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Hunde

Die tödliche Gefahr lauert am Spazierweg

3 Kommentare Haustiere | Donnerstag, 20. November 2014 07:00, Daniela Poschmann

Für viele Menschen ist der Hund nicht nur ein Haustier, sondern ein Freund und Familienmitglied. Entsprechend schlimm ist es für sie, wenn der Vierbeiner einen Giftköder frisst und daran stirbt. Auf Internetplattformen wird vor solchen Hundefallen gewarnt.

Es war ein Tag wie so viele andere zuvor. Maria Bühlers Hunde Anco und Whisky durften auf ihren geliebten Spaziergang. Bühlers Vater, selber Halter eines Hundes, holte die beiden Vierbeiner ab und ging mit ihnen in der Nähe von Winterthur der Eulach entlang. Die Hunde genossen die Frische der Natur und das Plätschern des Wassers. Damit sie sich so richtig austoben konnten, durften sie auf einer Weide von der Leine. 

Wieder zu Hause wirkte Anco müde, lag nur noch faul herum. Bühler dachte sich zuerst nichts dabei, doch nur wenige Minuten später erschrak sie. Der dreijährige Galgo-Mastino-Mischling fing an zu zittern und zu speicheln, seine Beine hatten Mühe ihn zu tragen. Als noch starker Durchfall dazukam, brachte Bühler den Hund in die Tierklinik. 

Dort angekommen hatte Anco bereits Krämpfe und über 40 Grad Fieber. Die Tierärzte gaben ihm eine Infusion und krampflösende Mittel. Ancos Puls normalisierte sich zwar, trotzdem war klar, dass er noch nicht über den Berg war. Die Tierärzte entschieden, dass es das Sinnvollste sei, Anco nach Hause zu bringen, damit er sich in gewohnter Umgebung ausruhen könne. Daheim verzog sich der Hund in seine Ecke und schlief ein. Doch er wachte nie wieder auf. Für Maria Bühler und ihre Familie brach eine Welt zusammen.

Laut den behandelnden Tierärzten hatte Anco Gift gefressen, vermutlich Schneckenkorn. Bühler vermutet, dass das Gift von einem Hundehasser absichtlich gelegt wurde – zumal entlang der Eulach schon früher vor sogenannten Giftködern gewarnt wurde. Die Winterthurerin meldete den Vorfall deshalb der Polizei – allerdings mit wenig Erfolg. «Die Polizei konnte nicht viel machen, da wir keinen Köder gesehen haben. Sie boten mir an, eine Anzeige gegen Unbekannt zu machen, was nichts gebracht hätte, und notierten den Vorfall», sagt die Hundehalterin. 

Köder liegen meist nah am Weg
Giftköder für Hunde – immer wieder sorgt dieses Thema für Schlagzeilen. Nicht nur in Winterthur, sondern in der ganzen Schweiz. Manchmal handelt es sich um Fleischstücke, in denen Tabletten oder Rasierklingen stecken. Die am häufigsten verwendeten Substanzen in solchen Ködern sind aber Schneckenkörner oder Rattengift. Beides erkenne man an der oft bläulichen Färbung des Erbrochenen oder des Kotes, sagt Julika Fitzi-Rathgen von der Fachstelle Hunde des Schweizer Tierschutzes STS. Daher ist es wichtig, mögliche sich in Erbrochenem oder Kot befindende Giftreste mit zum Tierarzt zu nehmen. Nur wenn man weiss, um welchen Stoff es sich handelt, kann das Tier effizient behandelt werden. Da dies jedoch selten der Fall ist, komme oft jede Hilfe zu spät, sagt Fitzi-Rathgen. Wer sich der Symptome nicht sicher ist, kann beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (STIZ) unter der 24-Stunden-Notfallnummer 145 anrufen.

Laut Fitzi-Rathgen sind vor allem Spazierwege nahe Hundeübungsplätzen und Kleingartensiedlungen riskant, denn die Täter wüssten genau, wo sie die meisten Opfer fänden. Und der gut gemeinte Rat vieler sogenannter Experten, die Hunde konsequent an der Leine zu führen, helfe nicht viel. «Anleinen bringt nichts, da die Köder meist in wegnahem Gebüsch liegen.»

Die Tierschützerin hat sich ausgiebig mit dem Thema befasst und auch versucht die Tätergruppen zu analysieren. «Leute, die Reissnägel oder Scherben auslegen, sind oft psychisch Gestörte, die zuschauen, wie das Tier leidet und verblutet. Sie planen alles ebenso akribisch, wie sie es beobachten.» Und dennoch kommen sie meistens ungestraft davon, weil man sie schlicht nicht ausfindig machen kann. 

