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Katzengesundheit

Wenn der Druck in den Adern steigt

Katzen | Freitag, 6. September 2013, Ursula Burgherr

Bluthochdruck ist beim Menschen weit verbreitet und kann auch bei Katzen auftreten. In beiden Fällen ist damit nicht zu spassen. Denn Schädigungen an Herz, Nieren, Augen und am Zentralnervensystem können die Folge sein.

Die sich aufblasende Manschette beim Arzt ist für die meisten Menschen eine medizinische Grunderfahrung, die sie oft schon in der Jugend machen. Ganz ähnlich erfolgt die Blutdruckmessung bei Katzen: Mit einer aufblasbaren Druckmanschette am Vorderbein oder am Schwanz wird der Blutfluss kurzfristig unterbunden. Beim Ablassen des Manschettendrucks wird das Wiedereinsetzen des arteriellen Blutflusses auf verschiedene Weise wahrnehmbar beziehungsweise messbar gemacht.

Anders als beim Menschen ist Hypertonie, wie die Erhöhung eines Drucks in der Medizin genannt wird, bei Katzen aber eher selten – anders als einige im Internet kursierenden Meldungen vermuten lassen. Tierarzt Tony Glaus sagt: «Höchstens eine von 1000 Katzen leidet unter Bluthochdruck.» So ist es auch nicht notwendig, den Blutdruck bei jeder Routineuntersuchung zu messen. «Das wäre zu viel des Guten», sagt Glaus. Der Leiter der Abteilung Kardiologie der Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich gibt ferner zu bedenken, dass hoher Blutdruck auch durch den Stress, den die Untersuchung auslöst, verursacht werden kann. Bei Hormon- sowie Nierenkrankheiten, Herzpatienten oder Diabetes würden allerdings regelmässig Messungen durchgeführt.

Ist der Tierarzt einmal konsultiert, sollte  die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache im Vordergrund stehen. Denn anders als beim Menschen ist die Hypertonie beim Tier meist Symptom einer verursachenden Erkrankung. Bei Katzen tritt Bluthochdruck beispielsweise als Folge von Niereninsuffizienz auf. Aber längst nicht jede Katze, die an Niereninsuffizienz leidet, hat auch einen zu hohen Blutdruck. Nebennierentumore können genauso Verursacher sein. «Bei einigen ist es idiopathisch, das heisst, man findet keinen Grund für Hypertonie», sagt Glaus.

Wenn Bluthochdruck nicht erkannt wird, kann die Katze erblinden
Ganz ungefährlich ist Bluthochdruck auch bei Katzen nicht. Er kann die Lebensqualität und die Lebenserwartung erheblich beeinträchtigen und zu akuter Netzhautblutung, Netzhautablösung, ja sogar zur Erblindung führen. Erblindet ein Tier von einem Tag auf den anderen, geht oft eine lange Phase des Bluthochdrucks voraus. Daraus den Schluss zu ziehen, jede Katze weise vor einer Erblindung chronischen Bluthochdruck auf, wäre aber ein Irrtum.Die Blutwerte der Katze sind grundsätzlich mit denen des Menschen vergleichbar: Der obere Blutdruck sollte bei 110 bis 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), der untere Blutdruck bei 80 bis 100 mmHg liegen. Ein dauerhafter Blutdruck oberhalb von 160 mmHg wird als erhöht angesehen. Tony Glaus rät, bei einer Behandlung immer zuerst die Augen des Tieres zu checken. Ein für Katzen zugelassenes Medikament bei Bluthochdruck ist der ACE-Hemmer. Glaus greift bei einer Behandlung zudem zum Humanpräparat «Amlodipin». Die Dosierung muss allerdings auf die Katze angepasst werden.

Bluthochdruck lässt sich bei Katzen nicht gezielt vorbeugen, da ja meist andere Grund­erkrankungen die Ursache sind. Mit Übergewicht – wie oft beim Menschen der Fall – hat es genauso wenig zu tun wie mit der Nahrung. Ebenso werden bei Katzen keine Gefässverengungen durch Ablagerungen (Arterio­sklerose) beobachtet, wie man sie bei Zwei­beinern kennt. Tiermediziner Glaus empfiehlt einzig, bei Katzen ab dem achten Lebensjahr bei einem ärztlichen Check auch die Messung des Blutdrucks miteinzubeziehen.

So entsteht der Blutdruck

Das Herz presst stossweise Blut in den Kreislauf. Dabei löst jeder Herzschlag eine Druckwelle aus, die immer zwischen zwei Werten schwankt: Beim Zusammenziehen pumpt das Herz Blut in die Arterien und der Blutdruck steigt. Wenn sich das Herz maximal zusammengezogen hat, ist der höchste Wert erreicht (systolischer Blutdruck). Danach beginnt die Erschlaffungsphase, in der sich die Herzkammern füllen und kein Blut in die Arterien gepumpt wird. Deshalb fällt der Blutdruck wieder auf den niedrigsten Wert ab (diastolischer Blutdruck). Obwohl das Herz in der Erschlaffungsphase (Diastole) kein Blut pumpt, fällt der untere Druck nicht auf null: Weil die Hauptschlagader elastisch ist, erweitert sie sich während der Systole. In der anschliessenden Diastole, sobald aus dem Herz kein Blut mehr fliesst, zieht sie sich wieder zusammen und bewirkt so auch Blutfluss während der Diastole (sogenannter Windkesseleffekt).

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