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Ernährung

Hundefutter schadet der Katze

Katzen | Donnerstag, 18. September 2014 07:30, Tanja Warter, Tierärztin

Wenn Mieze ständig aus Bellos Napf mitfrisst, mag das praktisch sein. Gesund ist es keineswegs. Hundefutter oder auch Selbstgekochtes kann zu einer Herzerkrankung führen.

Tierfreundin Karin Sattler fand es optimal: Ihr Hund Herkules und ihr Kater Peterle verstanden sich seit jeher prächtig und teilten miteinander Bett und Napf. Dass es im Handel für Hunde und Katzen verschiedene Futterarten gibt, schien ihr immer übertrieben. Sie vermutete einen Werbegag, um höhere Verkaufszahlen zu erreichen. Also kaufte sie immer die grossen und günstigeren Hundefutterdosen und fütterte damit Herkules und Peterle gemeinsam. Doch das sollte böse Folgen haben.

Bereits Ende der 1980er-Jahre hatten Forscher herausgefunden, dass auffallend viele Katzen, die an einer Erkrankung des Herzmuskels litten, mit Hundefutter oder Selbstgekochtem gefüttert worden waren. Also begaben sich die Wissenschaftler auf Spurensuche, was der Grund für dieses Phänomen sein könnte. Sie stiessen auf einen Stoff namens Taurin. Bei gleicher Fütterung hatten Hunde davon ausreichend im Körper, Katzen aber nicht. Die spannende Feststellung: Hunde können ebenso wie wir Menschen Taurin selbst im Körper herstellen. Eine Katze aber kann das nicht. Sie ist darauf angewiesen, dass sie die Aminosäure Taurin über die Nahrung bekommt. Tut sie das nicht, hat sie ein hohes Risiko für eine Herzmuskelkrankheit. 

Kater Peterle war fünf Jahre alt, als Karin Sattler ihn eines Morgens schwer atmend und hustend in seinem Körbchen fand. Sofort fuhr sie mit ihm zum Tierarzt. Der diagnostizierte Herzhusten. Der entsteht, wenn die Pumpleistung des Herzens zu schwach wird, denn dann staut sich Körperflüssigkeit in der Lunge an. Diese Flüssigkeit verursacht den Hustenreiz und die Schweratmigkeit. Ein Röntgenbild erhärtete den Verdacht: Peterles Herz war viel grösser, als es normalerweise sein dürfte. 

Die Industrie hat sich angepasst
Weil sich die Herzkammern aufgrund des Taurinmangels erweitert hatten, konnten die Klappen nicht mehr richtig schliessen – ein Teufelskreis mit fatalen Folgen setzte sich in Gang. Peterle litt schon mehrere Jahre an einem vergrösserten Herzen, aber seine Besitzerin konnte das nicht bemerken, da er sich im Grunde normal verhielt. Seine reduzierte Bewegungslust und die zunehmende Müdigkeit führte sie auf das Wetter und allerlei andere Umstände zurück. Erst in der akuten Situation, in der es Peterle offensichtlich schlecht ging und sein Leben am seidenen Faden hing, erfuhr sie von ihrer ewig falschen Fütterung.

Vor 30 Jahren, als das Wissen über die Bedeutung von Taurin für Katzen noch geringer war, litten wesentlich mehr Stubentiger an dieser Herzmuskelerweiterung, die in der Fachsprache «dilatative Kardiomyopathie (DKMP)» heisst. Nach den wissenschaftlichen Entdeckungen hatte die Industrie sofort reagiert und die Mengen von Taurin in Katzenfutter deutlich angehoben. Heute kommt die Herzkrankheit wegen Taurinmangels wesentlich seltener vor. Ganz verschwunden ist sie aber noch nicht, denn es gibt nach wie vor Menschen, die aus Unwissenheit falsch füttern.

Für Peterle geht es jetzt ums Überleben. Die Medikamente, die seine Flüssigkeit aus der Lunge befördern sollen, haben angeschlagen. Er atmet wieder leichter, ist aber nach wie vor müde und erschöpft. Taurin bekommt er jetzt vom Tierarzt in hoher Dosierung. Aber an seinem vergrösserten Herzen kann das alles nichts mehr ändern. Mit etwas Glück und teuren Herzmedikamenten kann er aber noch ein paar Jahre überleben. Und beim Katzenfutter wird Karin Sattler nicht mehr sparen.

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