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Gesellschaft

Vierbeinige Helfer in Alters- und Pflegeheimen

Haustiere | Samstag, 3. Oktober 2015 12:00, Nadja Sutter, sda

Regelmässiger Kontakt mit Tieren tut betagten Menschen gut. Einige Alters- und Pflegeheime erlauben ihren Bewohnern deshalb, ihre Haustiere mitzunehmen oder halten selbst Tiere. Für das Heim bedeutet dies aber einen Mehraufwand.

Wollschweine, Hühner, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Katzen – all diese Tiere tummeln sich im Alters- und Pflegeheim Blumenau in Bauma ZH. «Wir halten seit Jahren Tiere und machen sehr positive Erfahrungen damit», sagt Markus Plüss, stellvertretender Heimleiter der Blumenau. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims seien sehr interessiert an den Tieren. Auch schwer demente oder nicht mehr mobile Senioren würden regelmässig zu ihnen gebracht, damit sie die Tiere beobachten können.

Die rüstigeren Bewohner helfen beim Misten des Stalles der Wollschweine mit. Um die Hühner, Enten, Kaninchen und Meerschweinchen kümmert sich gar eine Bewohnerin alleine – ihr gehörten diese Tiere und sie habe sie ins Heim mitgebracht, erklärt Plüss.

Gut fürs Wohlbefinden, aber aufwändig
Auch Katzen oder Hunde dürfen Bewohnerinnen und Bewohner in die Blumenau mitnehmen. Die Tierhalter müssten aber noch selbst in der Lage sein, sich um sie zu kümmern, sagt Plüss. Ist das nicht mehr der Fall, überbrückt das Heim noch eine Weile, etwa mit der Hilfe von Angehörigen oder Hundebetreuern. Danach müssten die Tiere aber platziert werden, im Idealfall bei Angehörigen, andernfalls im Tierheim. Die Tierhaltung lohne sich für das Wohlbefinden der Bewohner, sagt Plüss. Für das Heim rechne sie sich nicht – sie sei ein klarer Mehraufwand.

Die Tierhaltung in Alters- und Pflegeheimen ist wegen des Mehraufwands nicht unproblematisch. «Für viele Heime ist es schwierig, eine Lösung zu finden, welche für Tiere, Bewohner sowie Pflegepersonal stimmt», sagt Barbara Schaerer. Sie betreibt einen Tier-Besuchsdienst für Heime und beriet jahrelang Heime zur Tierhaltung. «Für die Tierhaltung im Heim braucht es ein Konzept, was die Hygiene, die Sicherheit, Verantwortung sowie die Haltung und den Umgang mit den Tieren angeht», sagt Schaerer. So müsse etwa geregelt werden, wer mit dem Tier zum Tierarzt geht, wenn es einmal krank wird. Wenn kein Fachpersonal da sei, das Bescheid über artgerechte Haltung oder Tierkrankheiten wisse, könne es auch Probleme mit dem Tierschutz geben, warnt Schaerer.

Tierschützer sind zufrieden
Der Schweizer Tierschutz (STS) steht der Haltung von Tieren im Heim grundsätzlich positiv gegenüber. Er betreibt seit 2008 mit der Fachstelle «Grizzly – Tiere im Alter» eine Anlaufstelle für betagte Menschen, aber auch für Alters- und Pflegeheime, welche Tiere halten oder anschaffen wollen. Für Tiere und Tierhalter sei es am besten, wenn Haustiere so lange wie möglich bei ihrer Bezugsperson bleiben könnten, sagt Helen Sandmeier, Mediensprecherin des STS.

Dabei müsse aber auch das Wohl der Tiere beachtet werden: Eine Freilaufkatze etwa dürfe nicht in ein kleines Heimzimmer gesperrt werden. Wirklich schlechte Bedingungen für die Tiere gibt es aber selten: «Die grosse Mehrheit der Tierhaltung in Alters- und Pflegeheimen ist gut bis sehr gut», sagt Barbara Marty, die Leiterin der Fachstelle «Grizzly».

Hühner und Meerschweinchen auf Besuch
Für Heime, die keine Tiere halten können oder wollen, bietet Barbara Schaerer einen Tier-Besuchsdienst an. Bei den rund eineinhalbstündigen Besuchen gehe es nicht primär darum, die fünf Meerschweinchen und drei Zwerghühner zu berühren, erklärt Schaerer. Die Bewohner helfen beim Aufstellen des Tischgeheges, und können die Tiere füttern und beobachten. «Das erlaubt den Senioren, die im Heim rundum umsorgt werden, die Rollenverteilung umzukehren und selbst die Fürsorge für ein Tier zu übernehmen», so Schaerer.

Ihr liegt dabei am Herzen, dass die Tiere nicht unter den Besuchen leiden. Die Meerschweinchen und Zwerghühner würden auf ihre Aufgabe vorbereitet, indem sie sorgfältig an Menschenkontakte gewöhnt werden. Im Tischgehege könnten sie sich während der Besuche zurückziehen, wenn ihnen die Aufmerksamkeit zu viel werde. Zudem fährt Schaerer nur zwei- oder dreimal die Woche fort, und auch das nur in nahegelegene Heime. So seien die Besuche auch für die Meerschweinchen, die an sich keine Kuscheltiere sind, keine Überforderung.

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