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Tierwelt 36/2013

So klappt das Zügeln mit dem Büsi

Katzen, Haustiere | Donnerstag, 5. September 2013 07:00, Christina Burghagen

Nach dem Umzugs-Entscheid gings ans Planen und Packen, Entrümpeln und Entsorgen. Und Freunde fragten: «Wie macht ihr das mit euren Katzen?» Eine gute Frage mit allzu vielen Antworten.

Tipps für sanftes Zügeln mit der Mieze gibt es viele: Ein stiller Platz in der neuen Wohnung? Bachblüten zur Beruhigung? Oder Schlafmittel? Auf jeden Fall braucht es vertraute Schlafdecken und geliebte Leckerli.  Kater Mottek und seine Schwester Heidi schlugen sich wacker durch den Umzugs­dschungel, grobe Fairplay-Patzer ahndeten sie mit Schmollen, Duftmarken setzen oder penetranten Kuschelattacken. 

Auf manchen Tierseiten im Internet wird empfohlen, mit der Katze vor dem Umzug die neue Wohnung zu besuchen – als hätte man inmitten von Zügelkartons nichts Besseres zu tun. Besonders realitätsfern wird es, wenn Tierpsychologen raten, beim Umzug die Möbelpacker anzuhalten, zum Wohle der Katzen leise zu sein. Die starken Männer hätten mir wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Für mich stimmt, was auch für Babys gilt: Säuglinge schlafen selbst bei Staubsaugergeräuschen und meine Flusenfraktion pennt auch auf klingelnden Smartphones. Letzten Endes wissen Katzenhalter, was sie ihren Lieblingen zumuten dürfen. Das Bauchgefühl erweist sich hier als bester Ratgeber. 

Geht es Herrchen und Frauchen gut, bleiben auch die Katzen gelassen
Umziehende Menschen befinden sich selber in einem Ausnahmezustand. In der einen Wohnung leben sie nicht mehr, in der anderen aber auch noch nicht. Zwischen Vision, Altlasten und Nestverlust sollten sich die Umzügler deshalb vorab fragen: Wie zieht man eigentlich mit Menschen um? Ich verlegte mich darauf, mir Ruhezeiten zu verordnen und mit den Katzen zu kuscheln. Wenn ich nicht hysterisch werde, bleiben meine Katzen auch cool. 

Dann entdeckte ich einen Tipp im Netz, der sprichwörtlich für die Katz ist: «Jedem spirituell interessierten Katzenhalter empfehle ich, seiner Katze vor dem Umzug die Absichten, Beweggründe, Abläufe und Vorzüge der neuen Wohnung liebevoll zu erklären – die Vermittlung von mentalen Bildern ist dabei sehr hilfreich.» So sagte ich zu Mottek und Heidi: «Liebe Katzenkinder, hört mal her, hier ist Schluss mit lustig, wir ziehen tief ins Emmental.» Dann gab ich ihnen Mietvertrag, Wohnungsplan und Hausordnung zum Lesen. Sie hatten keine Einwände. Immerhin fühlte ich mich jetzt besser. 

Kater Mottek zeigte sich während des Umzugs erstaunlich gelassen. Immerhin hatte er mehrere Anlaufstellen in der Nachbarschaft. Wenn es ihm zu bunt wurde, schlief er bei seiner samtpfotigen Freundin Trinchen. Seine Schwester Heidi, ausgewiesene Stubenhockerin, tat sich schwerer. Als ihr Tisch mit ihrem Bettchen weggetragen wurde, zog sie ins provisorische Büro auf einen Polsterstuhl zum Schlafen. Allerdings bekam ich ab diesem Zeitpunkt die regelmässige Quittung: Morgens trat ich mit nackten Füssen in den Flur – und mitten in eine gelbe Pfütze. Ich hatte verstanden!

Freigänger-Katzen sollten nach dem Umzug noch drinnen gehalten werden
Für den Transport der Katzen in die neue Wohnung hatte sich eine Freundin angeboten. Am Tag der Tage war sie in Rufbereitschaft. Die Transportbox stand samt Kuscheldecke und Leckerlis im Hausgang. Der Kater schlief, da hiess es nicht lange zu fackeln, denn verpennt ist er gefügig. Flugs wurde er in die Box verfrachtet. Das wiederum lockte die neugierige Heidi an. Ehe sie sich versah, hockte sie neben ihrem Bruder im Kurzzeitgefängnis. Während der 20-minütigen Fahrt war kaum ein Muckser zu hören, als würden sich die beiden Mut zuflüstern. 

Das Zimmer in der neuen Wohnung war vorbereitet, allerdings entschied ich mich, die Katzen zuerst die ganze Wohnung anschauen zu lassen. Nach einer Stunde hatten sie bereits das Katzenklo benutzt, gefressen und fingen an sich zu putzen. Ein sicheres Zeichen für ihr Wohlbefinden. Beschwerlicher ist es, den Freigänger-Kater wie empfohlen zwei, drei Wochen in der Wohnung zu halten. Das abendliche Dauer-Miau-Jau-Jau hört sich an wie: Raus, will raus … will raus … Die Nachbarn müssen denken, wir hätten ein gesanglich unbegabtes Kleinkind.

Bald wird die Katzentreppe geliefert, die es Mottek ermöglichen soll, vom ersten Stock in die malerische Emmentaler Natur zu gelangen. Dass er hinausfindet, ist sicher. Ob er zurückfindet, werden wir sehen. Heidi hat sich einen Schlafplatz auf einem Kistenturm erobert. Keine Ahnung, was sich in den Kartons befindet – aber das ist jetzt auch nicht so wichtig. Miau.

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