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Katzen

Auch Lärm hilft beim Grosswerden

Katzen | Donnerstag, 5. Dezember 2013, Caroline Frei

Nach der Geburt ist ein Katzenbaby lediglich ein faustgrosses, hilfloses Knäuel, das weder gehen, hören noch sehen kann. Und doch ist alles dafür angelegt, sich Schritt um Schritt zu entwickeln.

Katzen werden blind und taub geboren», sagt Anna Geissbühler, die im bernischen Ins eine Kleintierpraxis führt. «Die Augen können sie erst nach sieben bis zehn Tagen öffnen, hören tun sie zwischen dem 6. und dem 14. Tag.» Erst im Alter von etwa vier Wochen haben die Jungen die volle Hörfähigkeit erreicht. Und im Alter von gut sieben Wochen sind auch die Augen so weit ausgebildet, dass beide zusammen ein richtiges Bild empfangen. 

Es passiert einiges in den ersten Tagen und Wochen. Auch mit den Zähnen. 14 Tage nach der Geburt zeigen sich die ersten Milchzähne. Erst wachsen die Schneidezähne, die zum Ergreifen der Beute wichtig sind, gefolgt von den Eckzähnen, die fürs Zupacken und Töten der Beute verantwortlich sind. Bis zum Alter von acht Wochen vervollständigen sich die Milchzähne, ab der zwölften Woche beginnt bereits der Zahnwechsel, bei dem die bleibenden Zähne hervorkommen. Ab etwa dem fünften Monat tauchen die Backenzähne auf. 

Am ersten und zweiten Tag nach der Geburt bekommt das junge Büsi von seiner Mutter ein besonderes Getränk verabreicht – die Kolostralmilch. Sie wirkt wie eine Schutzimpfung, da sie reich an Antikörpern ist und dafür sorgt, dass das Katzenkind in den ersten Wochen gut geschützt ist vor Infektionen bis zum Aufbau eines eigenen gesunden Immunsystems. «Normalerweise wird ein Junges mindestens  vier Wochen gesäugt», sagt Geissbühler. Und solange die Kleinen an der Zitze hängen, wird gepflegt. Nach dem Säugen putzt die Mutter den After und den Bauch der Kleinen. Dadurch wird der Absatz von Harn und Kot gefördert, den die Mutter auffrisst. All dies passiert instinktiv. 

Das kleine Kätzchen muss lernen, dass Beissen und Kratzen unerwünscht sind
Wenn jedoch die Katzenmutter aus irgendeinem Grund nicht mehr da ist, muss der Mensch einspringen. «In solchen Fällen kann man den Bauch und den After des Kleinen mit einem Wattestäbchen stimulieren.» Ebenfalls eingreifen muss der Mensch, wenn die Kleinen in den ersten vier Wochen nicht regelmässig gesäugt werden. «Die Jungen machen durch ein beständiges Schreien auf sich aufmerksam, bevor sie dann nur noch schlafen. In einem solchen Fall, der aber selten auftritt, sollte man unverzüglich den Tierarzt aufsuchen.»

Die Prägungs- und Sozialisierungsphase ist eine enorm wichtige Etappe für das Büsi, die das Verhalten der Katze für den Rest ihres Lebens entscheidend bestimmt. Sie findet zwischen der zweiten und siebten Woche statt und wird durch frühe Erfahrungen mit Mutter, Wurfgeschwistern, Menschen und anderen Tieren beeinflusst. «Das Gehirn der Jungen ist in dieser Phase noch nicht fertig entwickelt», sagt Geissbühler. Umso wichtiger sei deshalb, den Reifungsprozess mit Umweltreizen zu stimulieren. Man sollte das Kätzchen  auf den Arm nehmen, mit ihm spielen, ihm jedoch auch sanft aufzeigen, dass Beissen und Kratzen von Menschen nicht erwünscht sind. 

Das Katzenkind sollte einfach den Alltag leben können, mit allem Drum und Dran. Auch Lärm erleben gehört dazu. Falls keine Kinder im Haushalt leben, wäre es ideal, wenn man welche zum Spielen mit den jungen Katzen einladen würde; natürlich unter Aufsicht einer erwachsenen Person. «Je mehr Reize angeboten werden, umso besser kann sich das Gehirn entwickeln», betont Anna Geissbühler. Wenn dieser Prägungsprozess gut gelingt, wird aus dem Jungen ein geselliges und gut an das Zusammenleben mit Menschen gewöhntes Tier. 

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