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Baldrian, Katzenminze & Co.

Betörende Duftstoffe für Katzen

Katzen | Donnerstag, 25. Juli 2013, Esther Wullschleger Schättin

Manche Pflanzen wie Katzenminze oder Baldrian üben eine seltsame Faszination auf Samtpfoten aus. Ihre Duftstoffe können das Leben der Katzen bereichern, sofern man es mit der Anwendung nicht übertreibt. 

Pesche freut sich sehr, wenn ihm seine Halterin ein Büschel Kiwi-Zweige bringt. Sofort beschnüffelt der Kater die Zweige, reibt seinen Kopf daran, knabbert an den Pflanzenteilen und wälzt sich darauf. So kann er sich lange beschäftigen. Es scheint ihn völlig in den Bann zu ziehen. Katzenminze dagegen interessiert Pesche überhaupt nicht. Dabei ist diese seit dem Mittelalter dafür bekannt, bei Katzen grosse Begeisterung auszulösen – anscheinend aber nicht bei allen. 

Die Vorlieben von Samtpfoten für bestimmte Duftstoffe erscheinen ziemlich individuell und manchmal kurios. So wurde schon von Katzen berichtet, die begeistert auf Zahnpasta reagierten, während anderen getragene Lederschuhe gefielen. Bei den Pflanzen führt wohl doch die Echte Katzenminze (Nepeta cataria) die «Hitliste» an, obschon etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Hauskatzen gar nicht darauf reagieren. 

Bisher sind 14 Duftstoffe bekannt, auf die Katzen einigermassen reagieren
Die Empfänglichkeit für die Wirkstoffe der Katzenminze ist genetisch festgelegt, sie hängt von einem dominant vererbten Gen ab. Allerdings zeigen nicht nur Katzen ohne dieses Gen, sondern auch ängstliche und stark gestresste Tiere eine verminderte Reaktion auf die Pflanze, die ursprünglich aus Südeuropa, West- und Zentralasien stammt. In Mitteleuropa wird sie gerne als Gartenpflanze angebaut. 

Alles in allem sind 14 natürliche Duftstoffe bekannt, auf welche Katzen mit einigem Interesse reagieren, wobei die meisten dieser Stoffe aus Pflanzen stammen. Neben der Katzenminze ist Baldrian (Valeriana officinalis), der vom Menschen seit Urzeiten als leichtes Beruhigungsmittel genutzt wird, eine der bekanntesten «Katzenpflanzen». Er wächst wild auf feuchten Wiesen oder in Gewässernähe. Zudem mögen die Vierbeiner offenbar den im westlichen Mittelmeerraum beheimateten Katzen-Gamander (Teucrium marum) und den in Teichen wachsenden Fieberklee (Menyanthes trifoliata). Manche Katzen finden auch Gefallen an Rebenholz. 

Der in Asien vorkommende Japanische Strahlengriffel (Actinidia polygama), welcher in dieselbe Pflanzengattung wie die Kiwi-Pflanze gehört, ist in Japan ebenfalls schon lange für seine euphorisierende Wirkung auf Katzen bekannt. Er soll gar eine noch stärkere Reaktion hervorrufen als die berühmte Katzenminze. Ähnlich wie mit Katzenminzenduft versehene Produkte wird der Japanische Strahlengriffel unter dem Namen «Matatabi» im Zoofachhandel angeboten, etwa als kleine Stöckchen aus dem Holz der Pflanze. 

Mit Düften kann man das Verhalten der Katze lenken
Die Katzenminze, im Englischen «Catnip» genannt, ist in Europa ein beliebter Zusatzstoff für Katzenspielzeug. Ein erheblicher Teil der im Zoofachhandel angebotenen Spielsachen sind mit «Catnip» versetzt. Das ist nicht unproblematisch, denn für diejenigen Katzen, die auf den Wirkstoff ansprechen, ist das längerfristig sicher zu viel des Guten. 

Die Zoologin und Katzenhalterin Eva Waiblinger rät, Catnip in Spielsachen nur spärlich anzuwenden. Ab und zu kann eine Gabe von Catnip oder Baldrian das Leben der Stubentiger bereichern und Reaktionen hervorrufen, die für den Menschen lustig anzuschauen sind, doch sollte dies keineswegs zum Dauerzustand werden. Düfte können auch gezielt eingesetzt werden, um das Verhalten zu lenken. Ein bis zwei Tropfen Catnip oder Baldrian auf dem neuen Kratzbaum können die Aufmerksamkeit darauf lenken, wenn die Katze den Baum zuvor ignoriert hat. Allerdings nur, sofern sie mit dem Duftstoff nicht schon übersättigt ist. 


Der beruhigende Baldrian ist bekannt dafür, Katzen zu begeistern. Bild: AnRo0002 / wikimedia.org

Manchmal fällt die Reaktion einer Katze auf hohe Dosen von Katzenminze oder Matatabi heftig aus. Rauschzustände, die an Drogen konsumierende Menschen erinnern, Benommenheit, Zittern oder gar Bewusstseinsverlust wurden beschrieben. Manche Katzen zeigen Verhaltensweisen, die zur Rolligkeit (Paarungsbereitschaft) gehören, manche eher aggressive Reaktionen. «Wir wissen eigentlich nicht, was Catnip mit den Katzen macht, ausser dass sie von diesem Geruch angezogen werden», sagt Waiblinger. Allzu heftige Reaktionen der Tiere sollten nicht provoziert werden. 

Der Geruchssinn ist für die Katzen wichtig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie beim Hund. Über Duftmarken kommunizieren Katzen auch mit Artgenossen und markieren ihr Revier. Wenn sie ein Geruch besonders interessiert, zeigen es die Stubentiger: Dann flehmen sie mit halb offenem Maul und hochgezogener Oberlippe, um ihn deutlicher wahrzunehmen.

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