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Nachwuchs

Neues Leben im Katzenkörbchen

Katzen | Mittwoch, 7. Juni 2017, Gabriele Müller

Katzen gelten als vorbildliche Mütter, die auch die Geburt ihrer Welpen souverän bewältigen. Das stimmt – zumindest meistens.

Frühling ist die Zeit der Katzengeburten – auch wenn die Samtpfoten rund um das Jahr Nachwuchs auf die Welt bringen können. Züchter wissen, wann sie mit der Geburt zu rechnen haben. 61 bis 70 Tage dauert die Trächtigkeit und rund drei Wochen nach der Befruchtung verändern sich deutlich sichtbar die Zitzen. Sie werden praller und nehmen eine rosa Farbe an, zudem senkt sich der Bauch. Man kann auch den Tierarzt nach dem ungefähren Geburtstermin fragen.

Wer seiner Kätzin helfen möchte, der bereitet vor der Geburt eine mindestens 50 mal 80 Zentimeter grosse Wurfkiste vor. Komfortabel wird es, wenn diese an einer Seite offen ist und damit einen Ein- und Ausgang bietet. Natürlich soll die werdende Mutter weich liegen, dafür empfehlen sich mehrere Lagen Tücher, am besten aus Baumwolle. Instinktiv suchen sich die Kätzinnen einen geschützten Platz für die Geburt, daher sollte die Wurfkiste an einem warmen und ruhigen Ort stehen. Nicht immer wird das Angebot tatsächlich genutzt: So manche Kätzin entscheidet sich für eher ungewöhnliche Orte, wie etwa Badezimmerschränke, um ihre Jungen zu gebären. Wenn sie die Wurfkiste meidet, dann sollte der Mensch das auch akzeptieren.

Manche Rassen neigen zu Problemen
Vier bis sechs Welpen bringt eine Kätzin bei jedem Wurf auf die Welt. «Die Geburt klappt oft völlig reibungslos, denn die Instinkte sagen einer Katzenmutter, was sie zu tun hat», sagt Tierarzt Mathias Grötsch von der Tierarztpraxis Waldegg in Interlaken BE. Kurz vor der Geburt wird das Tier unruhig. Die Milchdrüsen sind geschwollen und es kommt Schleim aus der Scheide. Irgendwann legt sich die werdende Mutter nieder und die Wehen beginnen. Sind die Jungen auf der Welt, reisst die Kätzin die Fruchthülle auf, leckt die Kleinen sauber und frisst die Nachgeburt.

Aber nicht immer geht alles glatt. Der erfahrene Veterinär stellt vor allem bei den kurznasigen Rassen mit breiter Schädelform wie den Perserkatzen oder den Britisch Kurzhaar Probleme beim Geburtsvorgang fest. Der kann dadurch länger dauern als gewöhnlich und das Muttertier mehr belasten. «Wir empfehlen bei solchen Rassen, mit dem Tierarzt gegen Ende der Trächtigkeit über ein Röntgenbild zu sprechen, auf dem man die Zahl und die Lage der Welpen gut erkennen kann», sagt Grötsch.

Bei Katzen kann es sein, dass der erste Welpe länger braucht, um auf die Welt zu kommen, denn er weitet den Geburtskanal und bereitet den Weg für die Geschwister vor. Generell aber sollte spätestens rund anderthalb Stunden nach jedem Pressintervall ein Kätzchen da sein. Deshalb kann sich der gesamte Vorgang auch bis zu zwölf Stunden hinziehen. Presst die Mutter, aber ein Welpe steckt fest, dann können erfahrene Katzenbesitzer mit der Wehentätigkeit vorsichtig helfen, indem sie ganz sanft ziehen – in der Regel am Kopf, der zuerst austritt.

Geht die Geburt überhaupt nicht voran, stellt die Katze das Pressen ein, ohne dass ein Welpe geboren wurde, verliert die Mutter viel Blut oder eine grüne, unangenehm riechende Flüssigkeit, ist in jedem Fall der Tierarzt gefragt. «Auch bei Katzen ist in bestimmten Situationen der Kaiserschnitt das Mittel der Wahl, um auf anhaltende Probleme zu reagieren», sagt Grötsch. Auch wenn die Nachgeburt nicht ausgetrieben wird oder die Mutter erkennbar sehr schwach ist, führt am Tierarzt kein Weg vorbei. Und last, but not least: Dauert eine Trächtigkeit länger als 70 Tage oder kommen die Welpen zu früh auf die Welt, also vor dem 59. Tag, muss der Veterinär konsultiert werden.

Saugreflex setzt früh ein
Sind die Kätzchen geboren, gilt es kurz abzuwarten, was die Mutterkatze tut und ihr nicht gleich aus Angst das Junge wegzunehmen. Erst wenn erkennbar ist, dass sich die Mutter nicht um die Welpen kümmern will, kann der Mensch eingreifen und die Jungen mit einem sauberen Tuch trocken reiben.

Sind die Jungen gesund und munter, setzt bei den Kleinen der Saugreflex ein. Noch mit geschlossenen Augen suchen sie die mütterlichen Zitzen und treteln dort instinktiv, um den Milchfluss zu stimulieren. Diese erste, die sogenannte Kolostralmilch, ist besonders gehaltvoll und reich an Fetten, Vitaminen, Eiweissen und Mineralien. Das sichert den Neugeborenen einen guten Start ins Leben. Zusätzlich nehmen die Minitiger auch mütterliche Antikörper auf, die vor Virusinfektionen schützen.

Trotz ihres Rufes, vorbildliche Mütter zu sein, gibt es immer wieder auch Kätzinnen, die sich nicht oder nicht gut um ihren Nachwuchs kümmern. «Dabei spielt die Rasse nach meiner Erfahrung weniger eine Rolle», sagt Tierarzt Grötsch. «Solches Verhalten kommt auch bei streunenden Katzen vor.» Was die Ursache ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise spielen die Lebensbedingungen eine Rolle oder auch der Gesundheitszustand von Mutter oder Kindern.

Rasante Fortschritte bei den Welpen
Auch wenn alles glatt gelaufen ist, ist eine Geburt für die Mutter ein Kraftakt. Sie sollte mit hochwertigem Futter versorgt werden und genügend trinken. Die Welpen machen in den ersten Lebenstagen rasante Fortschritte. Beim täglichen Wiegen ergibt sich im Durchschnitt eine Gewichtszunahme von 10 bis 20 Gramm. Nach einer Woche haben die meisten ihr Geburtsgewicht bereits verdoppelt. Und nach frühestens einer bis zwei Wochen öffnen sie auch die Augen und sehen ihre Welt.

Immer wieder ist zu hören, Katzen sollten einmal im Leben Junge gehabt haben. «Aus medizinischer Sicht besteht kein Grund, warum eine Kätzin Junge bekommen sollte», sagt Grötsch dazu. «Wenn jemand nicht züchten oder verhindern möchte, dass seine Katze Nachwuchs bekommt, dann raten wir zur Kastration.» Denn ständig wiederkehrende Rolligkeiten oder sogar Dauerrolligkeit bedeuten erheblichen Stress für das Tier. Und eine medikamentöse Behandlung mit Hormonen, um die Rolligkeit zu unterdrücken, erhöht bei längerer Gabe das Risiko möglicher Nebenwirkungen.

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