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Wenn Tiere schlafen

Na dann gute Nacht

Haustiere, Wildtiere | Donnerstag, 13. August 2015, Meret Signer

Während Menschen sich zum Schlafen gemütlich ins Bett legen, schlafen Tiere nicht nur im Liegen, sondern auch im Stehen oder sogar nur mit einer Hirnhälfte. Doch wieso tun sie es überhaupt? Träumen sie dabei auch? Und wer ist eigentlich der Rekordschläfer im Tierreich?

Als Tier hat man es nicht einfach, wenn man sich zur Ruhe legen will. Es lauern Räuber im Gebüsch, die einen gerne fressen würden. Man muss auf seine Jungen aufpassen. Oder darauf achten, dass man nicht im Meer untergeht.

Mit einem Auge offen
So haben sich verschiedene Tiere denn auch verschiedene Strategien einfallen lassen. Meeressäuger müssen ständig in Bewegung bleiben, damit sie Luft holen können und nicht ertrinken. Sie schlafen deshalb nur mit einer Hirnhälfte. Ein Auge bleibt dabei geschlossen, während das andere, das zur wachen Hirnhälfte gehört, offen bleibt. Ausserdem wird so verhindert, dass sich die Gruppe während des Schlafens verliert. Delfine, die am Rand der Schule schlafen, bleiben mit der Hirnhälfte wach, deren korrespondierendes Auge auf die Gruppe gerichtet ist.

Genau umgekehrt ist es bei den Stockenten, Vögeln also, die bei zahlreichen Jägern auf der Abschussliste stehen. Auch sie können mit einer Hirnhälfte schlafen, tun dies aber nicht immer. Forscher herausgefunden, dass Stockenten eher in den sogenannten unihemisphärischen Schlaf verfallen, wenn sie sich am Rand einer Gruppe befinden, während ihre Kameraden in der sicheren Mitte mit beiden Hirnhälften schlafen. Dabei bleibt das Auge, das gegen aussen gerichtet ist und mögliche Angreifer sehen kann, offen.

Auch andere Vögel zeigen dieses Schlafverhalten. Mauersegler beispielsweise verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft. Dank dem unihemisphärischen Schlaf können die Zugvögel auch während des Fliegens schlafen.

Tierische Träume
Dass Tiere auch träumen können, dürfte wohl jedem Hunde- oder Katzenhalter klar sein, der sein Tier schon einmal beim Schlafen beobachtet hat. Tatsächlich wurde bei den meisten bisher untersuchten Säugetieren und Vögeln das Vorhandensein von REM-Schlaf festgestellt. REM steht für «Rapid Eye Movement» und bezeichnet die Schlafphase, in der wir träumen.

Wovon Tiere träumen, können sie uns natürlich nicht erzählen, dank moderner Forschung können wir aber Vermutungen anstellen. So haben etwa Biologen von der University of Chicago herausgefunden, dass im Gehirn von Zebrafinken die gleichen Neuronen während des Schlafens aktiv sind wie während dem Singen. Zebrafinken üben also ihre Lieder noch in ihren Träumen. Ob ihnen dies allerdings bewusst ist und ob sie sich nach dem Aufwachen an ihre Träume erinnern, beziehungsweise diese als solche wahrnehmen, bleibt vorerst noch ihr Geheimnis. 

Warum schlafen wir?
Ebenfalls vor ein Rätsel stellt die Wissenschaft nach wie vor die Frage, warum wir überhaupt schlafen. Eine klare Antwort konnte bisher noch niemand finden, Forscher nehmen jedoch an, dass sich Körper und Geist während des Schlafs erholen. Insbesondere im Gehirn spielen sich dabei wichtige Prozesse ab, wie das Bereinigen von neuronalen Schaltungen. Wichtige Verbindungen werden verstärkt, andere wieder gekappt. 

Maiken Nedergaard vom University of Rochester Medical Center konnte ausserdem zeigen, dass das Gehirn während des Schlafs von Giftstoffen gereinigt wird. Sie entdeckte ein Netzwerk von mikroskopisch kleinen Flüssigkeitskanälen im Gehirn von Ratten, durch die chemische Abfallprodukte abtransportiert werden. Da dem Gehirn nicht unbegrenzt Energie zur Verfügung steht, müsse es wählen zwischen wach sein oder schlafen und reinigen, glaubt Nedergaard. Gegenüber «BBC News» sagte sie: «Es ist ein bisschen, wie wenn man eine Party schmeisst. Man kümmert sich um seine Gäste und putzt dann das Haus, tut aber nicht beides gleichzeitig.»

Fledermaus schläft am längsten
Am meisten Schlaf im Tierreich braucht übrigens nicht – wie sein Name suggeriert – der Siebenschläfer. Er schläft «nur» neun bis zehn Stunden am Tag. Die in Nordamerika verbreitete Kleine Braune Fledermaus ist da mit 20 Stunden Schlaf pro Tag einiges ruhebedürftiger. Sie ist der Rekordschläfer – zumindest nach heutigem Stand der Untersuchungen. 

Auch mit einem anderen weit verbreiteten Mythos können wir heute aufräumen. Kühe und Pferde legen sich zum Schlafen hin. Im Stehen dösen sie lediglich. Auch das Gerücht, dass man nachts auf einer Weide schlafende Kühe umschubsen kann, ist natürlich Unsinn. Besser bleibt man da in seinem eigenen Bett. 

 

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