Wie kann man seinen vierbeinigen Liebling am besten vor Giftködern schützen? Einige Tierschutzvereine setzen auf Prävention und belohnen sachdienliche Hinweise mit Geld. Viele Hundehalter haben sich mittlerweile online zusammengetan und tauschen neueste Giftköder-Fundorte aus. Plattformen, die sich ausschliesslich diesem Thema widmen, sind etwa die Facebook-Gruppe «Gift-Köder-Alarm Schweiz» und die Internetseite Giftköder­Radar. Den Service gibt es mittlerweile auch als GPS-Warnung. Hat man die App auf seinem Smartphone installiert, warnt sie beim Spazierengehen, sobald man sich einem Fundort nähert. Für den Notfall hält die Giftköder-Radar-App darüber hinaus eine Liste mit nahe liegenden Tierarztpraxen bereit und schickt die Adressen direkt ans Navigationssystem im Auto. 

Beide Portale weisen darauf hin, dass alle gemeldeten Fälle verifiziert würden. Daher seien genaue Quellenangaben wie Fundort, behandelnder Arzt und zuständige Polizeidienststelle enorm wichtig. Damit reagieren die Macher auf die Kritik an ihrer Arbeit, da in den Medien bereits mehrmals von Falschmeldungen und Panikmache die Rede war.

Sofort zum nächsten Tierarzt gehen
Laut Fitzi-Rathgen sind solche Plattformen ein Schritt in die richtige Richtung. Ihrer Erfahrung nach bestehe seitens der Behörden nämlich teils zu wenig Interesse, die Vorfälle aufzuklären, sodass sie oft als Unfälle abgetan würden. Hinzu kommt, dass die Veterinärämter nicht miteinander vernetzt sind. Das belegen mehrere Online-Kommentare. Trotzdem rät Fitzi-Rathgen, jeden Vorfall zu melden. Sowohl an alle im Quartier praktizierenden Tierärzte als auch an die Polizei und das Veterinäramt. 

Der Gang zum Tierarzt sollte aber an erster Stelle stehen. Vor Versuchen, den Hund nach der Aufnahme des vermeintlichen Giftes mit Sauerkraut oder Wasserstoffperoxid zum Erbrechen zu bringen, warnt Fitzi-Rathgen: «Das ist nur sinnvoll, wenn man weiss, was gegessen wurde, und es zeitnah geschieht.» Zeitnah bedeutet innerhalb einer halben Stunde. Später ausgelöstes Erbrechen wäre häufig kontraproduktiv, da der Kreislauf des Hundes dadurch sehr belastet würde. 

Maria Bühler tut sich schwer, den Verlust von Anco zu überwinden: «Ein Tier wegen Alter, Krankheit oder Unfall zu verlieren, gehört zum Leben, aber durch eine Vergiftung? Mein kleiner Sohn brach zusammen, als er das realisierte. Und auch ich bin immer noch nicht drüber hinweg. Was bleibt, ist ein grosses Warum.» Bühler hat die Giftköder-Radar-App installiert, damit ihrem anderen Hund nicht das gleiche Schicksal blüht. Dennoch sagt sie: «Die Angst wird uns immer ein Stück begleiten.»

www.giftkoeder-radar.com

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Kommentare (3)

Jannis Jost am 20.04.2016 um 23:01 Uhr
Es ist einfach nicht schön so was!!!!!!!!!!!!????????????????ich habe selber ein Hund und ich bin erst 14Jahre alt und wohne in Brüttisellen und gehe immer mit dem Hund spazieren

Schöb Karin am 23.11.2014 um 16:44 Uhr
Es tut mir sehr Leid.Ich wünsche Familie Bühler viel Kraft.Ich verstehe es einfach nicht ,was Menschen denken und fühlen die solche grausamkeiten
machen können.
Ich hoffe ,dass man solche Leute ausfindig macht und bestrafen kann.
Es betrifft uns alle Hunde/Tierhalter egal wo wir wohnen.Finde es gut das Tierwelt darüber berichtet .Wünsche mir dass das Gewissen solcher Menschen sich bemerkbar macht.Wir haben auch verschiedene Tiere.

Beanca raymann am 22.11.2014 um 02:20 Uhr
Es ist doch einfach nur traurig das Menschen so scheiße sind.Die wissen doch gar nicht was sie uns damit antun. Die Hunde sind ein Teil unserer Familie manchmal auch ein Kinder oder Partner Ersatz.Die ganze Familie trauert über den Verlust.Der Hund leidet ohne ende und wir als Familie erst recht weil wir ihm nicht helfen können. Ich bin einfach nur sehr traurig und könnte einfach nur weinen wenn ich so etwas lese. LG Bea ein Tierfreund der selber 2 Hunde hat

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