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Katzengesundheit

Wann ist der Tierarzt nötig?

2 Kommentare Katzen | Freitag, 11. September 2015, Tanja Warter, Tierärztin

Das Leben einer Katze kann bisweilen gefährlich sein, fast jede bekommt irgendwann im Leben eine Verletzung ab. Fragt sich, was man als Halter dann tun kann und was man besser dem Tierarzt überlassen sollte. Ein Leitfaden.

Katzen sind zwar wahre Kletterkünstler und bewegen sich allgemein leichtfüssig und geschickt, trotzdem sind sie vor Verletzungen nicht sicher. Autos, hohe Bäume, schlecht gelaunte Artgenossen, die Liste der möglichen Gefahren in Miezes Umwelt ist lang. Nicht immer sind Verletzungen für den Besitzer auf den ersten Blick zu sehen und nicht immer kommen Katzen, die verletzt sind, unverzüglich und zielstrebig nach Hause. Je nach Situation sind die ersten Massnahmen unterschiedlich.

Wer auf Nummer sicher gehen will, besucht bei jeder Wunde, die grösser ist als eine Schram­me, den Tierarzt. Einerseits kann dieser am besten entscheiden, welche Art von Verband er benötigt oder ob sogar genäht werden muss, andererseits sieht er, ob ein Infektionsrisiko besteht und die Katze eventuell ein Antibiotikum braucht. Doch zunächst gilt es für den Katzenbesitzer, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

Die generelle Wundbehandlung
Nehmen wir den Fall an, die Katze sei akut verletzt. Sie hat eine frisch blutende Wunde am Körper, ist etwas aufgeregt, wirkt aber sonst aufmerksam und gesund. Das ist zu tun:
Nachschauen: Besorgen Sie sich eine kleine Schere, möglichst nicht zu spitz, und nehmen Sie den Vierbeiner sanft zu sich auf den Schoss. Suchen Sie die blutende Stelle im Fell. Kürzen Sie rundherum das Fell, bis Sie einen freien Blick auf die Wunde haben. Ist sie grossflächig oder sind tiefere Schichten betroffen? Dann ab zum Tierarzt.
Fremdkörper entfernen: Kleben Blätter oder Grashalme auf der Wunde? Sind eventuell Dornen oder Glasscherben zu sehen? Dann entfernen Sie diese Fremdkörper mit einer Pinzette.
Säubern und desinfizieren: Tupfen Sie die Wunde behutsam mit einem sauberen Tuch oder Papier ab. Angefeuchtetes Haushaltpapier ist gut geeignet. Blutende Verletzungen sind häufig mit Erde verschmutzt. Bitte rubbeln Sie die keinesfalls weg, denn das verursacht Schmerzen und macht die Sache im Zweifelsfall nur schlimmer. Tupfen reicht. Danach desinfizieren Sie die Stelle. Dafür gibt es wirksame, auch für den Menschen verwendbare Lösungen und Seifen, beispielsweise auf Iod­basis (Betadine), die in jeder Hausapotheke enthalten sein sollten. Geben Sie einen Schuss dieser Seife oder Lösung in ein Schüsselchen mit lauwarmem Wasser und betupfen Sie die Wunde jetzt mit dieser Mischung.
Der Verband: Ist die Wunde fingernagelgross oder grösser, empfiehlt es sich, schon vor der Fahrt zum Tierarzt einen Verband anzulegen. Das erfordert allerdings etwas Übung und Geschick. Grundsätzlich gilt: Zuerst die Wunde mit einer sterilen Gaze abdecken, dann den betroffenen Körperteil komplett mit weichem Material wie Rollenwatte umwickeln. Im Anschluss können Sie zum Fixieren mit einer elastischen Binde nachwickeln. Am Ende wird der Verband oben und unten mit Pflasterstreifen oder Klebeband fixiert, damit er nicht verrutscht. Am einfachsten anzulegen (und auch zu üben!) sind solche Verbände am Schwanz. Achtung: Bei einer Verletzung am Bein beziehen Sie die Pfote immer in den Verband ein, sie sollte nicht unten frei herausschauen. Vorher geben Sie zwischen die einzelnen Zehen etwas Watte. Befinden sich Wunden am Kopf oder am Hals, überlassen Sie das Verbinden besser dem Profi. Bei starken Blutungen gilt generell: Mit einem Stoffstück kräftigen Druck auf die Wunde ausüben und rasch zum Tierarzt.

