Tipps
› Zurück

Tierwelt 11/2013

Chip identifiziert vermisste Büsi

1 Kommentare Katzen, Haustiere | Donnerstag, 14. März 2013 08:00, Simone Matthieu

Immer mehr Samtpfoten in der Schweiz erhalten einen Chip. Doch auch diese Art «Katzenpass» ist für den Besitzer keine Garantie zu erfahren, was mit einem Tier passiert ist, das nicht mehr nach Hause kommt. 

Jedes Jahr verschwinden laut der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte Tausende Haustiere spurlos. Davon sind rund 80 Prozent Katzen, die sich draussen frei bewegen dürfen. Halterinnen und Halter erfahren in der Regel nie, was mit ihren Tieren passiert ist. Die Katzen kommen einfach nicht mehr nach Hause. Vielleicht, weil sie nicht lange genug zum Angewöhnen in der Wohnung gehalten und zu früh rausgelassen wurden. Oder noch schlimmer: Sie geraten bei ihren Streifzügen unter die Räder. 

Während das Büsi vielleicht längst in der Kadaversammelstelle deponiert ist, wartet daheim der Besitzer. Ob er jemals wissen wird, was mit seinem Tier passiert ist, hängt einerseits davon ab, ob die Katze gechipt war. Nur mit einem Chip können die Finder der Kadaver deren Haltern überhaupt Bescheid geben. Andererseits hängt das Informieren aufgefundener Katzen-Kadaver von der jeweiligen Gemeinde ab. Leta Filli von «Entsorgung und Recycling Zürich» sagt: «Wir sammeln die auf den Strassen liegenden toten Tiere ein und bringen sie in Fässern zur Sammelstelle. Eine Untersuchung der Kadaver führen wir dort nicht mehr durch, unter anderem, weil dabei für unsere Mitarbeiter eine hohe Infektionsgefahr besteht. Ausserdem wäre der Aufwand zu gross.» 

Anders ist es in Winterthur. Ulrich Weiss vom Tiefbauamt erklärt: «Wurde das tote Haustier nicht von einem Fuchs oder anderen in der Stadt angesiedelten Raubtieren gefressen, eruieren wir per Chip die Besitzer und benachrichtigen sie.» Er sagt allerdings auch, dass viele Besitzer anriefen, die ihre ungechipte Katze vermissten und nach deren Verbleib fragten – Anfragen, welche die Mitarbeiter des Tiefbauamtes unmöglich lediglich aufgrund von Fellbeschreibungen beantworten können. Katzenbesitzer fragen sich bei dieser uneinheitlichen Praxis, ob sich ein Chip überhaupt lohnt. Katzen müssen im Gegensatz zu Hunden nicht obligatorisch mit einem Chip versehen werden. Dabei ist es durchaus sinnvoll, den tierischen Freund zu chippen. Das Reiskorn-grosse Implantat bietet nämlich die weitaus grösste Chance, Gewissheit über Verbleib und Schicksal einer Katze zu haben. 

In Zürich werden wöchentlich mehrere Katzen dank des Chips gerettet
Auch lebendig aufgefundene Katzen können via Chip nach Hause gebracht werden. Dies haben offenbar erst wenige Katzen-Besitzer realisiert: Lediglich 10 Prozent der Schweizer Katzen sind laut der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte gechipt. Der Chip stört die Katze nicht und ist ungefährlich. Das Einsetzen kostet bei einem Tierarzt ungefähr 70 Franken. 

Dass das Implantat bei der Suche nach dem entlaufenen Liebling helfen kann, zeigen die Zahlen des Tierrettungsdienstes Zürich: Er holt wöchentlich mehrere verlaufene Katzen ab und kann sie dank des Chips zurück zu ihren Besitzern bringen. Polizei, öffentliche Behörden und Kadaver-Entsorgungsstellen werden mehr und mehr mit Lesegeräten ausgerüstet. Ziel der Tierärzteschaft ist es, dass tote Katzen systematisch auf einen Chip untersucht werden. 

› Zurück
Kommentare (1)

Hanspeter Niederer am 14.03.2013 um 12:57 Uhr
Tiere werden offenbar von vielen Behörden noch als Ware betrachtet, die man achtlos entsorgen kann. Nebst dem Lesen eines Chips wäre das Fotographieren von toten Haustieren und die Publizierung auf einer Schweizer Homepage ein absolutes Muss und mit recht kleinem Aufwand verbunden. Für die im Ungewissen gelassenen Besitzer der Tiere ein enorm wichtiger Service, der meiner Meinung nach zu einem bürgernahen Service Public gehören würde.

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen