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Feuerwerk

Weniger Stress für Hunde am 1. August

4 Kommentare Haustiere | Mittwoch, 27. Juli 2016, Carmen Epp

Während viele Menschen die Feuerwerke am Nationalfeiertag geniessen, reagieren unsere Hunde oft panisch auf das Getöse. Mit ein paar Tricks kann man die Angst lindern. 

Der 1. August rückt näher, und mit ihm auch die Feuerwerke. Im Gegensatz zu uns Menschen können unsere Hunde dem Lärm rund um den Nationalfeiertag meist nicht sehr viel abgewinnen. Kein Wunder, ist doch das Gehör des Hundes weitaus besser und damit auch sensibler als jenes des Menschen. Kaum auszumalen, wie sich ein Raketenknaller für den Vierbeiner anhören muss, wenn selbst Menschen wegen dessen Lautstärke zusammenzucken. Und auch optisch sind Feuerwerke für viele Hunde unbekannt; grelle Lichter am Himmel kennen sie höchstens von Gewittern – und auch die sind den meisten Hunden ja eher unheimlich.

Während die einen die Feuerwerke rund um den Nationalfeiertag ohne grossen Stress hinnehmen, reagieren viele Hunde ängstlich oder geradezu panisch auf die Knallgeräusche und die bunten Lichter am Himmel. Diese Vierbeiner brauchen vor und während dem 1. August besondere Betreuung. 

Frühzeitige Vorbereitungen
So kann man den Hund auf den bevorstehenden Lärm sensibilisieren. Zum Beispiel mit einer CD mit Feuerwerksgeräuschen, die es im Handel zu kaufen gibt. Die lässt man während einigen Tagen vor dem 1. August im Haus oder in der Wohnung laufen und steigert allmählich die Lautstärke. «Sobald das Tier ängstlich oder erschrocken reagiert, war es zu laut, dann muss unbedingt ein oder zwei Stufen leiser noch mal desensibilisiert werden», erklärt Manuela Albrecht, Tierpsychologin und Hundetrainerin aus Wittenbach SG. Mit dieser Methode könne sich der Hund an die Geräuschkulisse gewöhnen und lernen, dass sie nicht bedrohlich ist. Wie schnell die Desensibilisierung wirkt, ist umstritten. Als Faustregel gilt aber: Je früher man anfängt, desto grösser die Erfolgschancen. 

Eine weitere Möglichkeit, dem Hund die Angst vor den Feuerwerken zu nehmen, bieten stressmindernde und angstlösende Wirkstoffe. Hier gibt es im Fachhandel eine Fülle an Angeboten, wie zum Beispiel Stecker oder Halsbänder, die Beruhigungspheromone aussenden, oder aber Nahrungsergänzungsmittel mit beruhigender Wirkung. Auch hier sollte mit der Behandlung frühzeitig begonnen werden, da pflanzliche Mittel meist ein paar Tage brauchen, bis sie wirken. Albrecht verwendet gerne Notfall-Globuli mit Bachblüten, die jeweils sofort wirken. In schweren Fällen können auch Beruhigungsmittel eingesetzt werden. «Hier sollten aber keinesfalls Versuche am Tier durchgeführt werden», hält Albrecht fest. «Erschrickt sich ein mit Medikamenten ‹ruhiggestelltes› Tier, kann das massiv schlimmere Folgen haben als ein Erschrecken ohne.» Beruhigungsmittel aller Art dürfen nur auf tierärztliche Verordnung hin verabreicht werden.

Wer auf Medikamente verzichten möchte, kann dem Hund auch selber helfen, wie Albrecht erklärt. «Entspannung lässt sich im Vorfeld trainieren», sagt die Tierpsychologin, «indem der Hund lernt, auf ein bestimmtes Wort, eventuell kombiniert mit einem Streicheln des Körpers, zu entspannen.» Dies lässt sich jedoch nicht im Eiltempo konditionieren, weshalb auch hier eine langfristige Vorbereitung nötig ist.

T-Shirt vermittelt Hund Geborgenheit
Ist es dann so weit und die Knallerei beginnt, gibt es einige Vorkehrungen, die Frauchen und Herrchen treffen können, damit sich der Vierbeiner wohler fühlt. Der Hund sollte sich drinnen selber den passenden Platz suchen können – ob im Kleiderschrank, in der Badewanne, unter dem Bett oder im Keller. Albrecht empfiehlt zudem, die Rollläden am Abend runterzulassen und klassische Musik oder Meditationsmusik laufen zu lassen. «Die langsame Musik beruhigt, wirkt pulssenkend und entspannend – sowohl auf den Hund als auch auf den Menschen.» Schliesslich sei es auch wichtig, sich als Halter neutral und ruhig zu verhalten. Sonst übertrage sich die Aufregung vom Zwei- auf den Vierbeiner.  

Eine weitere Möglichkeit, dem Hund während der Knallerei Geborgenheit zu vermitteln, sind sogenannte Thundershirts (thunder, englisch für Donner). Das sind eng anliegende T-Shirts für den Hund, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. «Dadurch, dass der Körper ‹zusammengehalten› wird, spürt der Hund eine innere Sicherheit und hat ein gutes Gefühl», sagt Albrecht. «Damit findet auch die Seele des Tieres Halt.» Wer kein Thundershirt hat, kann dem Hund auch ein normales T-Shirt anziehen, das dem Vierbeiner eng anliegt, aber bequem ist. Idealerweise hat man den Hund auch daran bereits im Vorfeld gewöhnt. 

Wenn diese Methoden nicht ausreichen und der Hund trotz allem stark leidet unter dem Feuerwerksstress, dann gibt es noch eine letzte Möglichkeit: die Flucht ins ruhige Ausland. Vor allem die Schwarzwald- region im Süden Deutschlands wirbt um den 1. August jeweils mit Angeboten in hundefreundlichen Hotels. Albrecht hält diese «Flucht» ins Ausland für eine gute Idee, gibt aber zu bedenken, dass die für die Ausreise nötige Tollwutimpfung sowie die Reise selbst eine weitere Belastung für den Hund darstellen können.

Auf lange Sicht gesehen ist es deshalb sinnvoller, seinen Hund frühzeitig auf die lauten Nächte rund um den Nationalfeiertag vorzubereiten. Schliesslich beschränkt sich die Angst vor Knallgeräuschen selten auf den 1. August. Das nächste Gewitter kommt bestimmt, und spätestens an Silvester geht das Getöse ja wieder von vorne los.

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Kommentare (4)

Anita am 24.07.2019 um 19:11 Uhr
Vielen dank für deine tricks...

Eva am 05.07.2018 um 23:00 Uhr
Genau so. Sollte es verboten sein. Stress für alle. Einfach Laser ohne Extrem Lärm.

Janine am 03.08.2016 um 10:48 Uhr
Liebe Redaktion,
Auch ich gehöre zu den Leuten, die Jahr für Jahr am 1. August / Silvester / Seenachtsfesten etc. mit meinem Hund in die Einöde verreisen muss. In der heutigen Zeit wäre es schön, wenn man auf eine tolle Lasershow ausweichen könnte, welche nicht von Böllern und Rauchschwaden begleitet ist. Bei einem privaten herbstlichen Laub-Feuerchen wird sofort wegen Umweltverschmutzung geklagt, aber die Schwermetalle etc. die bei einem Feuerwerk in die Luft gehen, die nimmt man einfach so hin....dem Kommerz sei Dank :-(

freundliche Grüsse

Daneffel Andreas am 01.08.2016 um 20:34 Uhr
hallo Team Tierwelt,
freue mich, dass Ihr dieses Thema aufwühlt,
bin kein Freund von Verboten, jedoch der Verzicht von Knallkörpern würde der Natur und Tierwelt sicher guttun, zudem sind die Höhenfeuer unsere Tradition in der Eidgenossenschaft und nicht aus Fernost importiertes Feuerwerk wo Lärmpegel, Luft- und Naturverschmutzung kein Anstoss mehr findet,
freundliche Grüsse Andreas Daneffel

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