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Garten

Winterhilfe für Nützlinge

Garten | Montag, 5. Februar 2018, Helen Weiss

Im naturnahen Garten fühlen sich viele Nützlinge wohl. Sie sorgen dafür, dass Pflanzenschädlinge nicht überhandnehmen. Im Winter ziehen Schwebfliege, Schlupfwespe und Schwalbenschwanz in ein geschütztes Quartier und sind oft froh um etwas Hilfe.

Schnee, kahle Bäume und keine Blüten in Sicht: Der Winter lässt den Garten oft etwas trist und unbelebt erscheinen. Das täuscht jedoch, denn Hecken, Laub- und Asthaufen sowie Mauerritzen werden von Nützlingen gerne als Hotel zur Überwinterung in Anspruch genommen. Sogar im Gartenhaus schlummern Schmetterlinge, um strengen Frösten zu entfliehen. Im naturnahen Garten sollte man den kleinen Helfern deshalb möglichst viele geeignete Quartiere anbieten. 

Fallen die Temperaturen, ist vor allem die Insektenfraktion froh um einen Unterschlupf: Sie mag Laub- und Asthaufen, worin sie sich gern ein warmes Bett einrichtet. «Deshalb gilt es, viele unterschiedliche Strukturen zu schaffen, um möglichst vielen Arten eine Überwinterungsmöglichkeit zu bieten», sagt Ralph Schwarz, Geschäftsführer der Andermatt Biogarten AG. Denn einige Arten überwintern als adulte Tiere, während andere die kalte Jahreszeit im Ei- oder Larvenstadium überstehen. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Ansprüche an das Hotelbett. «Am besten räumt man den Garten gar nicht auf», rät Schwarz. Denn so findet sich für jeden Geschmack die geeignete Unterkunft: In verdorrten Pflanzenstängeln verkriechen sich Marienkäfer, vertrocknete Früchte bieten Schwebefliegenlarven Zuflucht und im Laubhaufen machen es sich Florfliegen gemütlich. 

Ordnung ist also im Garten nur das halbe Leben und mit etwas Mut zur Lücke gibt man vielen Lebewesen eine Chance, den Winter gut zu überleben. «Gerümpelecken in Schuppen werden etwa von Schmetterlingen wie dem Kleinen Fuchs oder dem Zitronenfalter bevorzugt», weiss Schwarz. Deshalb sollte die Tür zum Gartenhäuschen einen Spalt offen gelassen werden, damit die Falter Zugang finden. Und wenn es der Gebäudeschutz zulässt, sollten Nischen und Spalten am Verputz, an der Dachkante oder im Mauerwerk nicht geflickt werden. Dabei darf man auf royalen Besuch hoffen, denn Wespenköniginnen überwintern gerne in Mauerritzen. Aber auch für Marienkäfer und Pfauenauge ist dies die perfekte Winterlokalität. 

Insektenhotels für den Winter
«Fledermäuse hingegen schlüpfen gerne in Hohlräume von Storenkästen oder Holzstapel», erklärt der Fachmann. Entdeckt man einen dieser seltenen Gäste im Winter, ist Vorsicht geboten, wie Schwarz weiss: «Wenn sie ‹verlegt› werden müssen, sollte man Handschuhe tragen. Sie können sich zwar aufgrund der Winterruhe nicht bewegen, aber immer noch kräftig zubeissen.» Grundsätzlich sollte man es jedoch möglichst vermeiden, die Tiere zu stören, weshalb sich ein Fledermaus-Haus bewährt, das im Garten an einem Baumstamm oder an der Hausmauer fest installiert werden kann.

Wer im Garten weder über einen alten Baumstamm noch eine Trockenmauer verfügt, kann auch künstliche Überwinterungs-Möglichkeiten schaffen. Zum Beispiel bietet ein Insektenhotel mit unterschiedlichen Strukturen ein warmes Daheim für Wildbienen und Co. «Es bewährt sich, mehrere kleine Hotels zu bauen, statt ein grosses», sagt Schwarz. Denn zieht die Schlupfwespe ins gleiche Hotel wie die Wildbiene, gibt es im Frühling garantiert kein Happy End: «Die Schlupfwespe parasitiert die Wildbiene und legt ihre Eier in deren Larven ab.» 

Auch ein Steinhaufen lässt sich als künstliche Struktur leicht anlegen – besonders Amphibien und Reptilien schätzen solche trockene Standorte, während Igel eher mit Ast- und Laubhaufen vorliebnehmen. «Haufen, egal welcher Art, sollte man jedoch wenn möglich immer mit stachligen Brombeerranken vor Katzen und anderen tierischen Räubern schützen», sagt Schwarz.

Literaturtipps:
Rainer Berling: «Schädlinge und Nützlinge im Garten. Mit neu eingewanderten Schädlingsarten», BLV Buchverlag, ISBN: 978-3-8354-1615-4, ca. Fr. 23.–

Benjamin Busche: «Igelhaus und Hummelhütte. Insektenhotels und Behausungen für andere kleine Nützlinge», Verlag: Bessermann, ISBN: 978-3-8094-3606-5, ca. Fr. 15.–

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