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Parasiten

Was hilft gegen nervige Krabbler?

Katzen | Freitag, 11. November 2016, Gabriele Müller

Wie viel kann und wie viel muss ich gegen Flöhe, Würmer und Zecken bei meiner Katze unternehmen? Das fragen sich viele Tierhalter. Welche schulmedizinischen Mittel helfen? Und was empfehlen Vertreter der Alternativen Medizin?

Fast jede Katze hat im Laufe ihres Lebens mit Flöhen und Würmern zu kämpfen. Das muss nicht daran liegen, dass die Besitzer im Haus oder in der Wohnung zu wenig auf Hygiene achten. Freigänger zum Beispiel, die Kontakt zu anderen Artgenossen oder sogar Wildtieren haben, geraten schnell an Flöhe. Auch Tiere aus grossen Populationen leiden manchmal unter den Plagegeistern, weil Flöhe von einem Tier zum anderen springen. Wer bei seiner Katze vermehrtes Kratzen feststellt oder auf Schlaf- und Liegeplätzen dunkle Pünktchen sieht, der sollte für die Katze einen speziellen Flohkamm benutzen. Danach werden die Haare auf einem feuchten Papier ausgebreitet. Sind dabei bräunliche oder rötliche Verfärbungen sichtbar, hat die Katze Flöhe.

Bis zu 30 Eier legen die winzigen Tierchen am Tag, und die werden von der Katze in der gesamten Wohnung verteilt. Nach ungefähr vier Wochen haben sich die Larven entwickelt, die lange in diesem Stadium verbleiben können. In allen Textilien wie Betten, Polstern, Decken und Teppichen können sich Flöhe in verschiedenen Lebendstadien befinden. Um die unliebsamen Blutsauger loszuwerden hilft nur ein wirklich konsequentes Vorgehen. Bekämpft werden müssen sie sowohl am Tier selbst als auch in der Umgebung. Dafür gibt es eine reiche Auswahl an Mitteln wie spezielle Halsbänder oder Puder oder Spot-on-Präparate, die der Katze in den Nacken getropft werden. Für die Umgebung kommen spezielle Sprays zu Anwendung. Nicht zuletzt müssen alle Liegeplätze wiederholt gründlich gereinigt werden – bis die Floh-Invasion beseitigt ist.

Kein Hundemittel für Katzen
Laut Tierärztin Marie Müller von der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin ist mit Flöhen nicht zu spassen: «Flohbefall kann zu schlimmer Blutarmut führen und Wurmbefall verursachen.» Bei Freigängerkatzen sei darum eine ganzjährige Flohprophylaxe sinnvoll mit Anwendungen alle drei Monate. «Bei Tieren, die bereits befallen sind oder sogar eine Flohbissallergie entwickelt haben, sollte die Behandlung einmal im Monat stattfinden.»

Bedenken, dass die chemische Keule nicht nur den Flöhen, sondern auch den Katzen selbst schaden könnte, zerstreut die Tierärztin. «Diese Anti-Flohmittel wirken auf das neurologische System der Flöhe. Dadurch werden sie gelähmt und sterben». Nebenwirkungen bei richtiger Dosierung sieht sie selten. «Wenn, dann kann es bei den Katzen zu allergischen Reaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag und Rötungen kommen. Sehr selten treten neurologische Erscheinungen wie Zittern oder Epilepsie oder Erbrechen auf.» Allerdings warnt die Tierärztin dringend davor, Katzen Präparate zu geben, die eigentlich nur für Hunde gedacht sind. «Verschiedene Mittel arbeiten mit Derivaten von Chrysanthemengift, aber die sind für Katzen extrem giftig.»

Auf Symptome achten
Auch Würmer treten bei Katzen häufig auf. Das Problem: Selbst wenn die Parasiten mit blossem Auge nicht zu erkennen sind, kann das Tier befallen sein. Ob Spul-, Rund-, oder Bandwürmer – sie alle schaden der Gesundheit der Katzen. Die häufigsten Symptome sind Erbrechen, Durchfall und Blutarmut, deshalb sollten auch Würmer konsequent bekämpft werden. «Hier gilt, dass Wohnungskatzen grundsätzlich ein- bis zweimal im Jahr entwurmt werden sollten, Freigänger viermal jährlich», empfiehlt Müller.

