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Katzenkrankheiten

Leben mit der Zuckerkrankheit

Katzen | Freitag, 29. Januar 2016, Heidi van Elderen

Besonders ältere und übergewichtige Katzen haben relativ häufig Diabetes mellitus. Dank Insulintherapie können die zuckerkranken Vierbeiner aber ein beschwerdefreies Leben führen. In einigen Fällen ist sogar Heilung möglich.

Diabetes mellitus, im Volksmund «Zuckerkrankheit» genannt, bezeichnet bei Katzen wie bei Menschen eine chronische Stoffwechselerkrankung, die zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Man unterscheidet zwischen «Typ 1», bei dem der Körper zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse kein oder zu wenig Insulin produziert, sowie dem weiter verbreiteten «Typ 2», bei dem die entsprechenden Körperzellen auf das körpereigene Hormon immer weniger reagieren. Die Folgen sind in beiden Fällen gleich: Ohne Insulin können die Zellen keinen Zucker, der bei der Verdauung von Kohlenhydraten entsteht, aus dem Blut aufnehmen und verstoffwechseln. Das führt dazu, dass Kohlenhydrate nur noch unzureichend oder gar nicht zur Energiegewinnung genutzt werden können und der Blutzuckerspiegel nicht mehr reguliert wird.

«Die Krankheit kann schon eine gewisse Zeit bestehen, bevor dem Besitzer auffällt, dass mit der Katze etwas nicht stimmt. Die Symptome variieren je nach Schwere der Erkrankung. Typisch ist aber, dass die Katze sehr viel trinkt und uriniert, häufiger erbricht, plötzlich mehr oder weniger Appetit hat, Gewicht verliert, müde und lethargisch wirkt oder unsauber wird», sagt die Tierärztin Monika Benninger, die als Spezialistin für Innere Medizin in der Tierklinik Thun arbeitet.

Blutzucker zu Hause messen
Jede Katze kann an Diabetes erkranken, besonders anfällig sind aber ältere, kastrierte Kater. Wichtig ist, dass man bei den entsprechenden Warnzeichen zum Tierarzt geht. Denn unbehandelt kann Diabetes mellitus zu schweren Folgeschäden wie Nierenproblemen, Nervenlähmungen der hinteren Gliedmassen, Dehydrierung oder auch einer lebensgefährlichen Entgleisung des Stoffwechsels, der sogenannten diabetischen Ketoazidose, führen.

Erkrankte Tiere scheiden Zucker mit dem Urin aus. Bei Verdacht auf Diabetes wird deshalb der Harn untersucht. In der Antike mussten Mediziner noch einen Geschmackstest machen, heute gibt es Teststreifen. Zusätzlich wird der Fruktosamin-Wert im Blut gemessen, da dieser unabhängig von kurzzeitigen Blutzuckerschwankungen ist und daher Aufschluss über den Langzeitzuckerwert geben kann. Ein grosses Blutbild soll zudem eine Übersicht über die Funktionen der Organe geben.

«Auch nach begonnener Insulintherapie sind regelmässige Blut- und Urinuntersuchungen notwendig. Nach Beginn der Therapie und bei jeder Änderung der Insulindosierung sollte man nach ein bis zwei Wochen ein Blutzucker-Tagesprofil erstellen. Ist die Katze gut eingestellt, kann es ausreichen, die Werte alle drei bis sechs Monate zu kontrollieren», sagt Benninger. Auch wenn es dem Tier nicht gut geht, sollte gemessen werden. Mit einem speziellen Blutzuckermessgerät geht das zu Hause relativ schnell und einfach. Die täglichen Insulinspritzen kann der Halter ebenfalls nach der Anleitung durch den Tierarzt in der Regel problemlos selber verabreichen.

Viele zuckerkranke Katzen müssen ihr Leben lang mit Insulin behandelt werden, ohne dass darunter ihre Lebensqualität besonders leidet. Einige Patienten genesen sogar vollständig, sind aber danach anfällig dafür, erneut Diabetes zu entwickeln. «Eine sogenannte Remission ist zum Beispiel möglich, wenn Diabetes durch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung entstanden ist und diese ausheilt», sagt Benninger. Bei Katzen, die unter Diabetes Typ 2 leiden, kann die zu Beginn der Behandlung immer notwendige Insulintherapie überflüssig werden, wenn eine spezielle Diät und eine damit verbundene Gewichtsreduktion den gewünschten Erfolg bringen.

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