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Parasiten

Wurmbefall kann gefährlich werden

Katzen | Freitag, 9. Oktober 2015, Tanja Warter, Tierärztin

Flöhe oder Zecken hat fast jeder Katzenbesitzer schon zu Gesicht bekommen. Kein Wunder, sie krabbeln sichtbar im Fell herum. Aber auch im Inneren der Katze können sich lästige Mitbewohner ansiedeln.

Als das einstige Bauernhofkätzchen Sokrates etwa ein halbes Jahr alt war und seine Kastration bevorstand, wuchsen bei seiner Besitzerin die Sorgen. Der junge Kater war immer dünner geworden, das Fell hatte seinen Glanz verloren, er war oft müde, und auch mit der Verdauung stimmte etwas nicht, denn im Katzenklo fanden sich auf einmal eigenartig breiförmige Haufen. Eines Morgens, sie kam gerade aus dem Bad, erlebte die Tierfreundin einen Anblick, der sie zutiefst erschreckte. Sokrates musste sich übergeben, und auf dem Boden vor sich sah sie zwischen ein paar Futterbestandteilen lauter, Zitat, «weisse, lange, sich bewegende Spaghetti». Ein kurzer Schrei des Ekels entwich der Frau. Sofort machte sie sich auf den Weg zum Tierarzt.

Was die Katzenbesitzerin zu Gesicht bekommen hatte, waren Parasiten der Katze, die sich im Körperinneren ansiedeln. In diesem Fall waren es Spulwürmer, mit denen, je nach Untersuchung, in der Schweiz zwischen 25 und 60 Prozent der Samtpfoten infiziert sind. Aber wie kommt es dazu?

Der Parasit wandert durch den Körper
Der Spulwurm durchläuft eine trickreiche Entwicklung, um in die Katze zu gelangen: Mit dem Kot einer infizierten Katze werden Spulwurmeier ausgeschieden – und zwar in unvorstellbaren Mengen, denn jedes Spulwurmweibchen produziert täglich bis zu 200 000 Stück. Diese entwickeln sich bei milder Aussentemperatur in der Umwelt weiter, in ihnen wachsen Larven heran. Sie werden unter anderem von Mäusen aufgenommen. Frisst eine Katze nun eine Maus, die Spulwurmlarven in sich trägt, leben diese nach der Verdauung der Maus in der Katze weiter.

Eine andere Ansteckungsmöglichkeit ist die Schmierinfektion. Dabei gelangt das Ei mit Larve direkt, beispielsweise über einen angeknabberten Grashalm, in den Katzenkörper. Hatte die Katze vorher noch nie eine Spulwurminfektion, beginnt im Körper des Tieres eine beeindruckende Reise des Parasiten. Im Dünndarm der Katze angekommen, schlüpfen die Larven aus den Eiern. Sie dringen in die Schleimhaut des Darms ein. Von dort aus kriechen sie in die Blutgefässe, die in Richtung Leber laufen. Dort bleiben sie eine Weile, bis sie nach einem Zwischenhalt im rechten Herzen in die Lunge gelangen.

Damit ist die Körperwanderung noch immer nicht zu Ende: Durch die Luftröhre wandern die Spulwurmlarven hinauf in den Rachenraum und lassen sich mit dem Speichel wieder in den Magen-Darm-Trakt abschlucken. Erst jetzt entwickeln sich die Larven weiter zu den ausgewachsenen Würmern, die bis zu zwölf Zentimeter lang werden. Sie bleiben fortan im Darm und produzieren fleissig Eier, die mit dem Kot der Katze in die Umwelt gelangen. Der Zyklus beginnt von vorn.

Als wäre diese massive Verbreitungsart noch nicht genug, hat der Katzenspulwurm noch einen weiteren Trick auf Lager: Larven können sich dauerhaft in vielen Körperregionen ansiedeln, beispielsweise im Gesäuge. So kommt es, dass sich neugeborene Katzenkinder bereits mit der ersten getrunkenen Milch mit Spulwürmern anstecken. Aber Achtung: Ob nun mit der Milch, der Maus oder dem Grashalm – Symptome wie Sokrates entwickeln nur jene Katzen, die besonders stark befallen oder bereits geschwächt sind. Vielfach bleibt die Infektion unbemerkt.

