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Giftköder

Training schützt vor tödlichen Happen

4 Kommentare Haustiere | Donnerstag, 1. Oktober 2015 09:01, Heidi van Elderen

Immer wieder verenden Hunde qualvoll, weil sie mit Gift präparierte Fleischbällchen gefressen haben. Schützen kann man seinen Hund, indem man ihm beibringt, die gefährlichen Leckerbissen links liegen zu lassen.

Die Gefahr lauert im Gebüsch und auf Wiesen: attraktive «Leckerbissen» wie Hackbällchen, in denen Schneckenkörner, Rattengift, Glasscherben oder Rasierklingen versteckt sind. Gegen das perfide Werk einiger Tierquäler konnten Hundebesitzer lange nur wenig ausrichten.

Wenn der Hund Stunden bis Tage nach dem Spaziergang Symptome wie hohes Fieber, Lähmungserscheinungen, Krämpfe, Zittern, Atembeschwerden und Erbrechen zeigt, kommt oft schon jede Hilfe zu spät. Zum Glück werden Giftköder in der Schweiz relativ selten ausgelegt. Trotzdem läuft bei vielen Haltern die Angst mit, ganz besonders natürlich, wenn gerade ein Fall in den Schlagzeilen war.  

Was jeder Hundebesitzer tun kann: Beim Spaziergang die Augen offen halten und das Verhalten des Hundes genau beobachten. Entdeckt der Hund etwas Interessantes, zeigt er das unter anderem mit Orientierungsverhalten an. Er schaut aufmerksam in die entsprechende Richtung, schnuppert und schnüffelt am Boden. «Mit ein bisschen Übung erkennt man sogar, ob der Hund gerade etwas Essbares gesehen und gerochen hat oder ob er eine Spur verfolgt», sagt Hundetrainerin Eva Zaugg aus dem Berner Seeland. «Ein aufmerksamer Halter kann dieses Verhalten bei einem gut erzogenen, frei laufenden Hund rechtzeitig unterbrechen, zum Beispiel indem er den Hund zurückruft oder absitzen lässt.»

Futter im Gelände anzeigen lernen
Jeder Hund sollte zudem lernen, auf Kommando etwas auszulassen – ganz gleich, ob er gerade einen Ball, einen Knochen oder ein Stück Wurst zwischen den Zähnen hat. Das kann im Ernstfall das Schlimmste verhindern. Doch ist der Köder mit Scherben oder Rasierklingen gespickt, führt schon das blosse Aufnehmen zu Schnittverletzungen.

Zaugg bietet deshalb seit einem Jahr ein spezielles Anti-Giftköder-Training an. Dabei konzentriert sie sich in ihren eintägigen Trainingsseminaren auf das «Anzeigen». Dabei lernt der Vierbeiner, Futter im Gelände mit einem bestimmten Signal anzuzeigen, bevor er es überhaupt ins Maul nimmt. Eine Fertigkeit, die auch im giftköderfreien Alltag ungeheuer praktisch ist, zum Beispiel, wenn im Gebüsch ein halb verwestes Kaninchen liegt oder der Hund Kuhfladen unwiderstehlich findet.

Der Vierbeiner setzt sich also zum Beispiel hin und bellt, wenn er etwas Fressbares gefunden hat, weil er gelernt hat, dass er dafür eine besonders attraktive Belohnung bekommt. «Wichtig ist es, die Ansprüche nur schrittweise zu steigern und das Training individuell zu gestalten. Es bringt ja nichts, wenn der Hund Futter anzeigen soll, indem er Platz macht, er sich aber nicht gerne hinlegt, zum Beispiel, weil er Schmerzen hat. Im Alltag funktioniert so etwas dann nicht zuverlässig», sagt Zaugg, die die Hunde grundsätzlich ohne Leine trainieren lässt.

Nach der Einführung durch einen erfahrenen Hundetrainer sollte man das Anti-Giftköder-Training auch zu Hause regelmässig anwenden. Das festigt das Gelernte und macht zudem eine Menge Spass. Dass der Hund Freude am Training hat, ist entscheidend für den Erfolg. Trainer und Methoden, die nicht mit positiver Verstärkung arbeiten und zum Beispiel fordern, dass man den Hund an der Leine zurückreisst, wenn er in die Nähe eines Futterbrockens kommt, sollte man deshalb tunlichst meiden. Denn so lernt der Hund nur, dass sein Halter ihn von Leckerbissen wegreisst, und wird den nächsten Futterbrocken bei Gelegenheit nur umso schneller verschlingen. Zudem kann es passieren, dass er den schmerzhaften Ruck mit den Spaziergängen oder zufällig vorbeikommenden Radfahrern verknüpft und Verhaltensprobleme entwickelt.

Vorsorgen und melden
Einen gewissen Schutz gegen Giftköder bieten Netzwerke engagierter Tierschützer. So warnt zum Beispiel GiftköderRadar per App, wenn irgendwo in der Schweiz, in Deutschland oder in Österreich verdächtige Köder auftauchen. Wer einen verdächtigen Futterbrocken findet, sollte ihn an der Fundstelle fotografieren, eintüten und zur nächsten Polizeidienststelle bringen. Auch bei Verdacht, dass der Hund etwas Giftiges gefressen hat, sollte man wenn möglich eine Probe des Köders oder des Erbrochenen einpacken und auf dem schnellsten Weg den Tierarzt aufsuchen.

www.giftkoeder-radar.com

Wienerli mit Rasierklinge

Bild: tunedin123 / 123rf.com

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Kommentare (4)

Rettenhaber Franziska am 29.06.2016 um 10:21 Uhr
Lehrreiche und erfolgreiche Antigiftköderkurse im Kanton Zürich:

Hundeschule Wolfschool
28.08.2016 unter folgendem Link: http://www.wolfschool.ch/Kursangebote/Antigiftk%C3%B6der-Kurs.aspx

Niklaus Salzmann, Redaktor «Tierwelt online» am 08.10.2015 um 10:22 Uhr
Guten Tag Frau Jeger und Frau Weinhold. Ein Anti-Giftköder-Training können Sie zum Beispiel bei der im Artikel erwähnten Hundetrainerin Eva Zaugg besuchen. Sie finden die Kontaktdaten unter www.seinmithund.ch.

Claudia Weinhold-Schaad am 06.10.2015 um 15:08 Uhr
Ja klingt ganz interessant für mich wo kann man so einen Kurs belegen. Hab ein Hund der alles gerne fressen würde.

Jeger Petra am 04.10.2015 um 21:45 Uhr
Der Bericht klingt sehr spannend. Gerne würde ich erfahren, wo solche Seminare stattfinden, weil auch unsere Hündin immer wieder versucht alles mögliche zu fressen.

Vielen Dank.

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