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Delfine

Fast wie Menschen im Wasser

Wildtiere | Mittwoch, 8. November 2017, Meret Signer

Delfine leben in komplexen sozialen Strukturen, von denen viele Aspekte auch in menschlichen Kulturen vorkommen. Trotzdem werden sie nie in der Lage sein, Städte zu bauen und Technologien zu entwickeln.

Dass Delfine ausserordentlich intelligent sind, daran besteht kein Zweifel. Nur schon die Grösse ihres Gehirns lässt darauf schliessen. Im Vergleich zur Körpermasse wird das Gehirn des Grossen Tümmlers nur noch von der des Menschengehirn übertroffen. Und was die Meeressäuger mit ihren Gehirnen alles anstellen können, dem kommen Forscher nach und nach auf die Spur. 

So bilden Delfine beispielsweise Allianzen und Freundschaften. Sie kooperieren beim Jagen und geben ihre Jagdtechniken in der Gruppe weiter. Einige Arten bestehen den Spiegeltest. Dabei wird einem Tier ein Spiegel hingestellt, um herauszufinden, ob es in der Lage ist, sein eigenes Spielgelbild zu erkennen – mit anderen Worten, ob es die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung besitzt. 

Erstaunlich sind auch die sprachlichen Fähigkeiten der Delfine: Sie verfügen über ein vielfältiges Repertoire von Geräuschen, Klicks und anderen akustischen Signalen. Bei Orcas, die auch zur Familie der Delfine gehören, wurden bereits regionale Dialekte nachgewiesen. Schon in den 1960er-Jahren haben Forscher herausgefunden, dass Grosse Tümmler in den ersten Monaten ihres Lebens einen individuellen Pfiff entwickeln, den sie für den Rest ihres Lebens beibehalten. Dieser Pfiff ist bei jedem Delfin anders, er kodiert quasi ihre Identität. Es ist der Name, den sie sich selber geben. Zwei Studien aus dem Jahr 2013 legen nahe, dass die Tiere die Namen von anderen kennen und sich auch bei diesen rufen. Zum einen regieren sie, wenn sie ihren eigenen Pfiff unter Wasser hören und rufen zurück. Zum anderen rufen Mütter mit dem Pfiff ihrer Kälber nach diesen, wenn sie voneinander getrennt werden. Dies tun auch miteinander befreundete Männchen. 

Grosse Tümmler im Spiegeltest (Beitrag von CNN, auf englisch):

«Verblüffende Parallelen»
Zweifel aufkommen liess allerdings eine Meldung, die im September 2016 die Runde machte. Russische Forscher hätten im Schwarzen Meer zwei Grosse Tümmler beobachtet, die wie Menschen ein richtiges Gespräch geführt hätten. Die Begeisterung in den Medien war gross, die von anderen Forschern weniger. Sie zweifelten an den Methoden der russischen Kollegen. Dennoch gibt es Indizien, dass Delfine «Wörter» erkennen oder nachahmen können. Die Amerikanerin Denise Herzing, die seit 30 Jahren wilde Zügeldelfine erforscht, hat eine Art Delfin-Pfiff-Übersetzer entwickelt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Das Schönste in drei Jahrzehnten Delfinforschung, sagte sie 2016 in der Zeitschrift «National Geographic» sei für sie aber die Erkenntnis gewesen, dass alle Tiere verschiedene Persönlichkeiten sind. «Einige sind schüchtern, einige sind frech, einige pflegen viele Kontakte in der Gruppe, andere bewegen sich eher am Rand.»

All diese Aspekte liessen Forscher der Universität Manchester in einer im Oktober im Fachmagazin «Nature Ecology & Evolution» veröffentlichten Studie von «einzigartigen und verblüffenden Parallelen» zu Menschen schreiben. Die Evolution von Gehirngrösse und Sozialität hängt bei Menschen und Menschenaffen eng zusammen und bei Delfinen ist dies nicht anders, zeigen die Autoren in der Studie und deshalb, so vermuten sie, besetzen Delfine dieselbe «kulturelle Nische» im Wasser, die wir Menschen an Land besetzen und die es uns erlaubt hat, «fast jedes terrestrische Ökosystem zu kolonisieren.» 

Wenn Delfine den Menschen so ähnlich sind und ihre Gehirne denselben evolutionären Prozessen unterliegen wie die der Menschen, werden sie dann eines Tages in Unterwassermetropolen mit Unterwassertechnologien leben? «Leider lautet die Antwoert auf diese Frage: nein», sagt Susanne Shulz, Hauptautorin der Studie in einer Mitteilung ihrer Universität. «Es gibt eine Sache, die Primaten haben, die Delfine nicht haben und das sind opponierbare Daumen.» Das bedeutet, dass sich der Daumen den anderen Fingern gegenüberstellen lässt, was Menschen dazu befähigt, zu greifen, Dinge zu bauen und Werkzeuge zu gebrauchen. Da Delfine keine Hände haben, können sie keine Häuser, Computer oder Raumfahrzeuge fabrizieren. «Obwohl Delfine komplexe Gesellschaften haben, werden sie nie komplexe Technologien haben», sagt Shulz.

Zügeldelfine tummeln sich vor Madeira (Video: Meret Signer):

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