele den Weg nach Rothrist gefunden haben: 200 Hunde, 186 Hundehalter und ebenso viele Gäste wurden gezählt. 

Ob auch am Ende der Saison 2017 die Baditüren in Rothrist wieder für Hunde geöffnet werden, ist noch unklar, da im Frühjahr 2017 der Neubau des Hallenbads ansteht. «Allerspätestens 2018 wird der Anlass aber sicher wiederholt», sagt Betriebsleiter Tschirky. Vielleicht machen bis dahin auch andere Schweizer Freibäder mit bei der Aktion #hundimfreibad. Leo, Kira, Amigo, Lua und Co. würde es freuen! 

› Zurück
Kommentare (3)

Max Ferry am 18.08.2017 um 16:15 Uhr
Findet auch Ende Saison 3017 der Hundeplausch statt? Wo kann man sich anmelden? Wir sieht's mit den Kosten aus?

Kerstin Herrmann am 01.11.2016 um 23:34 Uhr
Mein Gott- dies ließe sich erweitern mit Kindern und Menschen mit Behinderungen und Neufundländern

Gertrud Schwander am 15.10.2016 um 16:49 Uhr
Dieser Badespass ist einmal für Tiere und in andern Bäder zur Nachahmung empfohlen.

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen