Tipps
› Zurück

Tierwelt 25/2013

Nicht jede Samtpfote ist ein guter Sofalöwe

Katzen, Haustiere | Donnerstag, 20. Juni 2013 07:00, Helen Weiss

Wer seine Katzen ausschliesslich in der Wohnung hält, muss ihnen Unterhaltung und Abwechslung bieten. Damit das Leben für richtige Stubentiger spannend wird, braucht es viel Zeit, Fantasie und nachgestellte Natur.

Den Charakter einer Katze zu beschreiben, ist kaum möglich. Es gibt temperamentvolle und phlegmatische Tiere, Choleriker und solche mit stabilem Nervenkostüm, mutige und Angsthasen, launische und immer freundliche. Entsprechend ihrem Charakter haben Katzen auch unterschiedliche Ansprüche. «Je besser die Beziehung zwischen Halter und Katze ist, umso einfacher können die Bedürfnisse des Tieres erkannt werden», erklärt Anouk Benziad, Leiterin des Katzenheims vom Tierschutzbund Basel. Die Expertin ist der Meinung, dass Katzen durchaus im Haus gehalten werden können, wenn es ihrem Charakter entspricht. Einige Punkte gilt es dabei jedoch zu beachten. 

So ist es etwa meist unabdingbar, dass eine Wohnungskatze von klein auf drinnen gehalten wird. «Bei Bauernhofkatzen, welche die erste Zeit ihres Lebens draussen verbrachten, raten wir grundsätzlich von einer Wohnungshaltung ab», sagt Benziad. Diese Meinung teilt Nathalie Dubois, die Geschäftsführerin von Pro Tier, Stiftung für Tierschutz und Ethik in Zürich: «Die Tendenz in der Tiervermittlung geht dahin, Katzen vermehrt als Freigänger zu platzieren.» Es gebe durchaus Katzen, die sich drinnen wohlfühlten. «Grundsätzlich entspricht Auslauf aber dem selbstständigen und freiheitsliebenden Wesen der Katze besser, als eine reine Wohnungshaltung», erklärt Dubois. Keinesfalls dürfe eine Katze den ganzen Tag alleine in der Wohnung gehalten werden, das Tier vereinsame sonst und langweile sich zu Tode. Daher rät Dubois: «Wohnungskatzen müssen mindestens zu zweit sein.» 

Da für Wohnungskatzen die Jagd wegfällt, brauchen sie anderweitige Unterhaltung
Wer eine Katzenhaltung ins Auge fasst, muss jedoch nicht nur den Charakter des Tiers berücksichtigen, sondern auch die Wohnlage. «So wie die Wohnung für Wohnungskatzen, sollte auch die Umgebung für Freigänger katzengerecht sein, also naturnah und verkehrsarm.» Denn ebenso wenig wie es eine hundertprozentige Sicherheit für das Tier gibt, kann man davon ausgehen, dass die Katze sich irgendwann an den Verkehr «gewöhnt». 

Doch auch wenn es mit der Wohnungshaltung klappt, kann man die Katze nicht einfach sich selbst überlassen, wenn man morgens zur Arbeit geht. Eine frei laufende Katze konzentriert ihre Energie auf die Jagd, Spiele und eventuelle Rivalitätsstreitigkeiten. Die Wohnungskatze dagegen muss ihre angestaute Energie bei gelegentlichen Temperamentsausbrüchen loswerden. Entsprechend vielseitig muss für Unterhaltung gesorgt werden. Um den Alltag des Miniraubtiers abwechslungsreich zu gestalten, ist vom Besitzer viel Fantasie gefragt. «Katzen freuen sich über alles, was neu ist, denn sie haben einen grossen Spieltrieb», sagt Anouk Benziad. 

Katzen leben sozusagen dreidimensional; Liegeplätze in luftiger Höhe, Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten befriedigen dieses Bedürfnis. «Die Tiere mögen Plätze, von denen aus sie das Geschehen draussen verfolgen können», erklärt Nathalie Dubois. «Beobachtungsposten an den Fenstern sind deshalb sehr beliebt.» Zu einer artgerecht eingerichtet Wohnung gehören auch ein Kratzbaum, ein mit einem Netz gesicherter Balkon und natürlich Katzentoiletten – mindestens eine pro Katze. 

Ausreichend Platz und ein gemässigtes Füttern sind das A und O in der Wohnung
«Zudem muss die Katze genügend Platz haben», sagt Dubois. Als Faustregel gilt: Pro Katze ein Zimmer – wer sich ein Trio der Sofalöwen anschaffen möchte, benötigt also mindestens eine Dreizimmerwohnung. Auch die Einrichtung muss je nachdem angepasst werden: Giftige Pflanzen wie Dieffenbachie, Weihnachtsstern und Begonie gehören nicht in einen Katzenhaushalt. Ebenso sollte die kostbare Ming-Vase weggeschlossen werden, will man Scherben verhindern. 

Bei der Ernährung sollte man auf die Menge achten: «Aufgrund des beschränkten Aktionsradius in der Wohnung muss man aufpassen, dass die Katze nicht zu dick wird», rät Dubois. Da der Vierbeiner drinnen keinen Kontakt mit fremden Artgenossen hat, kann man auf eine Impfung gegen Leukose (Leukämie) verzichten. Ein Schutz gegen Katzenseuche und -schnupfen muss jedoch auch bei Stubentigern vorgenommen werden, da man die Erreger an Schuhen und oder Händen ins Haus schleppen kann. Anouk Benziad sagt: «Mit der Impfung ist zudem garantiert, dass der Gesundheitszustand des Tieres regelmässig vom Tierarzt geprüft wird.»

Weitere Informationen:
www.tierschutzbund.ch
www.protier.ch

Buchtipp:
Gabriele Metz: «Wohnungskatzen – Natürlich halten und beschäftigen», Kosmos Verlag, ca. Fr. 22.–

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen