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Katzengesundheit

Leukämie muss nicht gleich zum Tod führen

Katzen | Freitag, 10. März 2017, Claudia Fornara und Andrea Trueb

Katzenleukämie stellt Tierheime, aber auch Privatpersonen vor besondere Herausforderungen. Bei jeder positiv getesteten oder schon erkrankten Katze muss über Leben und Tod entschieden werden.

Die Feline Leukämievirusinfektion (FeLV) ist eine der gefürchtetsten Katzenkrankheiten – denn sie endet meist tödlich und es gibt keine Therapie, die zu einer Heilung führt. Die Übertragung des Leukämievirus erfolgt durch direkten Kontakt von Katze zu Katze über den Speichel, etwa durch gegenseitiges Belecken oder Beissen. Auch der Kot kann Virusmaterial enthalten. Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, kann die Behandlung nur symptomatisch erfolgen und versuchen, die Leiden des Tieres zu lindern. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Bei der Katze verursacht das Virus in erster Linie Tumore in verschiedenen Organen sowie in einer anderen Verlaufsform Veränderungen des Blutbildes (Leukämie). Die Inkubationszeit ist sehr unterschiedlich und die Krankheitserscheinungen treten oft erst Monate bis Jahre nach Ansteckung auf. Sie äussern sich zum Teil nur in Schwäche, leichten Fieberschüben, Zahnfleischentzündungen, chronischen Durchfällen, geschwollenen Lymphknoten, vermehrtem Durst sowie als Anämie (Blutarmut). Die Infektion ist auch von der Mutterkatze auf das ungeborene oder neugeborene Kätzchen möglich.

Freigänger sind besonders gefährdet
Gerade weil eine Heilung nicht möglich ist, empfiehlt es sich, Katzen zu impfen. «Insbesondere Freigänger-Katzen sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt», sagt Esther Geisser, Geschäftsführerin von Network for Animal Protection (NetAP). Man dürfe nicht vergessen, dass man die Schweiz dank einer umfassenden Impfkampagne tollwutfrei bekommen habe. «Es wäre schön, wenn wir durch konsequentes Impfen auch Krankheiten wie die Panleukopie (Katzenseuche) und die Katzenleukose eliminieren könnten.» Sie wisse zudem von verschiedenen Katzenhaltern, die ihre FeLV-positiven Katzen als Freigänger halten würden: «Ich empfehle den Menschen wirklich dringend, ihre Katzen zu impfen.»

Eine Impfung führt zur Bildung einer körpereigenen Abwehr gegen das Virus. Sie ist aber nur sinnvoll und durchführbar, wenn die Katzen nicht bereits erkrankt sind. Für die Grundimmunisierung sind zwei Impfungen nötig. Danach wird die Impfung jährlich wiederholt. Bei Wohnungskatzen kann auf den Schutz verzichtet werden – sofern sie nicht mit FeLV-positiven Tieren zusammenleben. FeLV-positiv bedeutet, dass die Katze das Virus in sich trägt, ohne selbst Anzeichen einer Erkrankung zu zeigen. Tatsächlich können FeLV-positive Katzen noch viele gute Jahre erleben – obwohl die Krankheit früher oder später zum Tod führt.

Einschläfern erst bei Ausbruch nötig
Wichtige Massnahmen im Kampf gegen FeLV sind – neben dem Impfen – Kastrationsaktionen, wie sie Tierschutzorganisationen regelmässig durchführen. Laut Geisser ist die sexuelle Aktivität von Katzen die grösste Gefahrenquelle für Leukose: «Mit einer Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen könnte die grösste Ansteckungsgefahr eliminiert werden.» Beim Akt beisse sich der Kater im Nacken der Kätzin fest. Hinzu kämen Fauchen und Beissen bei Rivalenkämpfen, bei denen auch Spucke übertragen werde.

NetAP führt regelmässig Kastrationseinsätze durch. Dabei würden alle Katzen, die Symptome zeigten oder aber neu platziert werden müssen, auf FeLV getestet, sagt Geisser. Fällt das Resultat positiv aus, müsse das aber noch lange kein Todesurteil sein. «Ist die Krankheit ausgebrochen und geht es der Katze schlecht, muss sie euthanasiert werden. Kann sie jedoch trotz Krankheit noch ein lebenswertes Leben führen, arbeiten wir zusammen mit Auffangstationen, Tierheimen oder Privaten, die gerne einer solchen Katze eine Chance geben wollen.» Katzen wegen eines positiven Leukosetests einzuschläfern sei unsinnig, hält Geisser fest: «Man findet immer eine lebensbejahende Lösung, wenn man will.» Leider würden noch immer viele positiv getestete Katzen euthanasiert.

Mina Schreyer ist eine, die Chancen gibt. Die Gründerin und Geschäftsführerin der «Stiftung Tierheim Gals» im Kanton Bern kümmert sich seit 35 Jahren um kranke Tiere – darunter FeLV-positive Katzen. Um ihre Artgenossen nicht anzustecken, leben die Katzen, die das Virus in sich tragen, abgetrennt von den anderen in einem geräumigen Zimmer mit Zugang in ein grosses ausbruchsicheres Gehege. Dieses sei naturbelassen, mit Gebüschen, Häuschen und Versteckgelegenheiten, um sich zurückziehen zu können, betont Schreyer. Es gäbe viel zu wenige solche artgerechte Unterbringungsmöglichkeiten mit grossem Auslauf für FeLV-positive Katzen. Diese seien aber dringend nötig. Denn Katzen, die vor der Diagnose Freigang hatten, könnten nur schwer auf Wohnungshaltung umgewöhnt werden.

Mina Schreyer kennt und liebt ihre Katzen und ist überzeugt, dass sich diese trotz Virus des Lebens freuen. «Erst wenn die Krankheit ausbricht und keine Lebensqualität mehr gegeben ist, werden die Katzen von unserem Heimtierarzt, der uns begleitet, eingeschläfert.»

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