Aktuell
› Zurück

Publikumsliebling

Venus – die Katzen-Chimäre

Haustiere | Donnerstag, 26. Februar 2015 09:00, Niklaus Salzmann

Eine Katze mit einem zweifarbigen Gesicht erobert die Herzen von Menschen auf der ganzen Welt – und lässt Wissenschaftler werweissen.

Eine ganz normale Katze – nur die Färbung ist aussergewöhnlich. Das Video wurde bisher 2,8 Millionen Mal angeschaut.

Grumpy Cat war gestern – hier kommt Venus, die zweigesichtige Katze. In einer Umfrage auf catchannel.com liegt sie zwar noch hinter der blinden Katze Oskar, aber deutlich vor Internetstars wie Lil Bub und eben Grumpy Cat. Zu verdanken hat Venus den Erfolg ihrem Aussehen: Die rechte Gesichtshälfte ist rabenschwarz, die linke rötlich. Und die Grenze verläuft wirklich mitten durchs Gesicht, sogar die Nase ist zweifarbig. Hinzu kommen die Augen: In der schwarzen Hälfte ein grünes, das andere kräftig blau (siehe Foto unten).

Venus lebt in Florida – und eben im Internet, auf Youtube, Facebook, Instagram, Twitter. Sogar in Fernsehshows ist sie schon aufgetreten. Sie verkörpert quasi den amerikanischen Traum, lebte ihre Mutter doch verwildert auf einer Milchfarm im US-Bundesstaat North Carolina. Die aktuellen Besitzer hatten die Katze auf Fotos auf der Facebook-Seite eines Freundes entdeckt. Die beiden besassen damals bereits eine schwarze und eine orange Katze, und Venus sah aus wie eine Mischung dieser beiden. Inzwischen ist Venus fünfeinhalb Jahre alt und längst Millionärin, zumindest was die Klicks auf Youtube anbelangt.

Ist Venus eine Chimäre?
Ihr Aussehen ist derart ungewöhnlich, dass zu Beginn viele Menschen dachten, das Fell der Katze sei eingefärbt oder die Bilder per Photoshop bearbeitet worden. Doch Venus ist 100 Prozent echt, daran ist nach ungezählten öffentlichen Auftritten nicht mehr zu zweifeln. Welche Gene der Färbung zu Grunde liegen, ist hingegen eine offene Frage.

Oft wird Venus als Chimäre bezeichnet, nach dem Mischwesen-Ungeheuer der griechischen Mythologie. Ein Ungeheuer ist die Katze gewiss nicht, doch möglicherweise ist sie tatsächlich eine Chimäre im Sinne der Genetik. Es kann vorkommen, dass während der Trächtigkeit einer Katze zwei Embryos miteinander verschmelzen und dadurch ein Lebewesen entsteht, dessen DNA im einen Teil des Körpers nicht mit derjenigen im anderen Teil übereinstimmt.

Das muss allerdings auf Venus nicht unbedingt zutreffen. Denn jede weibliche Katze hat in jeder Zelle zwei verschiedene Gene für Fellfärbung, eines vom Vater und eines von der Mutter. Möglicherweise konnte sich rein zufällig in der einen Gesichtshälfte das Gen für schwarz, in der anderen dasjenige für orange durchsetzen.

Bleibt die Frage nach dem blauen Auge. Denn ein solches passt weder zu einer schwarzen noch zu einer orangen Katze, sondern tritt meist nur bei sehr hellen Tieren auf. Es könnte auf dasselbe Gen zurückzuführen sein, welches den weissen Fleck auf Venus Brust verantwortet.

Fundraising im Namen der Katze
Ob Venus tatsächlich eine genetische Chimäre ist, könnte geklärt werden, indem die DNA der einen mit derjenigen der anderen Gesichtshälfte verglichen würde. Doch die ungeklärte Frage trägt zum Mythos der Katze bei – und damit zur öffentlichen Aufmerksamkeit. Davon sollen wiederum auch Katzen profitieren. In einer Internet-Sammelaktion im Namen von Venus, die Mitte Februar endete, kamen kürzlich immerhin 1320 Dollar zusammen, mit denen die Kastrierung verwilderter Katzen finanziert werden soll.

Venus
Dieses Bild entstand nicht in Photoshop – Venus ist echt.
Bild: zVg
› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen