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Winterzeit

Wenn Katzen Schnupfen haben

Katzen | Montag, 4. Dezember 2017, Tanja Warter, Tierärztin

Die Erkältungs- und Grippezeit ist da. Auch Katzen niesen und schniefen nun häufiger. Viele Besitzer fragen sich: Kann ich mich da anstecken? 

Wenn die Aussentemperaturen plötzlich sinken, startet die Hochsaison für Erkältungen. Bei Menschen beginnt eine Verkühlung meist mit einem Kratzen im Hals, dann breitet sich die Erkrankung nach und nach aus und nimmt einen unterschiedlich schweren Verlauf. Auch Stubentiger niesen jetzt mitunter häufiger. Dabei fliegen Bakterien und Viren durch die Luft. Weil Niesattacken auch vorkommen können, wenn die Katze sich gerade ins Bett kuschelt, in der frischen Wäsche schlummert oder ihre Streicheleinheiten geniesst, stellt sich eine wichtige Frage: Ist das riskant für den Menschen?

Tatsächlich gibt es Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Diese werden in Fachkreisen «Zoonosen» genannt. Die Auslöser können Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten sein. An einer Krankheit wie dem Katzenschnupfen sind viele Erreger beteiligt, weshalb man vom Katzenschnupfen-Komplex spricht. Die meisten sind für den Menschen ungefährlich. Auslöser ist in 90 Prozent der Fälle ein Herpesvirus, mit dem sich die Katzen durch den Kontakt zu anderen Katzen oder durch Berührung von Gegenständen, die mit Viren behaftet sind, anstecken.

Den ersten Winter überstehen
Katzenschnupfen kann das ganze Jahr über auftreten. Die Krankheit kann akut sein oder einen chronischen Verlauf nehmen. Im letzten Fall haben manche Katzen oft geringe Anzeichen des Schnupfens, bei anderen tauchen Krankheitssymptome in unterschiedlichen Abständen immer wieder auf.

Die Prognose bei akutem Katzenschnupfen ist gut. Katzen mit chronischem Verlauf haben bei entsprechender Pflege ebenfalls eine gute Lebensqualität. Aber Katzenschnupfen ist keineswegs harmlos, das Wort «Schnupfen» täuscht diesbezüglich. Vor allem junge Kätzchen, denen jetzt der erste Winter bevorsteht, kommen nicht so glimpflich davon, wenn sie nicht rechtzeitig geimpft werden. Das liegt vor allem an den teils schweren Entzündungen der Atemwege und der Augen. Meist beginnt alles ganz unauffällig mit Niesen und stärkerem Speichelfluss. Nach kurzer Zeit fressen die betroffenen Tiere weniger, und sie bekommen Fieber. Dann entwickelt sich ausgeprägter Nasen- und Augenausfluss, zum Teil verbunden mit schwerem Husten und Atemschwierigkeiten. Wird das Tier nicht zum Tierarzt gebracht, greift die Entzündung von den Bindehäuten im Auge auf die Hornhaut über. Dann nisten sich Bakterien ein. Die Augen verkleben immer stärker und die Katze kann blind werden. 

Häufiger die Hände waschen
Bakterien und andere Viren, die das bereits erkrankte Tier zusätzlich befallen, verkomplizieren die Lage. Das Calicivirus beispielsweise greift die Maulhöhle an. Die Schleimhaut schuppt sich grossflächig von der Zunge, den Lippen und dem Gaumen ab. Tiefe Wunden entstehen, die beim Anschauen schon ahnen lassen, wie schmerzhaft sie sein müssen. Dass ein infiziertes Tier nun gar nichts mehr fressen mag, ist die logische Konsequenz (siehe «Tierwelt» Nr. 16/2017).

Ob ein erkranktes Kätzchen je wieder normal sehen kann, je wieder ganz gesund wird, hängt vom Immunsystem ab. Und davon, ob es medizinisch versorgt wird. Ein bereits krankes Tier wird von immer neuen Erregern angegriffen. Beim Katzenschnupfen sind das drei Bakterienarten namens Chlamydien, Bordetellen und Mykoplasmen. Bei schwerem Verlauf müssen die Katzen unbedingt in der Tierklinik behandelt werden. Sie brauchen künstliche Ernährung und ständige Kontrolle. 

Bordetellen und Chlamydien können auch bei Menschen eine Entzündung der Atemwege hervorrufen. Eine Übertragung passiert meist nur dann, wenn der Mensch bereits ein geschwächtes Immunsystem hat. Sicherheitshalber empfiehlt es sich, häufiger die Hände zu waschen und Gesichtskontakt mit der kranken Katze zu vermeiden. Der beste Schutz von Mensch und Tier: Die Katze gegen Katzenschnupfen impfen lassen. 

Eine gewöhnliche Erkältung der Katze verläuft anders: Nasenausfluss ist das wichtigste Symptom dafür. Die Konsistenz gibt erste Aufschlüsse über die Schwere der Infektion. Ist das Sekret durchsichtig und wässrig, handelt es sich meist um eine schwache Erkältung. Ist der Nasenausfluss aber weiss oder gelblich bis grünlich gefärbt, sollte das für jeden Katzenbesitzer eine Warnung sein: Besser zum Tierarzt gehen. 

Ein zweites Indiz für eine Verkühlung kann Niesen sein. Dabei wird explosionsartig Luft aus der Lunge aus Nase und Mund geschleudert. Niesen ist ein Schutzreflex zur Entfernung reizender Substanzen aus der Nasenhöhle. Bei Katzen kommt es zu regelrechten Niesattacken, wenn sich ein Fremdkörper in der Nase befindet oder wenn sie sich eine Infektion eingefangen haben. Auch Rückwärtsniesen, ein anfallsartiges Einatmen, bei dem Geräusche im Rachen erzeugt werden, ist ein Hinweis für eine Erkältung. 

Meist keine Gefahr für den Menschen
Ein weiteres Erkältungssymptom sind röchelnde, schnarchende Geräusche während der Atmung. Sie treten dann auf, wenn die Atemwege nicht durchgängig sind. Tritt eines dieser Symptome bei der Katze auf, ist es wichtig, die Sache im Auge zu behalten. Fieber zu messen empfiehlt sich. So geht es: Ein handelsübliches digitales Fieberthermometer verwenden, die Spitze in Vaseline oder Nivea-Creme tauchen und vorsichtig etwa zwei Zentimeter weit in den After des Tieres stecken. Jetzt warten, bis das Thermometer piepst und Temperatur ablesen. Der Normalwert einer Katze: 38 bis 39 Grad. 

Eine Katze, die Erkältungssymptome zeigt, ist im Allgemeinen keine Gefahr für den Menschen. Viel häufiger gibt es Zoonosen, die beispielsweise durch Bisse oder Kratzer übertragen werden. Auch für eine Katze ist es nicht bedrohlich, mit einem erkälteten Menschen zu schmusen. Der gegenseitige positive Einfluss aufeinander ist wahrscheinlich viel grös­ser als das Risiko einer Ansteckung. 

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