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Blumenwiese

Ein Schlaraffenland für Nektarsammler

Garten | Donnerstag, 12. Juli 2018, Helen Weiss

Wer im Frühling eine Blumenwiese eingesät hat, kann sich bald über das erste Grün freuen. Bis die Saatgutmischung in voller Fülle erblüht, sind jedoch einige Pflegemassnahmen nötig. Der richtige Schnitt ist dabei ausschlaggebend für den späteren Erfolg.  

Bunte Blumenwiesen sind leicht anzulegen, geben optisch viel her und sind gleichzeitig wertvolle Biotope im Garten. Mit ihrer Artenvielfalt bieten sie zahlreichen Kleintieren und Insekten wie Schmetterlingen, Fliegen, Wildbienen und Hummeln einen Lebensraum. Im Vergleich zu herkömmlichen Zierrasen ist die Wiesenpflege zudem wenig aufwendig: Es sind weder Düngung, Wasser noch Spritzmittel nötig – eigentlich wächst fast alles von allein. 

Entscheidend ist jedoch der richtige Schnitt, vor allem im Aussaatjahr», erklärt Tobias Probst vom Fachbereich Wildblumen bei UFA-Samen in Winterthur. Oftmals sehe man nach der Aussaat im Frühling viel Unkraut. Das sei kein Grund zur Sorge: «Viele Samen aus unseren Mischungen keimen erst nach vier bis acht Wochen.» Das Unkraut überwuchert die Wildpflanzen – es spendet den Keimlingen zwar Schatten, nimmt ihnen aber auch das Licht. Deshalb sind laut Probst sogenannte Säuberungsschnitte notwendig, wenn das Unkraut 25 Zentimeter hoch ist und kein Licht mehr auf den Boden durchlässt. «Wer den Pflegeschnitt nicht durchführt, muss später in der Regel auf all die Pflanzenarten verzichten, die nicht so schnell keimen und wachsen können.»

Mähen statt Jäten 
Je nach Unkrautdruck und Wüchsigkeit sollte man das Unkraut auf der neu entstehenden Wiese zwei bis vier Mal mähen. Wer die Blumenwiese jedoch jäten will, statt das Unkraut zu kappen, ist schlecht beraten. «Durch das Ausreissen der Beikräuter richtet man viel Schaden an», warnt Probst. Die Erdoberfläche wird durch das Jäten so stark aufgebrochen, dass feines Saatgut mehrere Zentimeter unter die Erdkrume fällt und dort verkümmert.

Doch nicht nur die Säuberungsschnitte im Saatjahr tragen zum Gelingen einer schönen Blumenwiese bei. Auch die Zeitpunkte für die «richtigen» Heuschnitte der Wiese in den folgenden Jahren sind relevant. Dabei gilt es, weder zu früh noch zu spät zur Sense zu greifen. Denn damit die Artenvielfalt in der Blumenwiese erhalten bleibt, müssen dem Boden jedes Jahr neue Samen zugeführt werden. Dies gilt auch für Wiesenmischungen mit mehrjährigen Pflanzen, damit eine regelmäs­sige «Erneuerung» stattfindet. 

Als «eidgenössischer Heutag» gelte der 15. Juni, sagt Probst. «Das ist zwar ein guter Stichtag im Mittelland, das heisst aber nicht, dass man seine Wiese genau an diesem Tag mähen muss.» Es sei sogar besser, die Sense manchmal noch etwas ruhen zu lassen. «Für die Kleinstlebewesen ist es nicht förderlich, wenn sie all ihrer Lebensräume innerhalb eines Tages beraubt werden.»

Wichtig ist es, die Wildpflanzen nicht jedes Jahr zum selben Zeitpunkt zu kappen. Denn je nach Wetter entwickelt sich die Vegetation unterschiedlich. «Den richtigen Zeitpunkt erkennt man daran, dass das Gras verblüht ist und beginnt, Samen zu bilden», gibt Probst einen Tipp. Gemäht wird mit der Sense oder – je nach Grösse der Wiesenfläche – mit dem Balkenmäher. Bei einer «Schur» mit dem Rasenmäher würde das Schnittgut zu stark zerkleinert. Aus Rücksicht auf die tierischen Wiesenbewohner sollten Rückzugsmöglichkeiten erhalten werden, indem nicht die ganze Wiese auf einmal gemäht wird.

Das Schnittgut regelmässig wenden
Das anfallende Schnittgut wird zwei bis drei Tage auf der Fläche getrocknet, damit die Samen herausfallen können. «Viele Wiesenblumen ziehen nach dem Schnitt alle Kraft in die Samenbildung und schaffen es innerhalb von drei Tagen, ihre Samen nachreifen zu lassen», sagt der Fachmann. Daher gilt es, das Schnittgut regelmässig zu wenden, damit die reifen Samen auf die Erde fallen können. Danach wird das Heu entfernt: Es kann als Tierfutter verwendet oder kompostiert werden. Ein zweiter Schnitt erfolgt Ende August oder im September. «Das Mähen vor dem Winter ist wichtig, sonst können die Pflanzen faulen», betont Probst.

Literaturtipps:
Karin Hochegger: «Blumenwiesen im naturnahen Garten», Dörfler Verlag, ISBN: 978-3-89555-997-6, ca. Fr. 10.–

Bruno P. Kremer: «Hecke, Gartenweg und Blumenwiese. Lebensräume im Naturgarten passend bepflanzen», Haupt Verlag, ISBN: 978-3-258-08000-0, ca. Fr. 42.–

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