Ein Problem, mit dem nur Freigängerkatzen zu kämpfen haben, sind Zecken. Während diese Spinnentiere beim Menschen die gefürchtete Lyme-Borreliose oder die Frühsommermeningoenzephalitis übertragen können, sind solche Erkrankungen durch die Blutsauger bei Katzen nicht bekannt. «Dennoch sollten Katzenhalter ihre Tiere sorgfältig absuchen und die Zecken mit Pinzetten oder Zeckenhaken sofort einfach herausziehen, ohne daran zu drehen», rät die Tierärztin. Sollte sich die Stelle entzünden, kann sie mit einem Desinfektionsmittel behandelt werden – und falls es sich verschlechtert, kann auch der Tierarzt eingeschaltet werden.

Mit diesen und anderen Plagegeistern hat auch Claudia Sutter häufig zu tun. Die BTS-zertifizierte Tierheilpraktikerin  aus Geuensee im Kanton Luzern ist spezialisiert auf die Behandlung von Nutz- und Heimtieren und arbeitet unter anderem mit Akupunktur, Chinesischen Heilpilzen, effektiven Mikroorganismen und Phytomedizin (Naturheilpflanzen) bei ihren tierischen Patienten – auch wenn diese unter Parasiten leiden. «Grundsätzlich geht es darum, jedes Tier individuell zu behandeln. Aber immer stärke ich auch das Immunsystem», sagt die Inhaberin der Tierpraxis Serpa Sana. Sie setzt dabei auf naturheilkundliche Therapien, die manche Tierärzte eher kritisch betrachten. «Eine alternativmedizinische Behandlung dauert manchmal etwas länger und viele Menschen möchten schnell einen Erfolg sehen», räumt sie ein. «Aber Naturheilkunde kann durchaus auch erfolgreich gegen Parasiten wirken.»

Giardien auf dem Vormarsch
Laut Sutter sind etwa Würmer zunehmend unempfindlich gegen die angewendeten chemischen Mittel. Ausserdem könnten diese bei Katzen sehr wohl zu Unverträglichkeitsreaktionen führen, hat sie beobachtet. «Das kann von Haarausfall bis hin zu Lethargie reichen und nach Wurmkuren kommt es durchaus zu Fieber oder Erbrechen.» Sutter setzt dagegen auf viele verschiedene Mittel, etwa Heilpilze oft in Kombination mit Phytomedizin oder Homöopathie. Und sie legt in ihren Beratungen grossen Wert darauf, die Besitzer darüber aufzuklären, wie wichtig artgerechte Ernährung und Hygiene sind. Ganz besonders etwa auch beim Thema Giardien.

Die kleinen Parasiten sind in der Schweiz immer mehr auf dem Vormarsch. Sie befallen den Darm und sorgen für schleimigen Durchfall oder Abmagerung. Vor allem Katzenkinder haben Giardien wenig entgegenzusetzen – das bringt Claudia Sutter auch in Verbindung mit einem zu frühen Impfen und allgemeiner Schwächung des Immunsystems. Die Medizin setzt hier meist auf Wurmmittel wie Fenbendazol oder spezielle Antibiotika, aber «die töten die Giardien ja nicht, sie machen sie nur unfruchtbar», erklärt sie. Die Tierheilpraktikerin empfiehlt dagegen unter anderem eine absolut kohlehydratfreie Kost und eine Futterumstellung, um den Darm zu entlasten und das Immunsystem zu stärken. Zusätzlich ist grösste Hygiene und tägliche Reinigung von Toiletten und Aufenthaltsplätzen der Katze oberste Pflicht, zumal Giardien auch Menschen befallen können.

Manchmal helfen aber auch ganz einfache «Hausmittel», um den lästigen und ungebetenen Bewohnern der Samtpfoten das Leben schwer zu machen. Gegen Zecken setzt sie zum Beispiel auf Kokosöl, dass in das Fell der Katze eingerieben wird. Die darin enthaltene Laurinsäure soll den Spinnentieren das Blutsaugen beim Wirtstier verleiden.

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