Die Würmer sind keine Gefahr für uns
Neben den Spulwürmern sind Bandwürmer eine wichtige Gruppe, gegen die man die Katze regelmässig behandeln sollte. Die Infektion erfolgt ebenfalls über das Fressen von Mäusen. Und auch sie siedeln sich im Darm an, was im schlimmsten Fall bis zum Darmverschluss führen kann. Anders als Spulwürmer legen Bandwürmer keine Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden, sondern sie stossen eigene Körpersegmente, gefüllt mit Eiern, von sich ab. Diese Segmente wandern aktiv aus dem Anus der Katze hinaus ins Freie. Das mag dem einen oder anderen Katzenfreund bekannt vorkommen: So ein kleines, helles Würmchen, etwa einen Zentimeter lang, das irgendwo im Fell am Hinterteil oder am Schwanz der Katze kriecht, ist keine Seltenheit. Klingt abstossend, stellt aber keine Gesundheitsgefährdung für Zweibeiner dar.

Für die Katze kann der Befall schwerwiegende Folgen haben. Meist handelt es sich um ein Exemplar namens Taenia taeniaeformis; bis zu 25 Prozent der Katzen sollen von ihm befallen sein. Die Bandwürmer verfügen über Saugnäpfe und Haken am Kopfende. Damit halten sie sich in der Darmschleimhaut fest. Sie können in der Katze bis zu einem halben Meter lang werden. Es gibt Fälle, in denen sie sogar operativ entfernt werden müssen.

Lungenwürmer sorgen für Husten
Ein zweiter Bandwurm, der bei etwa vier Prozent der Katzen vorkommt, wird über Flöhe übertragen. Das System dieses Parasiten ist raffiniert: Flohlarven fressen Eier dieses Bandwurms, dessen Körpersegmente übrigens Gurkenkernen ähneln. Darum heisst er «Gurkenkernbandwurm». Ist der Floh später ausgewachsen, hat sich aus dem Ei die Larve des Bandwurms entwickelt. Die trägt er in sich. Dann hüpft der Floh auf eine Katze. Sie schleckt und beisst sich im Fell – schon hat sie den Floh samt Bandwurmlarve im Bauch. Der Gurkenkernbandwurm reift heran und sondert wieder Segmente mit Eiern ab. Die Geschichte beginnt von vorn.

Auch für chronischen Husten einer Katze können Würmer der Grund sein. Die Larven sogenannter Lungenwürmer benützen Frösche oder Vögel als Transporttiere. Wieder stecken sich Katzen über ihr räuberisches Verhalten an. Lungenwürmer werden bis zu einem Meter lang und setzen Brutknoten in die Katzenlunge. Bei starkem Befall husten die Tiere stark, sie werden schweratmig und magern ab. In der Regel bleibt die Infektion aber ohne Symptome.

Der Anti-Wurmplan
Flöhe oder Zecken bezeichnen Fachleute als Exoparasiten, weil sie aussen auf der Haut leben. Würmer im Inneren des Körpers heissen hingegen Endoparasiten. Letztere können eine Katze auf vielfältigste Art und Weise schwächen. Je nach Gattung greifen sie Lunge, Herz, Leber, Nieren oder den Magen-Darm-Trakt an. Mit mangelnder Hygiene hat Wurmbefall nichts zu tun. Experten gehen heute davon aus, dass es so gut wie unmöglich ist, eine Freigängerkatze vollkommen wurmfrei zu bekommen. Ständig steckt sie sich neu an oder beherbergt noch Larven im Körper. Regelmässiges Entwurmen ist wichtig. Nimmt die Zahl der Würmer überhand, wird es für die Katze gefährlich. Zum Entwurmen gibt es Pasten, Tabletten oder Spot-on-Präparate zum Auftropfen. Tipp: Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wann und wie oft Ihre Katze gegen welche Würmer behandelt werden sollte. Da der Infektionsdruck für Katzen sehr verschieden ausfällt, ist ein individueller Anti-Wurm-Plan die beste Bekämpfungsmethode.
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