Ein zweiter Fall: Sie haben beobachtet, wie Ihre Katze mit einem Konkurrenten rauft. Jetzt kommt sie mit etlichen Kratzern und Blessuren heim. Das ist zu tun:

Nehmen Sie den Vierbeiner sanft zu sich und untersuchen Sie geduldig den ganzen Körper. Oberflächliche Schrammen säubern Sie mit einem sauberen, feuchten Tuch. Das Tückische bei Raufereien: Katzenzähne sind so spitz, dass sie sich in der Regel tief unter die Haut bohren, nach dem Biss aber äusserlich kaum Spuren hinterlassen. Oft gelangen mit dem Zahn eitererregende Keime in die Bisswunde. Dann beginnt es im Untergrund zu brodeln, die Keime vermehren sich, es entsteht ein Abszess. Hals und Vorderpfoten sind besonders oft betroffen. Symptome: Tage nach der Rauferei wirkt die Katze matt und abgeschlagen, verweigert das Futter und bekommt eventuell sogar Fieber. Das lässt sich verhindern, indem Sie den Vierbeiner nach einer Rauferei beim Tierarzt vorstellen. In jedem Fall sollten Sie ihn in den darauffolgenden 14 Tagen wachsam im Auge behalten.

Schonender Transport ist wichtig
Ist die Wunde des Tieres schon am Abheilen, wenn Sie sie entdecken? Dann dürfen Sie den Heilungsprozess unterstützen, indem Sie beispielsweise Käsepappeltee zubereiten und damit die Kruste der Verletzung abtupfen. Ansonsten ist bei Mittelchen oder Medikamenten aus dem eigenen Medizinschrank Vorsicht geboten. Einerseits vertragen unsere Haustiere bestimmte Präparate nicht, manche sind für sie sogar giftig, andererseits muss die Dosierung sehr genau auf das Körpergewicht abgestimmt sein. Ein falsch verabreichtes Mittel kann das Tier im schlimmsten Fall das Leben kosten.

Fall drei: Die Katze kommt hinkend, aber ohne äusserliche Verletzungen heim. Das ist dann zu tun:

Kontrollieren Sie vorsichtig die Pfoten. Gelegentlich verkeilen sich Steinchen zwischen den Ballen. Die lassen sich leicht entfernen. Setzt die Katze das betroffene Bein gar nicht mehr auf oder wimmert sie vor Schmerzen, wenn man es berührt, könnte es sich um eine Prellung oder Zerrung handeln. Die wiederum kann eine Entzündung nach sich ziehen – das Bein wird geschwollen und fühlt sich warm an. Für eine genaue Abklärung ist ein Besuch beim Tierarzt unerlässlich. Wichtig: Transportieren Sie den Stubentiger so schonend wie möglich. Ist keine Transportbox zur Verfügung, wickeln Sie das Tier behutsam in eine Decke, sodass nur der Kopf herausschaut. Diese Massnahme ist auch dann ideal, wenn sich der verletzte Liebling mit Zähnen und Krallen gegen die Fahrt zum Tierarzt wehren will. Wenn möglich, bewahren Sie Ruhe. Alles andere bereitet der Katze nur zusätzlichen Stress.

Katzen-Notfallapotheke

  • Fieberthermometer (am besten digital, denn es zeigt die Temperatur am schnellsten an. Thermometer etwa 2 Zentimeter tief in den After einführen und nicht loslassen bis es piepst)
  • Schere mit stumpfen Enden zum Schneiden der Haare
  • Pinzette
  • Taschenlampe, mit der man Wunden genau inspizieren kann
  • ein Paar dicke Handschuhe, falls die verletzte Katze aggressiv ist
  • eine Jod-Lösung oder Jod-Seife zum Reinigen und desinfizieren
  • für Verbände: sterile Gaze, Rollenwatte, Mullbinden, Heftpflaster
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Kommentare (2)

Lea Vasilev am 14.10.2017 um 17:36 Uhr
Ich habe einen Kater der kann nicht mehr so gut laufen er läuft fasst so wie das ein Mensch den Fuss verstaucht hat und ich habe eine Wunde endeckt am linken Bein ich wollte euch fragen ob ich zum Tierarzt fahren soll?
Würde mich sehr freuen wenn ihr so schnell wie möglich antworten könnt!
Danke im voraus!
Liebe grüsse Lea Vasilev

Thalmann Helen am 12.09.2015 um 14:09 Uhr
Ich habe eine sehr tierliebe Kollegin, deren Katze hat die Bänder gerissen. Für eine OP fehlt Ihr das Geld.
Die OP kostet CHF 1500.
Was kann man machen.
Meine Kollegin tut mir seeeehr leid.
Ist eine OP "sinnvoll" für das liebe Tier?
Besten Dank für eine Antwort.

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