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Katzen

Unerwünschte Wecker

Katzen, Haustiere | Montag, 29. Mai 2017, Angelika Nido Wälty

Es ist vier Uhr morgens und die Katze knetet einem mit ihren Pfoten den Bauch, kratzt an der Türe oder miaut: an ein Weiterschlafen ist nicht zu denken. Wer einen pelzigen Wecker beherbergt, braucht viel Geduld, um dessen Verhalten zu ändern. 

Ausschlafen am Wochenende? Für viele Katzenbesitzer ist das ein Wunschtraum. Manche schlafen wegen der vierbeinigen Störenfriede nicht einmal unter der Woche ausreichend. Durch das ständige Wecken wird die Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner auf eine harte Probe gestellt. Denn hat die Katze erst einmal gemerkt, dass ihre Aufweckversuche von Erfolg gekrönt sind, dann wird sie ihr Ziel so lange verfolgen, bis sie bekommt, was sie will: die Aufmerksamkeit ihres Halters. Katzen verfügen über viel Geduld und Beharrlichkeit. Geben die Besitzer nur einmal nach und füttern die Katze oder lassen sie raus, dann haben sie bereits verloren. Denn die Katze wertet jede Reak­tion ihres Menschen, selbst wenn er mit ihr schimpft, als Bestätigung ihres Verhaltens und wird mit ihren nächtlichen Eskapaden fortfahren. 

Immer wieder suchen daher verzweifelte Katzenhalter professionelle Hilfe. «Ich treffe diese Fälle in der Praxis recht häufig an», sagt die Verhaltenstherapeutin Claudia Helbling aus Wila im Zürcher Oberland. Bevor sie mit den vierbeinigen Kunden eine tierpsychologische Therapie beginnt, schickt sie diese zum Tierarzt, denn das auffällige Verhalten mitten in der Nacht kann auch medizinische Gründe haben.

So miauen ältere Katzen, die nicht mehr gut hören, häufig lautstark in der Nacht. Oft erschrecken sie sich, wenn sie in der Dunkelheit aufwachen, sind desorientiert und beruhigen sich mit dem Miauen selber. Laut Helbling kann es in diesen Fällen schon helfen, am bevorzugten Schlafplatz der Katze ein Nachtlicht brennen zu lassen.

Eine Zusammenstellung von Katzen und Morgenmuffeln:

Eine gründliche medizinische Abklärung ist nötig, wenn das Tier in der Nacht miaut oder sich auffällig verhält, weil es Schmerzen hat. Rückenweh oder andere Schmerzen am Bewegungsapparat spürt die Katze beim Aufstehen besonders stark. Aber auch Kopfschmerzen, Juckreiz oder Allergien verursachen Unwohlsein und Stress.

Können medizinische Gründe ausgeschlossen werden, muss die Suche nach der Ursache ausgeweitet werden. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass Nachtaktivität zum Wesen der Katze gehört. «Wenn die Nacht langsam in den Tag übergeht, erwacht die Katze und mit ihr der Jagdtrieb», sagt Helbling. Kann sie zu diesem Zeitpunkt ins Freie, wird sie kaum zum Wecker ihrer Zweibeiner, denn nun hat sie viel zu tun: Sie muss sich nach der Nachtruhe bei ihren Artgenossen aus der Umgebung zurückmelden, ihr Revier abchecken und sich auf die Suche nach Beute machen. 

Wohnungskatzen hingegen haben nicht die Möglichkeit, dieses natürliche Verhalten auszuleben. Sie leben ihren Jagdtrieb an herumliegendem Spielzeug aus oder – wenn das zu langweilig wird – attackieren die Finger oder Zehen ihrer Besitzer, die unter der Bettdecke hervorschauen. Da Katzen nach einem ausgiebigen Schläfchen fressen wollen, kann sie auch der Appetit dazu treiben, ihre Menschen zu wecken. 

Sind also Langeweile oder Hunger der Grund für die verkürzte Nachtruhe, kann man relativ einfach Abhilfe schaffen. Wohnungskatzen sollte man das Leben so spannend wie möglich gestalten, mit Katzenbäumen zum Klettern, leeren Schachteln zum Verstecken und Spielzeug. Wird tagsüber ausgiebig mit der Katze gespielt, vor allem vor dem Schlafengehen, kann sie ihre überschüssige Energie loswerden, wird müde – und bleibt so am Morgen eher noch etwas länger liegen. 

Im Gegensatz zu Hunden, die bei ihren Mahlzeiten grosse Portionen verschlingen, frisst die Katze über den ganzen Tag verteilt kleine Häppchen. Fehlen ihr diese in der Nacht, hat sie vielleicht schlicht und einfach Hunger, zum Beispiel weil sie mit Übergewicht kämpft und deshalb kein Trockenfutter «à discrétion» zur Verfügung hat. Abhilfe schaffen kann da ein Futterautomat, der auf die Zeit programmiert wird, in der die Katze normalerweise ihren Morgenterror beginnt.

Ist die Katze rollig?
Lautes Miauen und Schreien sowie vermehrtes Verlangen nach Aufmerksamkeit kann noch einen weiteren Grund haben: Die Katze ist rollig. Kann sie ihren Sexualtrieb nicht befriedigen, sprich, sich paaren, erlebt sie diese Zeit womöglich als sehr frustrierend – und ihr Besitzer ebenfalls. Unter Umständen kann der Tierarzt dem Vierbeiner ein Medikament zur Minderung der Symptome verabreichen. Nach einer Sterilisation werden Katzen zwar nicht mehr rollig, die unangenehmen Begleiterscheinungen verschwinden jedoch nicht ganz. Viel machen kann man dagegen nicht – ausser sich ein Paar Ohrstöpsel zuzulegen. 

Nicht viel hält Tierpsychologin Helbling vom Ruhigstellen vierbeiniger Wecker mit Medikamenten oder dem Verabreichen von Psychopharmaka: «Es liegt in solchen Fällen ja keine Verhaltensstörung der Katze vor, sie zeigt lediglich ein Verhalten, das den Besitzer stört.» Auch die verschiedenen Produkte zur Beruhigung von Katzen, die im Fachhandel sowie beim Tierarzt erhältlich sind, lösen das Problem nicht, können jedoch unterstützend wirken.

Ist die Katze gesund, nicht mehr rollig und hat man sämtliche Begleitmassnahmen ausprobiert, wird aber immer noch jeden Morgen um den wohlverdienten Schlaf gebracht, hilft nur noch eines: das komplette Ignorieren der Katze. Das ist leichter gesagt als getan, denn es erfordert gute Nerven. Wer über längere Zeit unerschütterlich bleibt und erst aufsteht, wenn er das tatsächlich möchte, der wird belohnt: Der vierbeinige Wecker «programmiert» sich allmählich um und gewöhnt sich an den morgendlichen Rhythmus seiner Besitzer. 

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