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Katzen-Ernährung

Wie gefährlich ist der Zucker im Futter?

1 Kommentare Katzen | Freitag, 26. August 2016, Andrea Trueb

Die Beigabe von Zucker im Nassfutter verunsichert Katzenhalter. Befürchtet werden Übergewicht, Karies und Krankheiten wie Diabetes. Sind diese Ängste begründet? Experten können Entwarnung geben.

Ist Zucker im Katzenfutter gefährlich? Macht er die Tiere krank und fett? Viele Katzenhalter sind verunsichert. Entsprechend ist das Thema auch in Foren omnipräsent. Fakt ist: Viele Feuchtfutter für Katzen enthalten Zucker. Und das, obwohl Katzen – im Gegensatz zu Hunden – «süss» gar nicht schmecken können. Das ist verwirrend. 

Um den Fragen auf den Grund zu gehen, muss zuerst geklärt werden, was mit Zucker überhaupt gemeint ist. «Zucker» ist nämlich weit mehr als der weisse Haushaltszucker.Tatsächlich hat die Natur aus ein paar Grundformen die unterschiedlichsten Zuckerverbindungen gefertigt. Alle diese Zuckerarten zusammen machen die Kohlenhydrate aus. Es gibt Einfachzucker, Zweifachzucker, Dreifachzucker und Vielfachzucker. Am bekanntesten sind wohl der weisse Haushaltszucker (Saccharose) und der in der Natur hauptsächlich in Früchten vorkommende Fruchtzucker (Fructose). Aber auch Cellulose (der Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden) und Chitin (etwa Insekten- und Krebspanzer) sind Kohlenhydrate. Und was davon steckt nun im Katzenfutter? 

Das Futter soll schön aussehen
«Im Katzenfutter kommen Kohlenhydrate insbesondere in Form von Stärke aus Getreide oder Kartoffeln und in Form von Ballaststoffen und nicht fermentierbaren Fasern vor», erklärt Tierärztin Sabina Büttner von Tierfutter24.ch und iPet.ch. Zucker, wie ihn der Volksmund meint, komme eigentlich nur in Feuchtfutter vor: «Meistens eine Form von Saccharose, er wird aber auch Karamellsirup, Zuckercouleur oder Dextrose genannt.» Den Produzenten sei bewusst, dass viele Katzenhalter sensibel darauf reagieren würden, wenn bei den Zutaten «Zucker» stehe: «Darum versuchen sie, die Zugabe des Zuckerzusatzes anders zu umschreiben.»

Der Grund für die umstrittene Beigabe: Das Futter soll schön aussehen. «Natürlich wissen wir, dass Hunde und Katzen andere Vorstellungen von appetit lichem Aussehen haben als wir Menschen. Aber der Tierhalter trifft nicht nur die Kaufentscheidung für das Tier, sondern beeinflusst es auch unbewusst durch die innere Einstellung, mit der er seinem Tier das Futter reicht», sagt die Tierärztin Julia Henner von der Mars Schweiz AG in Zug. Das Unternehmen vertreibt die Katzenfuttermarken Whiskas, Sheba, Kitekat, Perfect Fit, Dreamies und Exelcat. Bei der Nestlé Purina PetCare Switzerland tönt es ähnlich: «Wir verwenden in unseren Nassnahrungen sehr geringe Mengen an Zucker, um beim Kochvorgang eine gleichmässige und intensive Farbe des Produktes zu erreichen», sagt Tierärztin Sandra Bruckner. 

Obwohl Katzen süss nicht empfinden können, geben beide Firmen an, mit dem beigefügten Zucker die Schmackhaftigkeit zu fördern. «Während der Kochsterilisation der Nassnahrung entstehen Aromen, die Katzen mit ihrem Geruchs- und Geschmackssinn wahrnehmen können», erklärt Bruckner. Und Henner sagt: «Die Zugabe von Zuckerarten in unseren Rezepturen dient auch der geschmacklichen Abrundung des Produktes, indem dieser Zucker beim Erhitzungsprozess mit den anderen Zutaten reagiert.»

Sowohl Henner als auch Bruckner betonen, nur sehr geringe Mengen an Zucker im Katzenfutter zu verwenden. In den von Mars Schweiz vertriebenen Produkten wird weniger als 0,5 Prozent zugefügt. Beide Hersteller geben an, dass die Gesundheit der Katzen durch den zusätzlichen Zucker auf keinen Fall gefährdet wird. «Die Zugabe von Zuckerarten in dieser minimalen Menge ruft weder Zahnprobleme noch andere Krankheiten wie etwa Diabetes mellitus hervor», sagt Henner. Die Nährstoffgehalte ihrer Produkte würden den Ernährungsrichtlinien des Europäischen Verbands der Heimtiernahrungsindustrie (Fediaf) entsprechen: «Damit erfüllen wir alle etablierten Kriterien, die für ein ausgewogenes und gesundes Katzenfutter ausschlaggebend sind.»

Nicht von Mensch auf Katze schliessen
Diabetes mellitus bei Katzen werde nicht durch die geringen Zuckerbeigaben, sondern durch Übergewicht ausgelöst, sind die beiden Expertinnen überzeugt. Laut Bruckner kommen die Verabreichung von gewissen Medikamenten und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse als weitere mögliche Ursachen infrage. Die geringe Menge von Zucker ist laut Bruckner auch keine Ursache für Karies: «Katzen leiden vor allem an Zahnfleischentzündungen und einer schmerzhaften Zerstörung der Zahnhartsubstanz im Bereich des Zahnhalses, welche nicht durch Zucker ausgelöst werden.»

«Zucker ist meines Erachtens nicht das Problem», ist auch Büttner überzeugt: «Die verwendeten geringen Mengen haben keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Katzen.» Die Behauptung, Zucker mache dick oder führe zu Karies, komme aus den Erkenntnissen beim Menschen: «Aber die ganze Verstoffwechselung von Zucker läuft bei der Katze anders als beim Menschen. Erkenntnisse aus der Ernährungslehre beim Menschen können nicht einfach auf die Katze übertragen werden.»

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Kommentare (1)

Sue am 01.09.2016 um 12:06 Uhr
Da muss man einzig und allein den gesunden Menschenverstand einschalten. Gehört Zucker in Tierfutter? Gehört Zucker in eine Katze, einen Hund, einen Hamster? Weshalb gibt es heute Diabetes bei Haustieren? Ob es wohl Diabetes in freier Wildbahn gibt? Die letzte Frage ist mit einem klaren NEIN zu beantworten. Was also läuft falsch? ??

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