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Tiermedizin

Auch Hunde spenden Blut

Haustiere | Donnerstag, 5. Februar 2015 07:00, Ursula Känel Kocher

Nicht nur Menschen spenden Blut, auch Hunde werden «angezapft». Unter Umständen retten sie so das Leben anderer Vierbeiner. Eine routinierte  Spenderin ist die American-Staffordshire-Terrier­-Hündin Fira.

Sie selber? Ja klar, sie gehe auch regelmässig Blut spenden, sagt Jolanda Lech aus Lützelflüh BE. «Muss ich ja fast – schliesslich machts mein Hund auch. Da kann ich wohl nicht kneifen.» Lech lacht herzhaft – und American-Staffordshire-Terrier-Hündin Fira klopft dazu mit dem Schwanz im Takt auf den Behandlungstisch. 

Wir befinden uns in einem Sprechzimmer der Kleintierklinik der Vetsuisse-Fakultät Bern. Dieses ist für heute zum Blutspende-Zimmer umfunktioniert worden. Rund alle drei Wochen werden in der Tierklinik Bern Hunde zur Blutspende gebeten. «Viele Hundebesitzer wissen noch immer nicht, dass dies möglich und vor allem auch nötig ist», erklärt die verantwortliche Tierärztin Alice Nentwig. Wozu? Blut brauche es – wie beim Menschen – bei Operationen mit grossem Blutverlust, Unfällen, der Behandlung von Immun-Erkrankungen. Nentwig sagt: «Auch beim Hund gilt: Eine Blutspende kann unter Umständen Leben retten.» Aus diesem Grund führt das Tierspital Bern – wie auch jenes in Zürich – eine «Hunde-Blutbank», die regelmässig mit frischem «Material» gefüllt sein will.

Zwei Mal jährlich wird gespendet
Zurück ins Sprechzimmer. Jolanda Lech hat inzwischen ihre Hündin mithilfe der beiden Tiermedizinischen Praxisassistentinnen Michèle Biedermann und Eva Burgermeister auf die Seite gelegt. Die Hündin wird liebevoll, aber bestimmt festgehalten. Biedermann tastet den Hals nach der grossen Halsvene ab, greift zum Rasierer und entfernt ein wenig Fell. Dann nimmt sie die Nadel mit angehängtem Infusionsschlauch und führt diese ins Blutgefäss ein. Sofort füllt sich der dünne Schlauch mit der roten Flüssigkeit.

 Fira hat sogar einen Blutspendeausweis.
 Bild: Ursula Känel Kocher

Fira lässt das Prozedere geduldig über sich ergehen. Die siebeneinhalbjährige Hündin ist ein Routinier, kommt zweimal jährlich und insgesamt bereits zum sechsten Mal zur Blutspende. «Ich selber wusste vorher nicht, dass es das gibt», sagt Lech. Die Züchterin ihrer Hündin habe sie darauf aufmerksam gemacht und ihr ans Herz gelegt, dies zu unterstützen. «So habe ich mich selber im Tierspital gemeldet und uns in die Spender-Kartei aufnehmen lassen. Es ist eine gute und wichtige Sache.»

«Alle Spenderhunde werden vor der ersten Spende und danach einmal jährlich gratis gesundheitlich durchgecheckt mittels einer kompletten Laboranalyse des Blutes inklusive Infektionskrankheiten», erklärt Tierärztin Nentwig den Ablauf. Mit ihren knapp 22 Kilogramm Körpergewicht erfüllt Fira die Gewichtslimite von mindestens 20 Kilogramm gerade noch. «Leichtere Hunde können wir nicht berücksichtigen, da wir pro Spende rund 450 Milliliter Blut abzapfen», erklärt Michèle Biedermann. Diese Menge ist durch die Grösse der Transfusionsbeutel vorgegeben. Es sind dieselben, die auch beim Menschen zum Einsatz kommen. 

 Zum Abschluss gibt's eine Belohnung.
 Bild: Ursula Känel Kocher

Stillhalten ist gefragt
Eine weitere Voraussetzung, die Fira problemlos erfüllt: Sie ist äusserst kooperativ. Will heissen: «Der Hund muss während der Blutentnahme liegend oder auch sitzend  rund 10 bis 15 Minuten ruhig verharren, ohne dass ihn dies ängstigt oder stresst – sonst funktioniert es nicht», sagt Biedermann. Stillhalten ist also gefragt. Eine Vakuumpumpe hilft, dass sich der Prozess der Blutentnahme nicht allzu sehr in die Länge zieht.

Anschliessend beschriftet Biedermann den gefüllten Beutel und legt diesen in den Kühlschrank. Das Blut kommt danach in die Zentrifuge und wird getrennt: Die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, sind knapp einen Monat haltbar; das eingefrorene Blutplasma etwa ein Jahr. Und Fira? Die erhält jetzt zur Belohnung einen gefüllten Futternapf, den sie innert Kürze leer frisst. Jolanda Lech schultert den 15-Kilogramm-Sack Hundefutter, den es für jede Blutspende gratis gibt, und verabschiedet sich – bis zur nächsten Blutspende.

Blutspende mit Hund

Der ideale Blutspendehund ist gesund, mindestens 20 Kilogramm schwer, beim ersten Mal nicht älter als sieben Jahre, hat keine Angst vor dem Tierarzt und verhält sich kooperativ, sprich, kann während der rund 10- bis 15-minütigen Blutentnahme stillhalten. Im Normalfall werden die Hunde zweimal jährlich zur Blutspende aufgeboten. 

Kontakt Kleintierklinik Bern: alice.nentwig@­vetsuisse.unibe.ch 

Kontakt Kleintierklinik Zürich: aschwarz@vetclinics.uzh.ch


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