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Raubfische

Wie gefährlich sind Haie?

2 Kommentare Wildtiere | Donnerstag, 23. Juli 2015, Niklaus Salzmann

Die Welt ist schockiert über den jüngsten Angriff eines Hais auf einen Surfprofi. Doch wie häufig sind Haiangriffe wirklich? Und wie hoch die Überlebenschancen? Hier finden Sie sachliche Antworten.

Nun ist schon wieder etwas passiert. Am vergangenen Sonntag, 19. Juli 2015, bei einem Surfwettkampf in Südafrika. Der dreifache Weltmeister Mick Fanning wartete im Wasser auf die nächste Welle, als plötzlich – gut sichtbar für das Publikum und die Kameras (siehe Video) – eine dreieckige Rückenflosse hinter ihm auftauchte. Haifisch!

Der Hai zog den Surfer an der Fussleine ins Wasser, der Mann schlug auf den Fisch ein, doch als die Leine riss schwamm der Hai davon und Fanning konnte ein herbeieilendes Boot erreichen. Mick Fanning kriegte von der Haibegegnung keinen Kratzer ab, nur einen gehörigen Schrecken nimmt er mit. Doch auch diese glimpflich verlaufene Begegnung wird zur Mythenbildung rund um den Hai beitragen.

Spätestens seit 1975 der Steven-Spielberg-Film «Der weisse Hai» die Kinobesucher wohlig erschreckte, grassieren die Vorurteile über Haie. Dass der Weisse Hai nicht das blutrünstige Monster ist, als das er im Film gezeigt wurde, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Doch nach wie vor kursiert über Haie mehr Unwissen als Wissen. Wir haben untersucht, was an einigen weitverbreiteten Volkswahrheiten dran ist.

1. Vorurteil: Haie fressen Menschen
Eins vornweg: Hai ist nicht gleich Hai. Es gibt rund 500 Haiarten, nur eine Handvoll davon ist für den Menschen potentiell gefährlich. Nun gibt es präzise Statistiken, in denen erfasst ist, welche Haiarten für wie viele Angriffe verantwortlich sind. Darin tauchen allerdings auch Bisse von Haiarten auf, die weit kleiner sind als der Mensch und ihn garantiert nicht als Beute betrachten. Gemäss Haiexperten gibt es keine einzige Art, für die der Mensch ins typische Beuteschema fällt. Dafür sprechen auch die Zahlen – Sie können leicht abschätzen, dass etwa Seehunde doch etwas grössere Verluste durch Haie erleiden als die weltweit drei Todesfälle, welche die Universität Florida fürs Jahr 2014 erfasst hat.

Trotzdem ist es Tatsache, dass es Einzelfälle gibt, in denen Haie Menschen schwer verletzten oder töten. Gefährlich werden nur grosse Arten, die auch in von Menschen frequentierten Gewässern schwimmen, das sind Arten wie der Weisse Hai, der Tigerhai oder der Bullenhai. Aus welchen Gründen sie in seltenen Fällen einen Badegast oder Surfer beissen, können die Forscher bisher nicht mit Sicherheit sagen. Manche vermuten, die Haie würden Surfer mit Seehunden verwechseln, andere sehen als Ursache eher die Neugierde der Haie, die unbekannte Objekte mit ihrem Geschmackssinn zu begreifen versuchen. Für diese Theorie spricht auch die Beobachtung, dass Haie oft nach einem einzelnen Biss von einem Opfer ablassen.

2. Vorurteil: Haiangriffe verlaufen meist tödlich
Der Fall von Mick Fanning wird öffentlich als Haiangriff bezeichnet. Doch Fanning ist unverletzt. Indem er auf den Hai eingeprügelt habe, habe er das Tier verscheucht, schreibt etwa «Mail Online». In der Tat ist es bei kleineren Haien nicht unmöglich, den Angreifer durch Gegenwehr zu verjagen. Bei grösseren Tieren – ein Weisser Hai kann sieben Meter lang werden – ist jedoch klar: Greift der Hai an, ist der Mensch chancenlos.

Trotzdem weist die Statistik fürs Jahr 2014 nur drei Todesfälle auf 72 Haiangriffe aus. Mit anderen Worten: Nur jeder zwanzigste Haiangriff verlief tödlich. Das deutet darauf hin, dass in vielen dieser Fälle das Wort «Angriff» schlicht unpassend ist. Auch bei Mick Fanning wäre das Wort «Haibegegnung» treffender als «Haiangriff».

3. Vorurteil: Im Mittelmeer gibt es keine Haie
Wer Angst vor Haien hat, vermeidet Australien, Hawaii, Südafrika und fährt stattdessen ans sichere Mittelmeer in die Ferien. Allerdings leben im Mittelmeer rund 46 Haiarten, davon 15 potentiell gefährliche, wie Haibiologe Ian K. Fergusson auf Shark Info schreibt. Darunter auch der Weisse Hai. Trotzdem kommt es so selten zu Unfällen, dass sich kein Schreckensmythos entwickeln konnte. Das bestätigt nur, was wir weiter oben geschrieben haben: Der Mensch passt nicht ins Beuteschema von Haien.

Ob Sie also ans Mittelmeer, nach Australien oder nach Südafrika fahren: Den Badespass müssen Sie sich nicht von Haien verderben lassen. Wenn Sie etwas für Ihre Sicherheit tun möchten, werfen Sie am besten einen Blick auf die Regeln für sicheres Schwimmen vom Bundesamt für Unfallverhütung. Gegenüber den weltweit drei Todesfällen mit Haien haben wir allein in der Schweiz im laufenden Jahr bereits 26 Todesfälle durch Ertrinken zu beklagen. Haie können Sie daneben getrost vergessen.

Haiangriff? Die Begegnung des Surfprofis Mick Fanning mit einem Hai in Südafrika:

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